Zu dieser Reihe
Bei den Literatur-Ritualen handelt es sich um ein kleines Solo-Rollenspiel, das ich erfunden habe, um mich nach dem Lesen eines Buches noch ein wenig mit diesem zu beschäftigen. Kurz eine Zusammenfassung der Welt, in der es spielt:
Bücher können Menschen emotional berühren. Sie können einen zum Lachen oder Weinen bringen, einen zum Nachdenken anregen und das Leben der Lesenden für immer beeinflussen. Aber auch die Lesenden beeinflussen die Bücher. Ihre Emotionen können sich in den Seiten festsetzen und sich von dort aus auf andere Menschen übertragen. Darum können einen Bücher glücklich machen, obwohl man gar nicht so genau weiß, warum dies geschieht. Aber auch das Gegenteil ist der Fall: Auch negative Emotionen wie Wut können in den Seiten hängen bleiben und auf andere Menschen überspringen. Um dies zu verhindern, arbeite ich mit einer Organisation zusammen, die mir stark negativ aufgeladene Bücher zusendet, damit ich diese Emotionen in meinem magischen Kartendeck einsperren kann. Dafür muss ich die negativen Gedanken aus den Büchern extrahieren und mit Hilfe eines Rituals in Karten bannen. Wurde das Buch von den negativen Emotionen befreit, wird es zurück in die Gesellschaft geschickt, um dort erneut gelesen zu werden. Diesmal aber ohne negative Vorbelastungen.
Wie gesagt: Das Ganze ist ein Spiel. Ich habe die Regeln auf dieser Seite zusammengefasst. Vielleicht ist das ja auch etwas für euch. Für mich sind die Literatur-Rituale jedenfalls eine einfache Möglichkeit, kurze Geschichten zu erfinden und dabei noch einmal durch gelesene Bücher zu blättern. Die Bücher liefern Wörter für die Geschichten und inspirieren sie thematisch. Das Spiel ist keine große Sache, hat kein kompliziertes Regelwerk, aber ich mag es. Während des Spielens schreibe ich alles in ein Notizbuch, hin und wieder tippe ich den Kram aber ab, um ihn hier zu verewigen.
Zwischen den Texten findet ihr eine genaue Auflistung der gezogenen Karten (um das zu verstehen, müsst ihr natürlich die Regeln gelesen haben). Außerdem beende ich das Ganze mit einem Foto aller Karten, die während des Rituals wie auch immer beeinflusst wurden. (Das Blättern durch das Kartendeck, nachdem mehrere Rituale durchgeführt wurden, bereitet mir ebenfalls sehr viel Freude.) Wenn euch das Ganze gefällt und ihr es ebenfalls mal ausprobiert habt, zeigt mir gerne eure Karten. Es würde mich freuen, wenn ihr genauso viel Spaß an meinem kleinen Spielchen hättet wie ich.
John Steinbeck: Drei Romane

Ritual 1: Seiten 1-100 (23.07.2026)
- Karte 1: Herz 8, Seite 87, Zeile 7: »Zähnen« = »Zahn«
- Karte 2: Pik 10, Seite 75, Zeile 26: »Kaninchenställe« = »Kaninchen«
- Karte 3: Kreuz Bube, Seite 7, Zeile 12: »Hochwasser« = »Wasser«
- Wörter: Zahn, Kaninchen, Wasser
Lennie und die tote Maus. Verdammt. Jetzt kommt dieses verdammte Kaninchen wieder in mir hoch. Dieses verdammte Kaninchen! Es war seine eigene Schuld. Es hätte mich doch einfach nur nicht andauernd beißen müssen. Meinen Vater hat es nie gebissen. Meine Mutter hat es nie gebissen. Meinen großen Bruder hat es nie gebissen. Und meine kleine Schwester, der dieses verdammte Vieh gehörte, hat es auch nie gebissen. Aber mich? Mich schon. Und zwar immer und immer wieder. Alle haben es streicheln können, aber kamen meine Finger in seine Nähe? Zack! Zugebissen. Hat geblutet wie Sau. Irgendwann wollte ich es dressieren. Auf meine ganz eigene Art und Weise. Hatte gehört, dass man Tiere auch gewaltsam trainieren kann. Und das versuchte ich. Immer, wenn mich das kleine Biest in den Finger biss, packte ich es mit Hilfe eines Handschuhs und warf es in einen halbvollen Wassereimer. Hatte draußen immer einen vorbereitet, wenn ich mich ihm näherte. Ich ließ das Tier dann ein paar Minuten lang zappeln, bis ich es wieder in seinen Käfig steckte. Funktioniert hat die Sache leider nicht. Es wurde mir gegenüber nur noch aggressiver. Es biss und biss und biss. Und zappelte im Wasser. Einmal biss es besonders böse zu. Da schmiss ich es in den Eimer und ging ins Bad, um mir ein Pflaster auf den blutenden Finger zu kleben. Bin wohl etwas zu lange weg gewesen. Trieb tot im Eimer herum. Ich rief meine Eltern und behauptete, das Tier hier gefunden zu haben. Meine Schwester heulte und heulte. Sie wollte kein neues Kaninchen mehr. All das kommt jetzt wieder in mir hoch, nur weil in diesem verdammten Buch jemand Mäuse in seiner Tasche mit sich herumschleppt und dabei manchmal versehentlich zerdrückt. So ein Quatsch. Für so einen Unsinn habe ich gerade einfach keine Zeit.
- Bannkarte: Karo 3
- Ritualkarte: Pik König: Einschneiden
- Effektivität: Kreuz 9: 3 Ladungen
Ritual 2: Seiten 101-200 (26.07.2026)
- Karte 1: Pik 5, Seite 165, Zeile 15: »sprechen«
- Karte 2: Karo 2, Seite 126, Zeile 11: »Berg«
- Karte 3: Herz 10, Seite 195, Zeile 30: »fragen«
- Wörter: sprechen, Berg, fragen
Halt endlich dein verdammtes Maul! Ich wollte einfach nur ein wenig spazieren gehen. Die Aussicht genießen. Die frische Luft. Und vor allem eines: Die Stille. Und dann hast du dich mir aufgedrängt! Du hast so lange gefragt, ob du mich begleiten könntest, bis mir nichts anderes mehr übrig blieb, als »Ja« zu sagen. Und jetzt liegst du mir die ganze Zeit in den Ohren. Es freut mich wirklich sehr, dass du zufällig im richtigen Moment irgendeine beschissene Onlinewährung, oder was auch immer das sein soll, gekauft hast. Wirklich, ich gönne dir den neuen Reichtum. Aber ich weiß auch, dass das alles Zufall war. Ich weiß, dass du keine Ahnung hast. Du hast schon so oft in irgendeine Scheiße investiert und mich daraufhin vollgeheult, dass die Welt ungerecht sei. Und jetzt stehst du hier und sprichst von nichts anderem mehr als deinem Investitionsgeschick, deiner Cleverness und all den anderen Dingen, die du dir einredest. Halt dein Maul, wenn du nicht willst, dass ich dich diesen Berg hinunterstoße. Ich müsste dir nur dieses verdammte Buch über den Schädel ziehen und du würdest fallen. Dieses Buch, das ich mitgenommen hatte, um es hier oben in Ruhe zu lesen. Aber das kann ich jetzt nicht, weil du von deinem plötzlichen Reichtum erzählen musst. Niemand weiß, dass wir hier zusammen unterwegs sind. Ein kleiner Schlag. Nur ein kleiner Schlag. Mehr braucht es nicht, um endlich in Ruhe lesen zu können. Nur ein kleiner Schlag.
- Bannkarte: Kreuz 7
- Ritualkarte: Karo 5: Abreißen
- Effektivität: Herz 3: 1 Ladung
- Betroffene Karte: Karo 3
Ritual 3: Seiten 201-300 (28.07.2026)
- Karte 1: Pik 2, Seite 276, Zeile 3: »Folter«
- Karte 2: Kreuz Dame, Seite 211, Zeile 30: »Mund«
- Karte 3: Karo 10, Seite 220, Zeile 11: »werfen«
- Wörter: Folter, Mund, werfen
Auch ich habe mal jemanden verfolgt. Aber es ging damals nicht um Reichtum. Es ging um Rache. Sie hatte uns verraten. Wir alle hatten beschlossen, die letzte Stunde einfach zu schwänzen. Und dann hätten wir einfach behauptet, letzte Woche alle zusammen verstanden zu haben, dass die Stunde ausfallen würde. Der Lehrer hätte letztendlich nichts machen können. Ein wasserdichter Plan. Wäre SIE nicht gewesen. Diese verdammte Streberin. Sie hatte nur so getan, als wäre sie mit uns abgehauen, nur um daraufhin doch noch in der Klasse aufzutauchen. Als einzige. Sie erhielt keinen Eintrag im Klassenbuch. Sie erhielt keinen Ärger. Zumindest nicht von den Eltern und Lehrenden. Von uns schon. Als wir erfuhren, was sie getan hatte, verfolgten wir sie nach der Schule. Wir wollten sie ein bisschen ärgern. »Scherzhaftes Foltern« hatten wir es genannt. Nur so aus Spaß, um ihr eine Abreibung zu verpassen. Ein bisschen schubsen. Vielleicht auch spucken. Was man halt so macht. Aber sie war schnell. Zu schnell. Sie floh in den Wald. Der Abstand wurde größer und größer. Ich griff zu einem Stein und warf ihn nach ihr. Einfach so. Ich hatte nicht einmal vorgehabt, sie zu treffen. Es war mehr ein Wurf aus Frustration gewesen. Und genau in diesem Moment drehte sie sich um und blieb stehen. Sie weinte. Sie hatte sich vollkommen verausgabt. Sie konnte nicht mehr. Der Stein traf sie genau auf den Mund. Sie schrie. Wir alle rannten davon. Am Ende fehlten ihr mehrere Zähne. Zurück blieb eine Narbe. Niemand konnte sich daran erinnern, wer den Stein geworfen hatte. Ich schon. Noch heute.
- Bannkarte: Pik 8
- Ritualkarte: Herz König: Einschneiden
- Effektivität: Pik 9: 3 Ladungen
Ritual 4: Seiten 301-356 (03.08.2026)
- Karte 1: Karo 8, Seite 323, Zeile 20: »gehen«
- Karte 2: Pik König, Seite 314, Zeile 24: »weigern«
- Karte 3: Karo König, Seite 345, Zeile 10: »Liebe«
- Wörter: gehen, weigern, Liebe
Warum kannst du nicht so sein wie sie? Warum kannst du mich nicht so sehr lieben wie sie? So sehr wie ich dich. Natürlich habe ich mich geweigert, zu gehen. Schließlich liebe ich dich doch. Ich bin bereit, alles für dich zu tun. Ich würde für dich töten. Aber du? Du willst mich nicht. Du hast jemand anderes. Und das kann ich einfach nicht akzeptieren. Du hast etwas Besseres verdient als dein aktuelles Leben. Und dieses Bessere kann nur ich dir geben. Niemand sonst. Vor allem nicht dieser Kerl. Ja, sie sieht hin und wieder glücklich aus, aber nicht glücklich genug. Das muss sich ändern. Ich muss das ändern. Obwohl du mich schon darum gebeten hast, dich in Ruhe zu lassen. Aber du weißt einfach nicht, was du verpasst. Ich lasse dich nicht in Ruhe. Ich werde dich niemals in Ruhe lassen. Bis du mir das gibst, was die Frau in diesem Buch bereit ist zu geben. Du musst es nur erkennen. Du musst nur erkennen, was du verpasst. Mich. Ich bin besser als er. Ich passe besser zu dir als er. Akzeptiere es doch einfach!
- Bannkarte: Pik 3
- Ritualkarte: Herz 10: zerkratzen
- Effektivität: Karo 10: 1 Ladung
- Betroffene Karte: Herz 7



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