Physik (oder: der Bericht eines Augenzeugen)

Donnerstag morgen. Erste Stunde. Man kommt so gerade pünktlich in die Schule und muss sich darüber klar werden, was man jetzt für eine Stunde hat. Und leider ist diese Stunde „Physik“. Und noch viel leiderer wird diese Stunde von niemand anderes regiert als vom großen und breiten Meister.

In dem Moment, wo man sich über das klar geworden ist, betritt man auch schon die Klasse. Natürlich als letzter. Man will ja nicht auffallen. Das durch diese Aktion der Auffallfaktor zwar am höchsten ist kann man hier als Nebensächlichkeit abstempeln. Dem großen Meister fällt es zwar auf, doch das ist einem eigentlich ziemlich egal.

Wenn man sich in der Klasse umsieht könnte man sagen, sie strotzt ebenfalls von „Egalität“. Man könnte die Klasse in diesem Moment auch mit einem Wachsfigurenkabinett vergleichen. Der einzige Unterschied zu den eben erwähnten wächsischen Nachbauten ist der, dass sich die Wachsfiguren nicht anstrengen müssen, ihre Augen aufzuhalten.

Nach diesen grandiosen und unglaublich aufbauenden Ersteindrücken die man über das Umfeld der nächsten 45 Minuten gesammelt hat bewegt man sich auf seinen Platz und setzt sich. Der Unterricht kann beginen.

Um den Ablauf des Unterrichtes kurz zu beschreiben:

Der Lehrer erklärt irgendwelchen Schülern (er denkt halt, sie wären „anwesend“) irgendwas, was irgendein Typ mal irgendwann durch irgendein Experiment bewiesen hat, dadurch berühmt wurde und irgendeinen Preis gewonnen hat. Sehr interessant. Wenn man drei Jahre in einem Raum eingesperrt wurde, in dem nur Teletubbies und Jugendgericht gezeigt wurde, mag das wirklich interesant sein. Doch für uns, die leidenden, armen und unbeholfenen Schüler ist es schlicht und ergreifend LANGWEILIG!

Aber das kümmert unseren großen Meister nicht. Er erzählt immer weiter über irgendwelche Feldkräfte, Kügelchen und Wattebäuschchen die von irgendwem angezogen werden. Einige Schüler denken in diesem Moment, dass es interessanter wäre, wenn sich mal ein paar Leute AUSziehen würden, aber dieser Gedanke wird schleunigst wieder fallengelassen, wenn man sich den vornestehenden Lehrkörper genauer betrachtet.

Nach einiger Zeit beginnt jeder Schüler, unbewusst immer und immer wieder den gleichen Bewegungsablauf auszuführen. Der berühmte Blick auf die Uhr. Doch leider muss man feststellen, dass Einstein mit seiner Relatividings-Theorie gar nicht mal so falsch lag. Die Stunde scheint nicht enden zu wollen.

Spätestens in diesem Moment ist es um jeden der Schüler geschehen. Es folgt ein neuer Handlungsablauf: Hirn aus, Augen halb schließen und permanent und bestimmt den Blick Richtung Tafel richten, ohne erwähntes Objekt jedoch wirklich wahrzunehmen. Gespräche mit den Nachbarn sind leider nicht möglich, da diese in den gleichen Trance-Zustand gefallen sind. Man könnte einem jetzt theoretisch einen Pflock durch den Augapfel rammen und keiner würde es merken.

Gerade, wo die Stimmung am höchsten ist, passiert immer das gleiche. Der Meister beginnt mit seinen Geschichten. Das klingt jetzt vielleicht interessant… das Problem ist nur, dass es das nicht ist. Der Interessantheitsfaktor ist vergleichbar mit dem Bildungsfaktor der schon oben erwähnten Serie Teletubbies.

So zieht sich diese Stunde der Qualen hin… und hin… und hin. Irgendwann treten erste Selbstmordgedanken auf… bei einigen Schülern kommen auch Gedanken über Geschichten auf, in denen man den Ablaub der Physikstunde wiedergeben könnte (das gleiche passierte dem Autor DIESER Geschichte). Doch irgendwann, man mag es nicht glauben, ist auch diese Stunde mal vorbei.

Die Schüler hören das Klingeln, werden wach, stehen auf und gehen. Natürlich ohne den Lehrer zu beachten, der einem noch die Hausaufgaben diktieren möchte… macht ja eh keiner…

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