Die Literatur-Rituale sind für mich eine Möglichkeit, gelesene Bücher noch einmal Revue passieren zu lassen, mich noch einmal mit ihnen zu beschäftigen und gleichzeitig kleine Geschichten zu erfinden, die von den Wörtern in den gelesenen Büchern inspiriert wurden.
Für die Rituale wird ein Kartendeck benötigt. Dieses Deck wird sich mit der Zeit verändern. Karten werden beschriftet, zerschnitten, gefaltet, verbrannt und so weiter und so fort. Nehmt am besten irgendein billiges Kartenspiel. Es geht darum, es zu vernichten, neue Karten zu ergänzen, mit den Veränderungen zu leben und sich mit der Zeit daran zu gewöhnen, dass nichts so bleibt, wie es einmal war.
Die Regeln sind nicht kompliziert. Ich versuche, mich kurz zu fassen. Hier und da streue ich Beispiele ein.
Worum geht es?
Ihr seid Mitglied einer Organisation, die emotional aufgeladene Bücher neutralisiert, indem sie mit Hilfe von Ritualen die Emotionen in magische Spielkarten bannt.
Wenn Menschen ein Buch lesen und dabei von starken Emotionen begleitet werden, kann es passieren, dass sich diese Emotionen in den Seiten des gelesenen Buches festsetzen. Greift nun eine andere Person zu dem Buch, übertragen sich die Emotionen auf diese Person. Das sorgt dafür, dass man sich auf einmal gut fühlt, nur weil man ein Buch in der Hand hält. Es kann aber auch das Gegenteil der Fall sein: Plötzlich überkommen einen Trauer, Selbstzweifel, Wut, Hass oder ähnlich unangenehme Dinge.
Um Letzteres zu verhindern, gibt es die angesprochene Organisation. Sie schickt euch Bücher zu, die ihr lesen sollt, um sie anschließend von diesen Emotionen zu befreien. Von nun an wurde euch jedes Buch, das ihr lest, von der Organisation geschickt. Jedes Buch ist emotional aufgeladen. Und es ist eure Aufgabe, diese Emotionen zu erkennen, die Geschichten hinter den Emotionen herauszufinden und anschließend das Buch wieder in einen neutralen Zustand zu versetzen.
Ihr könnt die Geschichte selbstverständlich noch weiter spinnen. Spielt ihr euch selbst oder einen Charakter? Spielt das Ganze in unserer Gegenwart oder einer Fantasywelt? Das kann jeder Mensch für sich entscheiden. Denkt euch etwas aus oder auch nicht. Ich selbst spiele einfach nur mich selbst und lasse alles im Hier und Jetzt stattfinden. Das heißt aber nicht, dass ihr euch nicht etwas Anderes ausdenken könnt.
Selbstverständlich könnt ihr das Ganze auch zusammen mit anderen Leuten spielen. Lest ihr gerade das gleiche Buch, können die erstellten Geschichten verglichen werden. Lest ihr unterschiedliche Bücher, könnt ihr euch eure Geschichten einfach erzählen, um andere dazu zu bringen, es ebenfalls zu lesen. Schreibt die Geschichten und den Ablauf des Rituals gemeinsam auf. Was auch immer ihr tun möchtet, macht es.
Das Deck erstellen
Ihr benötigt ein normales Kartenspiel mit 52 Karten und zwei Jokern. Hat das Deck mehr als zwei Joker, wird der dritte aus dem Deck entfernt. Behaltet ihn gerne als Reserve, für den Fall, dass einer der zwei ausgewählten Joker mal kaputt gehen sollte oder so. Ich benutze den dritten Joker, der in meinem Deck lag, einfach als Lesezeichen.
Sortiert die normalen Karten nach Farbe (Pik, Kreuz, Herz, Karo) und anschließend nach Wert (2, 3, 4 und so weiter, bis König und As am Ende liegen).

Nun markiert ihr die Rückseiten der beiden Joker mit einem Symbol. Nehmt dafür irgendein Symbol. Ein Auge, ein Buch, ein Kreuz, ein Herz, eine Rune, das chinesische Zeichen für Buch, es ist vollkommen egal, solange es für euch irgendeine Bedeutung hat. Es kann mit Büchern, Lesen, Literatur oder Worten in Verbindung stehen, oder auch nicht. Es muss einfach nur zu euch passen. Anschließend zeichnet ihr euer Symbol oder eure Symbole auch auf die Vorderseite der Karten. Ich habe mich beispielsweise auf einer Karte für ein Auge, auf der anderen für ein geschlossenes Buch entschieden.


Diese zwei Joker sind die schützenden Pfeiler eures Decks, die dafür sorgen, dass die Emotionen, die ihr von nun an in den Karten einschließen werdet, nicht mehr entkommen können. Wenn ihr das Deck gerade nicht verwendet, legt einen Joker auf und den anderen Joker unter das Deck, damit das Böse eingeschlossen bleibt.
Nun werden die restlichen Karten beschriftet. Es gibt 13 Arten, wie ein Ritual durchgeführt werden kann (was das bedeutet, kommt später). Jede davon wird auf jeder Kartenfarbe (Pik, Kreuz, Herz, Karo) einmal am unteren Rand notiert. Am Ende steht beispielsweise auf jeder 2 das gleiche Ritual. Natürlich kann man das Ganze auch zufällig durchmischen, persönlich finde ich es zu Beginn aber besser, die Rituale gleichmäßig zu verteilen. Das Ganze wird im weiteren Verlauf noch chaotisch genug. Auch dazu werde ich später noch etwas schreiben.
Hier die Liste der Rituale, die auf den jeweiligen Kartenwerten einer Farbe vermerkt werden:
2: Abschneiden
3: Verbrennen
4: Anmalen
5: Abreißen
6: Einreißen
7: Einstechen
8: Falten
9: Beschriften
10: Zerkratzen
Bube: Beschmieren
Dame: Bekleben
König: Einschneiden
As: Nähen
Diese Liste sind meine Vorschläge und bieten reichlich Abwechslung. Selbstverständlich könnt ihr die Sachen nach Belieben ändern. Aber erneut empfehle ich, sich zu Beginn einfach an meine Liste zu halten. Für Änderungen gibt es später genug Möglichkeiten.
So sehen nach Umsetzung beispielsweise alle Pik-Karten aus:

Und so alle Damen:

Ich nutze einfach einen Edding. Es gibt kein Richtig oder Falsch, kein Schön und Hässlich, keine korrekte oder falsche Methode, es gibt nicht einmal Fehler. Schreibt ihr den „falschen“ Begriff auf eine Karte, dann ist das eben so. Jedes Deck ist individuell, jedes hat seine Eigenarten. Gibt es eine Karte mehr mit „Nähen“, dann macht das nichts. Vertauscht ihr die Begriffe auf der Dame und dem König, ist das auch nicht schlimm. Wichtig ist, sich von richtig-oder-falsch-Denkweisen zu befreien. Wenn das Schicksal mehr nähen möchte, dann näht es eben mehr. Fertig. Auch Schreibfehler, Verschmieren und so weiter sind vollkommen egal. Dies ist kein Zeichenwettbewerb, wir wollen das Böse aus Büchern verbannen. Da spielen Oberflächlichkeiten keine Rolle.
Letztendlich war es das auch schon an Vorbereitungen. Die Befreiung der Bücher kann beginnen!
Wann wird ein Ritual durchgeführt?
Ein Ritual kann immer dann durchgeführt werden, wenn wir 100 Seiten in einem Buch gelesen haben. Je dicker das Buch, desto mehr Emotionen haben sich in ihm angesammelt. Darum werden bei dickeren Büchern auch mehr Rituale nötig sein, um sie zu neutralisieren.
Anmerkung: Natürlich könnt ihr das Ganze auch auf ebooks anwenden. Statt an den Seiten, müsst ihr euch dann aber an Kapiteln, Positionen oder Prozentangaben orientieren. Führt alle 10 Kapitel ein Ritual durch, oder alle 20 %. Überlegt euch etwas. Ist natürlich etwas komplizierter, aber letztendlich möglich. Es geht später einfach nur darum, zufällige Seiten und Zeilen in einem Buch zu bestimmen. Das ist digital genauso möglich wie auf gedrucktem Papier.
Die Seitenangaben sind natürlich meine eigene Präferenz, aber persönlich halte ich „alle 100 Seiten“ für eine angenehme Menge an Ritualen. Wollt ihr mehr? Nehmt alle 50 Seiten. Weniger? Alle 150 Seiten. Wieder gilt: Macht, was ihr für richtig haltet. Probiert es vielleicht ein Buch lang mit meiner Vorgabe und überlegt dann, wie ihr weiter vorgehen wollt.
Beispiel: Ein Buch hat 273 Seiten. Es gibt also drei Rituale:
Ritual 1: Seiten 1-100.
Ritual 2: Seiten 101-200
Ritual 3: Seiten 201-273
Es ist nicht notwendig, dass im Buch auf Seite 100 ein Kapitel endet. Es ist auch klar, dass ein Buch normalerweise nicht auf Seite 1 beginnt, sondern eher auf Seite 7. Dann nutzt für Ritual 1 einfach die Seiten 7 bis 100. Das Ganze muss, wie immer, nicht zu genau genommen werden. Endet ein Buch auf Seite 202, müsst ihr für diese letzten zwei Seiten nicht extra ein eigenes Ritual durchführen. Bezieht die letzten zwei Seiten einfach das letzte Ritual mit ein.
Ihr könnt auch sagen, dass ihr pro Buch drei Rituale durchführen möchtet. Dann teilt die Seitenzahl einfach durch drei und fertig. Habe ich schon betont, dass ihr machen könnt, was ihr möchtet?
Also. Wir haben ein Buch. Wir haben weiter gelesen als bis Seite 100. Jetzt ist es an der Zeit, das Ritual zu beginnen.
Die Geschichte hinter den Emotionen ermitteln
Um die Emotionen aus einem Buch bannen zu können, müssen wir zunächst die Geschichte hinter den Emotionen kennen. Dafür müssen wir unsere Karten nutzen.
Wir legen das Buch in die Tischmitte. Jetzt stecken wir die zwei Joker an zufällige Stellen im Deck und mischen dieses sehr gut durch. Dann platzieren wir vier verdeckte Karten um das Buch herum. Oben, unten, links, rechts. Ist eine dieser Karten ein Joker, wird dieser zur Seite gelegt und bildet einen Joker-Stapel, der später noch benötigt wird. Jeder gezogene Joker wird durch eine neue Karte ersetzt. Am Ende müssen vier Nicht-Joker verdeckt um das Buch herum liegen.

Um die Geschichten hinter den Emotionen zu finden, benötigen wir Karten 1, 2 und 3, also die Karten oben, links und rechts. Die Reihenfolge, in der ihr die Karten nun abarbeitet, spielt keine Rolle, macht es aber nacheinander, um Chaos zu vermeiden.
Aufbau der Karten
Eine Karte hat vier Ränder. Am unteren Rand befinden sich die beim Erstellen des Decks notierten Ritual-Begriffe. Die drei anderen Ränder dagegen bieten Platz für jeweils ein Wort, das aus dem gelesenen Buch ermittelt wird.

Eine Karte kann also maximal drei Wörter auf sich tragen. Der Ritual-Begriff ist KEIN Wort. Er wird in diesem Schritt einfach ignoriert.
Wörter auf Karten ergänzen
Wir drehen die erste von drei Karten um. Befinden sich bereits drei Wörter auf der Karte, drehen wir die zweite Karte um. Stehen auch auf dieser Karte drei Wörter, drehen wir Karte 3 um. Ist auch diese bereits mit drei Wörtern beschrieben worden, endet die Phase. Das Buch hat dem Deck keine neuen Wörter hinzugefügt. Kann passieren und ist überhaupt nicht schlimm. Wir gehen weiter zum Schritt „Die Geschichte konstruieren“.
Stehen auf einer umgedrehten Karte dagegen weniger als drei Wörter, ist es an der Zeit, ein neues Wort zu ergänzen. Dafür ermitteln wir eine zufällige Seite aus dem Bereich des Buches, den wir uns ansehen, also beispielsweise zwischen Seite 1 und 100.
Anmerkung: Es gibt viele Möglichkeiten, eine zufällige Seite zu ermitteln. Es gibt Apps und Internetseiten mit Zufallszahlengeneratoren. Man kann den Kram aber auch einfach auswürfeln, beispielsweise mit einem gewöhnlichen sechsseitigen Würfel. Kann man alles irgendwie umrechnen. Ich empfehle einen Zufallszahlengenerator aber ich bin nicht hier, um euch etwas vorzuschreiben.
Zunächst bestimmen wir eine zufällige Seite. Dann schlagen wir diese auf und zählen die Zeilen auf der Seite. Nun bestimmen wir eine zufällige Zeile im Buch. Diese Zeile liefert uns ein neues Wort.
Die Auswahl eines neuen Wortes ist ganz einfach: Wir lesen uns die Zeile durch und wählen ein Wort aus, das uns gerade besonders anspricht oder gefällt. Das kann das erste Wort sein, das letzte oder irgendein anderes. Nomen, Adjektiv, Verb, vollkommen egal, wobei ich Worte aus diesen Kategorien empfehle, da beispielsweise „und“ inhaltlich nicht viel hergibt, wenn es darum geht, eine Situation zu beschreiben. Aber auch das ist keine goldene Regel. Wenn ihr „und“ möchtet, nehmt es. Auch damit kann man etwas anfangen. Das gewählte Wort wird nun an einer freien Wort-Stelle auf der Karte notiert.
Anmerkung: Kommen in einer Zeile keine guten Wörter vor, beispielsweise weil sie sehr kurz ist, wählen wir einfach die nächste Zeile. Oder die vorangegangene. Oder wir bestimmen eine andere zufällige Zeile. Ist egal. Und vor allem keine Wissenschaft. Das Wort soll uns gerade einfach irgendwie in den Kram passen. Ein bisschen Herumgespringe in den Zeilen macht gar nichts.
Es kann auch passieren, dass die ermittelte Seite leer ist. Oder lediglich ein Zitat enthält, das sich nicht gut als Wortquelle eignet. Auch hier gilt: Einfach eine neue Seite bestimmen.
Selbst das letztendlich ausgewählte Wort kann geändert werden. Ich empfehle, Wörter in der Mehrzahl in die Einzahl umzuschreiben, also beispielsweise aus „Kerzen“ einfach „Kerze“ zu machen. Genauso kann das Wort „Kerzenschein“ in „Kerze“ verkürzt werden, wenn euch das mehr zusagt. Oder in „Schein“. Macht, was ihr wollt.
Nehmen wir an, das gefundene Wort lautet „Kerze“. Wir schreiben also „Kerze“ auf eine der freien Wortstellen der Karte. Wo genau, ist egal. Oben, links, rechts, sucht es euch aus. Hauptsache an der Stelle befindet sich noch kein Wort aus einem anderen Buch.
Auf jede Karte wird während dieser Phase maximal ein Wort aus einem Buch übertragen. Es werden nicht so lange Wörter gesucht, bis die Karte voll ist. Hat eine Karte noch mindestens eine Wortstelle frei, generieren wir genau ein Wort, notieren es auf der Karte und gehen weiter zur nächsten.
Dies wiederholen wir, bis wir alle drei Karten umgedreht und eventuell um neue Wörter angereichtert haben. Jetzt bauen wir die Geschichte hinter der Emotion, die wir aus dem Buch verbannen möchten.
Die Geschichte konstruieren
Nachdem wir Karten 1 bis 3 abgearbeitet haben, liegen drei Karten offen vor uns, auf denen sich jeweils 1 bis 3 Wörter befinden (es kann ja sein, dass auf einer umgedrehten Karte Wörter aus anderen Runden vermerkt sind). Mit diesen konstruieren wir nun eine Geschichte.
Wir wählen von jeder Karte ein Wort aus. Dies muss nicht das Wort sein, das wir soeben auf die Karte geschrieben haben. Es geht darum, sich die drei Wörter auszusuchen, die uns zu einer guten, emotionalen Geschichte inspirieren können.
Die Frage lautet: Was genau hat dafür gesorgt, dass eine negative Emotion in die Seiten des Buches übertragen wurde? Die Themen der Geschichte kann sich jeder Mensch selbst überlegen und dabei so düstere Inhalte verwenden, wie er möchte. Die Geschichte kann kurz oder lang sein. Aus wenigen Punkten bestehen oder extrem detailliert sein. Dies überlasse ich euch.
Beispiel: Wir wählen die drei Wörter „Kerze“, „Bild“ und „Schlaf“. Daraus ergibt sich folgende Geschichte: Eine Person hat dieses Buch gelsen. Bei Kerzenschein, gemütlich im Sessel liegend. Irgendwann ist sie eingeschlafen. Sie hat das Buch losgelassen, wodurch es an die Kerze gestoßen ist. Diese fiel vom Tisch und löste einen Brand aus, bei dem ein wertvolles im Zimmer hängendes Gemälde zerstört wurde. Der Schaden war unersetzlich, die Person machte sich für den Rest ihres Lebens Vorwürfe und dieses Gefühl steckt nun im Buch fest.
Es steht euch frei, die Geschichte aufzuschreiben oder lediglich in euren Gedanken zu formulieren. Schreibt ihr sie auf, entscheidet ihr allein über die Länge. Oder die Perspektive. Schreibt ihr aus Sicht der Person, die ihre Emotionen in das Buch übertragen hat? Beschreibt ihr das Ganze aus einer Art Außenperspektive? Nehmt ihr das Ganze als eine Art Vision dar? Auch das dürft ihr entscheiden. Wie immer ist es am wichtigsten, dass ihr euch wohl fühlt.
Auf diese Art und Weise entstehen kleine, tragische Geschichten. Die Geschichten müssen übrigens nichts mit dem Buch zu tun haben. Wer möchte, kann aber natürlich versuchen, die Inhalte oder Themen des Buches ebenfalls in die Geschichte einzubauen. Das Buch kann also als weitere Inspirationsquelle dienen, was mir persönlich sehr viel Spaß macht, weil ich mich dadurch noch einmal kurz mit dem Buch beschäftigen kann, auch wenn vielleicht kein einziges Wort gewählt wurde, das aus diesem stammt. Hat das Buch die Person an ein tragisches Ereignis erinnert? Tobt euch einfach aus. Es muss kein Roman werden. Es reichen ein paar Zeilen. Wichtig ist, dass wir die negative Emotion erkannt und beschrieben haben.
Jetzt müssen wir die Emotion mit einem Ritual in eine der Karten einsperren.
Das Böse bannen
Zunächst müssen wir wissen, in welche Karte wir die Emotion bannen sollen. Dies entscheidet wie immer das Schicksal.
Die Bannkarte bestimmen
Wir ziehen die oberste Karte vom Deck und sehen sie uns an.
Handelt es sich um einen Joker, wird er auf den Joker-Stapel gelegt und es wird eine neue Karte gezogen.
Handelt es sich um eine Karte, in die während eines anderen Rituals bereits eine Emotion eingesperrt wurde, legen wir auch diese zur Seite. Diese Karten bilden einen neuen Stapel mit emotional aufgeladenen Karten (auf dem Bild mit einem X markiert).

Es werden so lange Karten gezogen, bis wir keinen Joker und keine geladene Karte gezogen haben. Haben wir eine „leere“ Karte gezogen, kann das Ritual beginnen. Sie ist das Ziel der negativen Emotionen. Wir legen die gezogene Karte offen auf das Buch. Seht sie euch ein letztes Mal an. Sie wird nie wieder so aussehen wie in diesem Moment.
Die Art des Rituals bestimmen
Nachdem die Zielkarte auf dem Buch platziert wurde, decken wir Karte 4 auf, die noch immer auf der Position unter dem Buch liegt.
Karte 4 gibt uns vor, wie das Ritual durchgeführt werden muss. Dies geschieht mit Hilfe des Begriffs am unteren Rand der Karte. „Zerkratzen“, „Abschneiden“, „Bekleben“? Was auch immer hier steht, ist die einzige Möglichkeit, die Emotion zu bannen.
Wir haben somit die Karte, in die das Böse gesperrt werden soll. Auch kennen wir die Methode, mit der dies geschehen soll. Zeit, das Ritual durchzuführen. Dies ist der Teil des Prozesses, der unsere Karten im Deck für immer verändern wird.
Das Ritual
Am besten lässt sich diese Phase mit Hilfe einiger Beispiele erklären. Ich nehme die zuvor konstruierte Geschichte mit der Kerze, dem Schlaf und dem Bild. Je nachdem, welche Ritual-Art auf Karte 4 steht, müssen wir diese Geschichte nun auf die Bannkarte übertragen.
Es folgen Beispiele für unterschiedliche Rituale:
- Bekleben: Sucht in Zeitschriften Bilder von Feuer oder Kerzen, schneidet sie aus und klebt sie auf die Karte. Oder druckt euch passende Bilder aus. Oder benutzt Aufkleber.
- Bemalen: Malt Feuer auf die Karte. Oder das verbrannte Bild? Eine Kerze?
- Zerkratzen: Kratzt mit einem Streichholz oder Feuerzeug so lange auf der Karte herum, bis die Oberfläche teilweise zerstört wurde. Oder nutzt einen Bilderrahmen, um den Effekt zu erzielen.
- Nähen: Näht einen orangefarbenen Faden in die Karte ein, der Feuer symbolisieren soll. Oder näht einen roten Stofffetzen an die Karte, der aussieht wie eine Flamme oder Kerze.
- Abschneiden: Schneidet oben Teile aus der Karte, damit es so aussieht, als würde der obere Teil der Karte aus Flammen bestehen.
- Einschneiden: Schneidet in die Mitte der Karte ein Loch in Form einer Kerze hinein.
Ich denke, ihr versteht, worauf ich hinaus will. Wie könnt ihr die Geschichte auf die Karte übertragen? Tobt euch aus. Und fällt euch nichts ein, ist das auch nicht schlimm: Reißt einfach eine Ecke ab. Kritzelt wahllos auf der Karte herum. Schreibt „ZZZZZZZZ“ auf die Karte, um den Schlaf der Person darzustellen. Denkt nicht zu viel nach, steckt nicht zu viel Arbeit in das Ganze. Lasst euch nicht frustrieren. Ihr rettet Bücher. Ihr tut das Richtige. Ihr helft der Menschheit dabei, das geschriebene Wort nicht für immer zu verlieren. Selbstverständlich könnt ihr hier Kunstwerke kreieren, jedoch ist das nicht Sinn des Ganzen! Jeder Mensch hat seine eigenen Methoden. Und alle sind richtig. Keine ist „besser“. Keine ist „richtiger“.
Habt ihr das Ritual umgesetzt, schreibt ihr noch die drei Begriffe (Kerze, Bild, Feuer) auf die Rückseite der Karte.
Gratulation: Das Ritual wurde beendet. Zeit herauszufinden, wie erfolgreich ihr wart.
Effektivität des Rituals
Zunächst das Wichtigste: Ein Ritual funktioniert immer. Es kann nicht scheitern. Es geht im Folgenden eher darum, wie effektiv das Ritual war.
Um dies festzustellen, ziehen wir eine weitere Karte vom Deck. Joker? Ihr kennt die Regel mittlerweile: Auf den Joker-Stapel legen und eine neue ziehen.
Bei allen anderen gezogenen Karten gilt:
Pik oder Kreuz? Das Ritual funktioniert perfekt.
Herz oder Karo? Das Ritual funktioniert, ist aber nicht sehr effektiv.
Das Ritual funktioniert perfekt
Wunderbar! Alles hat funktioniert. Das Ritual wurde durchgeführt, die Emotion befindet sich in der Karte und alles wurde erledigt.
Um darzustellen, dass das Ritual perfekt funktioniert hat, markieren wir die Vorderseite der Bannkarte mit drei Symbolen. Ich nutze dafür die gleichen Symbole, die ich auch auf den Jokern verwendet habe, also Augen oder Bücher. Diese drei Symbole stellen Ladungen dar, die wir verwenden können, wenn das Ritual einmal nicht perfekt abläuft (siehe nächster Abschnitt).
Nachdem wir die drei Symbole auf die Karte gezeichnet haben, endet das Ritual und wir kommen zum Abräumen (weiter unten).
Das Ritual ist nicht sehr effektiv
Missgeschicke passieren. Vielleicht war die Methode ja doch nicht die richtige? Oder wir haben einen anderen Fehler gemacht, die Emotionen waren zu stark, es gibt unzählige Gründe für ein nicht perfektes Ritual. Was auch immer passiert ist, das Ritual hatte Fehler.
Zum Glück gibt es noch eine Möglichkeit, das Ritual zu retten, und zwar mit Hilfe der zur Seite gelegten, bereits mit Emotionen beladenen Karten, die während der Bestimmung der Zielkarte auf den entsprechenden Stapel gelegt wurden. Diese wurden nicht grundlos gezogen. Sie haben unser Deck so beeinflusst, dass sie in genau diesem Moment zum Vorschein kamen. Und jetzt ist es an der Zeit, sie zu nutzen.
Wir nehmen die erste gezogene aufgeladene Karte vom Stapel und streichen eines der noch offenen Ladungssymbole (siehe vorheriger Schritt) durch. Nun ziehen wir eine neue Karte vom normalen Kartendeck und sehen, ob das Ritual durch die Energie der gebannten Emotionen gerettet werden konnte. Handelt es sich bei der gezogenen Karte um eine schwarze (Pik, Kreuz), gilt das Ritual doch noch als perfekt und es können die Schritte im vorherigen Abschnitt durchgeführt werden. Handelt es sich dagegen erneut um eine rote Karte (Herz, Karo), war das Ritual wieder nicht perfekt. Die verwendete geladene Karte hat nicht ausgereicht. Sie wird zur Seite gelegt.
Jede geladene Karte kann während eines Rituals nur einmal verwendet werden, auch wenn sich mehrere Ladungen auf ihr befinden.
Liegen auf dem Stapel der geladenen Karten weitere Karten, müssen wir diese nun der Reihe nach verwenden, entweder bis wir irgendwann eine schwarze Karte gezogen haben oder keine geladenen Karten mehr übrig sind.
So lange noch geladene Karten auf dem Stapel liegen, müssen sie verwendet werden, wenn eine rote Karte gezogen wurde und das Ritual somit nicht effektiv war. Wir haben keine Wahl. Die Karte hat entschieden, uns zur Seite zu stehen. Dies müssen wir respektieren. Wir nutzen die Karten aber nur so lange nacheinander, bis eine schwarze Karte gezogen wurde. Danach werden keine Ladungen mehr verbraucht.
Wurde irgendwann eine schwarze Karte vom Kartendeck gezogen, endet das Ritual, es werden keine weiteren Ladungen verwendet und wir gehen zur Phase „Das Ritual funktioniert perfekt“ zurück.
Wurde keine schwarze Karte gezogen, gilt das Ritual weiterhin als nicht perfekt.
Im Gegensatz zum perfekten Ritual markieren wir die Karte, in die wir soeben die Emotion gebannt haben, nicht mit drei sondern nur mit einem Symbol, also nur einer Ladung. Die Karte kann uns somit nur bei einem einzigen Ritual helfen.
Außerdem hat das Ritual auch noch Auswirkungen auf unser Kartendeck gehabt. Wir ziehen die oberste Karte vom Deck. Handelt es sich um einen Joker, wird dieser wie immer abgelegt. Bei allen anderen Karten wenden wir die Anweisung des soeben ausgeführten Rituals auch auf diese an, jedoch nur minimal. Wir knicken eine Ecke um, wir schneiden ein kleines Stück ab, hinterlassen einen kleinen Farbklecks oder ähnliches. Die Auswirkungen sind mininal, aber vorhanden.
Nachdem wir diesen Schritt hinter uns gebracht haben, kommen wir zur letzten Phase, dem Abräumen.
Abräumen
Ordnung muss sein. So ein Ritual ist eine anstrengende Sache. Da ist es wichtig, am Ende des Tages das Deck wieder in einen Zustand zu versetzen, der als ordentlich bezeichnet werden kann. Schließlich weiß man nie, wann es als nächstes benötigt wird.
Karten ohne Ladung
Zunächst sehen wir uns alle Karten an, deren Ladungen wir verwendet haben, um ein nicht effektives Ritual zu beeinflussen. Alle Karten, die keine Ladungen mehr übrig haben, werden zerstört und für immer aus dem Deck entfernt. Sie haben ihren Job erfüllt. Sie haben die Emotionen aus einem Buch in sich aufgenommen und uns mit dieser Energie unterstützt. Sie können nichts mehr für uns tun. Um ihnen die letzte Ehre zu erweisen, werden sie nun für immer zerstört.
Die Zerstörung wird so durchgeführt wie das gesamte Ritual (also so, wie es auf Karte 4 vorgeschrieben wurde). Wir verbrennen die gesamte Karte, zerschneiden sie in kleine Teile, zerfetzen sie, nähen sie zu einem Klumpen zusammen und so weiter. Die Karte wird für immer unbrauchbar gemacht. Dies stellt sicher, dass keine Emotionen mehr aus ihr entweichen können.
Die so zerstörte Karte, kann weggeschmissen werden. Wer möchte, kann sie auch in einem Album aufbewahren. Oder einer kleinen Kiste. Die Karten stellen von nun an keine Gefahr mehr dar. Sie dürfen nur auf gar keinen Fall mehr in unser Deck integriert werden.
Es kann passieren, dass am Ende eines Rituals gleich mehrere Karten vernichtet werden müssen. Das ist nicht schlimm. Mit der Zeit werden schließlich auch Karten hinzugefügt.
Neue Karten ergänzen
Immer, wenn während des Rituals Joker gezogen wurden, mussten diese zur Seite gelegt werden. Dies hatte einen ganz einfach Grund: Die Energie unserer zwei Joker sorgt dafür, dass unserem Deck neue Karten hinzugefügt werden können.
Wurden während eines Rituals beide Joker gezogen und zur Seite gelegt, fügt ihr eurem Deck eine neue Karte hinzu. Diese Karte entstammt irgendeinem anderen Kartendeck. Sie muss nicht die gleiche Größe haben, nicht die gleichen Farben, nicht die gleiche Dicke und so weiter. Nehmt einfach irgendeine Spielkarte aus irgendeinem Kartenspiel, die eurer Meinung nach gut zu eurem Deck passt.
Die Karte muss auch nicht die gleiche Wertigkeit haben. Wurde eine Karo-7 zerstört, müsst ihr keine Karo-7 ergänzen. Zieht eine zufällige Karte aus einem Romme-Deck und fertig. Nur Joker dürfen keine ergänzt werden.
Es gibt hier nur eine einzige Regel: Eine Karte muss so aufgebaut sein, dass sie mit diesem Regelwerk funktioniert. Letztendlich könnt ihr das auch über Umwege erreichen. Nehmt eine Pokemon-Karte, bestimmt eine zufällige Farbe (Herz, Karo, Pik, Kreuz), zeichnet diese auf die Karte, schreibt eine zufällige Ritualart auf den unteren Rand der Karte und fertig.
So kann es passieren, dass euer Deck irgendwann aus mehr roten Karten als schwarzen besteht. Oder dass das Ritual „Nähen“ mehr als viermal im Deck ist, das Ritual „Einreißen“ dagegen gar nicht mehr. Auch das ist nicht schlimm. Möchtet ihr ein Ritual häufiger durchführen, schreibt es ab jetzt auf neue Karten. So wird sich euer Deck ganz von alleine anders anfühlen.
Natürlich könnt ihr auf diese Art und Weise auch neue Rituale ergänzen. Schreibt „schlafen“ auf die Karte. Von nun an müsst ihr die Karte erst eine Nacht lang unter euer Kopfkissen legen, bevor das Ritual als abgeschlossen gelten kann. Lasst euch etwas einfallen. Macht das Deck zu eurem eigenen. Folgt zu Beginn den hier beschriebenen Regeln und passt das Deck mit der Zeit an eure Vorlieben an.
Das Deck wiederherstellen
Herzlichen Glückwunsch: Ihr habt das Ritual erfolgreich abgeschlossen. Nehmt alle Karten bis auf die zwei Joker und mischt sie zusammen. Dann legt ihr einen Joker auf und einen Joker unter das Deck. Das Deck wurde versiegelt und kann für ein neues Ritual verwendet werden.
Ende
Und das war es auch schon. Die Regeln sind nicht sonderlich kompliziert. Sie einmal so aufzuschreiben hat mir geholfen, selbst ein wenig Ordnung in das Ganze zu bringen. Ich bin mir aber sicher, dass noch immer Fragen offen sind. Sollte das der Fall sein, schreibt gerne einen Kommentar unter diesen Beitrag. Ich werde versuchen, die Fragen zu beantworten und diese Anleitung entsprechend anzupassen.
Ich hoffe, ihr habt Spaß an diesem Konzept. Es ist spannend, wenn man ein Buch durchgelesen hat, noch einmal durch die aus ihm entstandenen Geschichten zu lesen. Welche Karten wurden wie beeinflusst? Welche Wörter wurden durch das Buch ergänzt? Welche Karten wurden vernichtet? Hängen die Geschichten vielleicht mit dem Buch zusammen?
Ich empfehle, die entstandenen Geschichten irgendwo zu notieren und zu sammeln, um später nachvollziehen zu können, was ihr in welchem Buch „erlebt“ habt. Notiert euch das Buch, schreibt alle Geschichten unter den Buchtitel und schon habt ihr eine Sammlung kurzer Geschichten, die während des Lesens entstanden sind.
Ihr könnt auch alle Schritte eines Rituals notieren. Dadurch haltet ihr die Geschichte jeder einzelnen Karte fest. Wann entstand die Karte mit den Kerzen? Wobei hat sie geholfen? Und welches Ritual in welchem Buch hat sie letztendlich vernichtet? Auf diese Art und Weise liest sich das Ganze fast schon wie ein Arbeitsprotokoll. Vielleicht nimmt es die Organisation, für die ihr arbeitet, ja besonders genau? Auch das kann Teil eurer Geschichte sein.
Wie auch immer: Lasst eure Karten Geschichten erzählen. Erlebt eure gelesenen Bücher auf eine ganz neue Art und Weise. Und vor allem: Habt einfach Spaß! Wenn ihr langsam lest, führt nicht erst alle 100 Seiten ein Ritual durch, sondern alle 50. Gleiches gilt, wenn ihr einfach nur häufiger spielen möchtet. Alles ist vollkommen egal. Passt die Regeln so an, dass ihr Freude habt.
Gleichzeitig müsst ihr natürlich auch keine „negativen“ Geschichten schreiben. Mir macht das Spaß. Ich schreibe schon genug Unsinn. Außerdem mache ich das ja, um die Negativität zu vernichten. Aber: Wenn euch das alles irgendwie runterzieht, baut die Rahmenhandlung einfach um. Ihr erhaltet besonders positiv aufgeladene Bücher und sollt die Emotionen in Karten versiegeln, um sie nicht zu verlieren. Durch die Zerstörung der Karten wird die Emotion wieder in die Welt zurück gegeben und die Welt zu einem besseren Ort gemacht. Auch hier habt ihr alle Möglichkeiten.
Und damit: Alles Gute, viel Spaß beim Lesen und lasst uns gemeinsam das Böse aus Büchern verbannen!
