Weg zur Arbeit

Gestern ist mir auf meinem Weg zur Arbeit etwas echt ätzendes passiert.

Ich stand da so an der Bushaltestelle, als plötzlich eine alte Omma … oh ich meine natürlich eine alte Dame auf mich zu kam. Sie fragte mich, ob ich ihr nicht sagen wollte, wie viel Uhr wir denn haben. Hilfsbereit wie ich bin, oder besser gesagt, weil ich keine gute Ausrede wusste, sagte ich es ihr.

Aber ich hatte ja selbst schuld. Ich hatte eine der wichtigsten Regeln im Straßenverkehr nicht eingehalten, welche lautet: Sage nie einer alten Dame die Uhrzeit. Kaum hatte ich ihr die Uhrzeit gesagt, ging der Müll auch schon los. Sie fragte mich, wie ich denn das Wetter finden würde. Ich sagte nur, dass ich es doch eigentlich ganz gut fände, dass es mal wieder schneien würde.

Und sofort fing sie an: „Jaaajaaa das heutige Wetter weiß auch nicht was es will. Gestern noch Sonne pur und heute Schnee. Und das bei so einer alten Dame wie mir. Mit meinen armen Knochen. Außerdem hab ich da ja noch diese üble Verstopfung. Das ist echt schlimm. Bei diesem Wetter sprudelt das einem nur so heraus. Ich hab da auch gerade ein paar Fotos dabei, wenn sie mal gucken wollen…“

Na ja, was soll ich sagen. Ich wollte ihr ja natürlich nicht sagen: Ey Omma hau ab du nervst mich! Also sah ich mir wohl oder übel diese Fotos an. Nach den ersten zweien reichte es mir aber auch schon wieder. Ich sagte nur, dass mein Bus jeden Moment kommen und ich mich schon mal bereit machen müsste. Doch sie fragte mich nur, ob ich nicht Radio gehört hätte. Heute würde doch gar kein Bus fahren, weil die Unfallgefahr zu hoch sei. Jedenfalls kam sie gleich wieder auf ihre Fotos zu sprechen.

Nach genau 18 Fotos war es aber dann endlich vorbei … dachte ich. Dann kam sie nämlich auf ihre Krampfadern zu sprechen. Ich wusste gar nicht, wo ein Mensch alles Krampfadern haben konnte. Nachdem sie mir dann auch noch die Fotos zu diesem Thema zeigte, zweifelte ich schon daran, ob ich wirklich wach bin oder ob das nicht einfach nur ein Traum ist. Ich wollte diese olle Schachtel schon am liebsten in den nächsten Schneehügel schleudern.

Doch dazu kam es gar nicht mehr. Denn sie fing gerade an von ihrer Familie zu erzählen. Dem schwulen Enkel, dem toten Schwiegersohn, der alkoholabhängigen Tochter und so weiter und so weiter… Jedenfalls dauerte das Gespräch noch ca 2 oder 3 Stunden an. Hier jetzt alles zu erzählen, was sie mir erzählt hatte könnte etwas lange dauern.

Letztendlich konnte ich mich nur der Unterhaltung mit dieser netten Frau entziehen, indem ich, als sie sich kurz umdrehte, ihren Hut packte, ihn wegschleuderte und ihr sagte, dass das wohl der Wind gewesen sein musste. Dann sagte ich ihr, dass ich ihn ihr gleich wiederholen würde. Ich lief also auf ihn zu … machte eine 90 Grad Drehung nach rechts und rannte so schnell ich konnte weg von der Bushaltestelle. Nach ca einer halben Stunde Fußmarsch kam ich dann auch endlich an meinem Arbeitsplatz an.

Was jetzt genau aus der Oma geworden ist, weiß ich auch nicht. Aber wenn ich ehrlich bin, ist es mir auch scheiß egal….

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