Skydive – Das gefallene Gleithörnchen

Letztens hatte ich genug von meinem Leben. Natürlich nicht im “Ich bringe mich um”-Sinne. Eher im “Hier geht voll nichts ab.”-Sinne. Also beschloss ich, es von nun an volle Kanne abgehen zu lassen. Aber das klingt einfacher, als es ist. Ich hocke den ganzen Tag vor dem Rechner, der Konsole, dem Fernseher oder dem Buch. Da geht ja nun schon so einiges ab. Wie soll man ein so actionreiches Leben noch toppen? Mir kam da nur “Fliegen” in den Sinn. Also griff ich zum Supermankostüm, mit dem ich auf der letzten Versagerversammlung den ersten Platz belegt hatte, nahm die höchste Position ein, die ich in meinem beruflichen Leben jemals erklommen hatte, starrte dem Abgrund tief in die Augen und flog auf meine einzige Schwachstelle, meine Achillesferse, nämlich auf die Fresse.

Skydive - Das gefallene Gleithörnchen

Skydive - Das gefallene Gleithörnchen

Skydive - Das gefallene Gleithörnchen

Skydive - Das gefallene Gleithörnchen

Skydive - Das gefallene Gleithörnchen

Skydive - Das gefallene Gleithörnchen

Skydive - Das gefallene Gleithörnchen

Nachdem ich mich wieder aufgerappelt hatte, weinte ich ein bisschen. Danach gab ich mich resignierend meinem alltäglichen Leben auf der Überholspur hin und spielte Videospiele. “Skydive”, um genau zu sein.

Bei “Skydive” macht man im Grunde das, was ich da oben auch gemacht habe. Nur ist der Abstand zwischen Füßen und Zielboden deutlich größer. Und eine Wolldecke nutzen unsere Extremsportlerfreunde auch nicht. Bei denen sieht das so aus.

Skydive - Das gefallene Gleithörnchen

(Quelle: skydivegame.com)

Irgendwie ist das jetzt viel beeindruckender als meine verwackelten Handyfotos. Oder? Hmm. Jetzt, wo ich so darüber nachdenke… möchte ich mir darüber kein Urteil erlauben. Mögen meine Leser entscheiden, während ich ein paar Worte über “Skydive” verliere und den Drang bekämpfe, ein ausgelutschtes “wiederfinden”-Wortspiel zu bringen.

Man steht auf einem Berg und springt diesen hinunter. Der Gleithörnchenanzug sorgt dafür, dass man nicht wie ein Stein gen Boden fällt, sondern durch Windgedingse seine Fallrichtung beeinflussen kann. Filmt man das und unterlegt dieses Video dann mit krassheftigem Brutalogitarrengeschredder, sind einem mindestens zehn youtube-Clicks gewiss.

Gesteuert wird per Controller. Überraschung. Lasst mich das etwas besser formulieren. Bewegungssteuerung! Hey! Geht nicht weg! Das war mal voll in! Und innovativ! Wisst ihr noch? Innovativ. Das waren noch Zeiten. Mensch. Ich habe Tränen in den Augen. Tränen! Der Wahnsinn. Wer keine Lust auf den “Move”-Controller hat oder (wie ich) keinen besitzt, muss natürlich nicht gleich wutentbrannt aufschreien und seinen Unmut unter youtube-Videos klatschen. Auch der normale PS3-Controller kann geneigt werden. Ich zeige euch nun, wie viel Ahnung ich von Videospielen habe, indem ich “Skydive” mit “Flower” vergleiche. Oh je. Jetzt bin ich wohl des Todes. Wer Kommerz und Kunst miteinander vergleicht, hat wohl nichts Besseres verdient. Aber was solls. Ein Killer vor der Haustür würde endlich mal wieder etwas Leben in die Bude bringen. Kurzzeitig. Die Bewegungssteuerung bringt auch Leben in die Bude. Wie bei “Flower” neigt, kippt und dreht man den Controller, schaut dabei aber keinem Blütenblatt, sondern einem Menschen über die Schulter. Blütenblätter haben keine Schultern, übrigens. Bevor sich jemand wundert. Die Steuerung funktioniert ganz gut. So sehr ganz gut, dass ich mittlerweile ohne sie spiele. Deaktiviert die Bewegungssteuerung und ihr lenkt euren Charakter per Stick durch die Welt. Das ist nicht ganz so präzise, dafür aber manchmal deutlich präziser. Ihr wisst was ich meine.

Und was macht man nun, während man fällt? Das hängt ganz von der Auswahl des Spielmodus ab. Zunächst einmal kann man durch Leuchtringe fliegen. Wie bei “Pilotwings”. Man nennt mich auch das wandelnde Videospielelexikon. Da sieht man also überall Leuchtringe in der Luft schweben, braust durch sie hindurch und gewinnt, wenn man eine bestimmte Anzahl von Ringen durchquert hat. Dann öffnet man den Fallschirm und segelt langsam und sicher gegen einen Kirchturm.

Wer nicht auf Leuchtringe steht, kann auch Tricks machen und so Punkte sammeln. Dann bekommt man Aufgaben wie “Mache 10.000 Punkte indem du diesen einen Trick da machst. Den mit der Nase, ähm, dem Namen.” Diesen Anweisungen folgt man. Das ist wie “Tony Hawks Pro Skater” ohne Skateboard und ohne Bam Margera. Haut der eigentlich immer noch seinen Vater, um sich seinen Lebensunterhalt zu finanzieren? Wartet, ich will es nicht wissen. Aber ich habe plötzlich Lust, meine Skatevideos-Sammlung aus der Zeit, in der man sich eine solche noch angelegt hat, weil es cool war, durchzugucken. Aber zunächst sollte ich diesen Text beenden.

Also: Ringe und Tricks. Rennen gibt es auch. Wobei das eher Fallen sind. Weil man fällt und nicht rennt. Man fällt gegen andere Mitsportler. Das klingt jetzt aber komisch. Egal.

“Skydive” macht Spaß. Nicht viel und nicht allzu lange, aber es funktioniert und hält, was es verspricht. Hin und wieder ein paarmal vom Berg springen hat noch niemandem, der heil unten ankam, geschadet. Mein größter Kritikpunkt ist, dass es nicht viel Spaß macht, Unfälle zu bauen. Oder sonstigen Unfug zu treiben. Ich treibe verdammt gerne Unfug. Meine bisherigen Texte über Rallyespiele sprechen da Bände. Bei “Skydive” habe ich aber nicht viel Spaß dabei haben können. Klatscht man mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Bergwand, prallt man entweder von ihr ab oder die Runde gilt als gescheitert. Das ist mir zu wenig. Warum gibt es keine Zuschauer, in die man stürzen kann? Warum kann ich mich nicht selbst auf einem Kirchturm aufspießen? So viele Fragen und leider keine Antworten. Trotzdem: “Skydive” ist in Ordnung.

Danke an planofattack.biz für das bereitgestellte Testmuster.

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