Fantasy Filmfest 2008 – Tag 2

Prolog

Als ich morgens aufwachte, war das Festivalgefühl wieder da. Man fühlt sich ausgelaugt, obwohl man eigentlich nichts getan hat, muss sich die Knochen einrenken und freut sich auf die folgenden Filmerlebnisse. Brötchen schmieren, Getränke einpacken und los ging es. Für großartige Erledigungen war schließlich keine Zeit. Um 14:45 Uhr ging es los.

In der U-Bahn durfte ich dann mal wieder die Dummheit der Menschen beobachten. Aus der laut Anzeigetafel zweiminütigen Wartezeit wurden etwa zehn Minuten. Als die Bahn eintraf, war sie gut gefüllt. Ich und meine Begleiterin setzten uns und man fuhr uns zum Zielort. Doch Station für Station wurde es voller. Der Fahrer machte an jeder Station die Durchsage, dass es einen kleinen Stau gegeben hatte und die nächste Bahn dadurch in weniger als einer Minute eintreffen würde. Man solle bitte abwarten. Aber niemand wartete. Alle stürmten in die eine Bahn, als wäre sie die letzte, die sie in ihrem Leben noch bekommen würden.

Der Fahrer wurde merklich sauer, da er an jeder Station seine Worte erklingen ließ, die von niemandem vernommen wurden. Traurig. Als ich am Kino ankam, stieg ich aus und beobachtete die gestapelte Menge. Die Türen schlossen nicht, weil die Menschen bis zu ihnen gedrängt waren. Ich schüttelte den Kopf. Hatte denn niemand mehr Zeit, um eine Minute auf die nächste Bahn zu warten? Waren wirklich alle so dumm? Ich wollte nicht weiter darüber nachdenken. Wenigstens hatte niemand aus dem Knigge vorgelesen.

Im Kino ging es dann auch gleich los.

Film 3: Tale 52

Fantasy Filmfest 2008 - Tale 52

Ein Mann, dessen Fröhlichkeit mit der eines ausgetrockneten Schwammes vergleichbar ist, lernt während eines Treffens unter Freunden eine Frau kennen, die sein Interesse an ihr erwidert. Die beiden kommen zusammen, ziehen zusammen und präsentieren dem Zuschauer dadurch einen Film, der mich fast schlafend zusammenbrechen ließ.

Über die Handlung kann man im Weiteren nur schwer etwas sagen, ohne zu viel zu verraten. Sagen wir einfach, dass der uninteressante Hauptdarsteller aus irgendeinem Grund die Fähigkeit erlangt hat, in der Zeit zurückzureisen und dadurch Abläufe zu verändern. Davon macht er regen Gebrauch, denn seine frische Beziehung läuft alles andere als gut.

Eigentlich klingt das alles recht spannend. Doch letztendlich wurde der Film in einem solch zähen Schneckentempo gedreht, dass ich lieber mit Kaugummi auf den Boden geklebten Schnecken bei einem Marathon um die Erde zugucken würde. Gleichzeitig sind ein paar Szenen so auffällig gewollt künstlerisch inszeniert, dass mir die Augen schmerzten. Im Programmheft wird dies natürlich lobend hervorgehoben. Das einzige, was sich bei mir hervorgehoben hat, waren meine Gähnmuskeln. Vielleicht habe ich den Film nicht verstanden, vielleicht war ich aber auch einfach die falsche Zielgruppe. Kunstgeile Filmfestbesucher dürften hier ihre helle Freude haben. Ich hatte dunkle Schlaferscheinungen.

Als der Film zu Ende war, musste ich mich erst einmal strecken. Und dabei habe ich mir meinen Nacken verrenkt. Ich hatte einige Minuten höllische Schmerzen und auch den kompletten Rest des Tages tat mir der Hals weh. Ich konnte nur schwer zur rechten Seite gucken und litt ungeheure Qualen. Natürlich übertreibe ich ein wenig, unangenehm war es aber trotzdem. Und wenn ich jetzt überlege, welcher Filmgurke ich das zu verdanken habe, bin ich natürlich noch ein wenig miesgelaunter. Danke „Tale 52“. Du bekommst neben dem Ausrenkorden auch noch den Pokal für den unsympathischsten Darsteller des bisherigen Festivals. Kannst ihn dir ja an die Pilzdecke hängen, die dein Hauptdarsteller den ganzen Film über so künstlerisch wertvoll dumm anglotzt. Was das sollte, wird auch nicht erklärt. Im Programmheft wird „Lynch“ erwähnt. Man kann auch alles schönreden.

Film 4: XII

Fantasy Filmfest 2008 - XII

Das interessante an „XII“ war, dass man am Ende erst einmal überlegen musste, was das alles sollte. Aber erst mal zum Anfang: Ein Mann jagt eine Gruppe Menschen, um ihnen das Gesicht abzureißen. Ja. Doch. Das dürfte es gewesen sein.

Selten habe ich es erlebt, dass mich ein Film so kalt gelassen hat, wie dieser. Die „Action“-Szenen haben mich nicht mitgerissen, Spannung musste ich mit der Lupe unter meinem Kinosessel suchen und die Darsteller waren allesamt in einem Zustand, denn man lediglich als „Anwesend“ bezeichnen konnte.

Man ist es ja gewohnt, dass sich die „Opfer“ in Slasherfilmen ein wenig wirr verhalten. Allzu oft wurde dieses Verhalten bereits parodiert. Aber noch nie wurde es so unfreiwillig großartig umgesetzt, wie hier. Beispiel? Gerne! Der Killer verfolgt zwei dumme Damen. Diese haben jeweils eine Schusswaffe dabei. Da sie sich in der freien Natur befinden, rennen sie erst einmal in ein kaputtes Haus. Dort stellen sie Zeug vor die Türen und bewachen diese mit gezückter Waffe. Plötzlich kommt der Killer an eine der Türen und haut sich selbst dagegen, damit sie sich öffnet. Unsere bewaffnet bewachende Dame schreit, rennt zur Kollegin, beide öffnen eine der anderen zuvor verbarrikadierten Türen und rennen wieder nach draußen. Der Killer kommt hinterher, sie schießen daneben (Er steht fast direkt vor ihnen!) und so geht es immer weiter. Sensationell. Ich habe gut gelacht.

Einen noch? Gerne: Ein Junge taucht vor seiner Exfreundin auf und hält ihr angeberisch seine Knarre vors Gesicht. Er könne sich von nun an selbst verteidigen (großer Junge). Irgendwann wird er dann vom Killer niedergeprügelt und in ein Verlies gesperrt. Dort steht er dann und schreit. Die Waffe hat er vergessen. „Vermutlich hat der Killer sie ihm weggenommen!“ schreit die Meute, die den Film nicht gesehen hat jetzt vermutlich. Leider hat er das nicht. Denn in einer anderen Szene wird deutlich, dass er sie noch immer vorne in der Hose stecken hatte. Da war er dann aber bereits tot.

Und dann ist da noch die oben angesprochene Hintergrundgeschichte. Andere Filme legen Wert darauf, dass die Hintergründe des Killers am Ende in einem großen Finale aufgedeckt werden. „XII“ macht das anders. Hier werden immer wieder vollkommen nebensächlich kleinere Hintergrundkrumen auf den Kinowaldboden gestreut. Am Ende hat man davon aber nur die Hälfte mitbekommen, da man bei den absolut dummen Dialogen in der Regel abgeschaltet hatte und die Krumen lieber von Langeweilevögeln fressen ließ.

Tja. „XII“. Der Titel steht übrigens nicht für die Anzahl der auftauchenden Logiklöcher. Dafür ist die Zahl zu niedrig. Ich möchte auch nicht weiter auf Fehler eingehen und den Text hier beenden. „XII“ war das, was „Cold Prey“ letztes Jahr darstellte. Ein extrem schlechter Slasherfilm.

Film 5: Transsibirian

Fantasy Filmfest 2008 - Transsibirian

Ein Paar befindet sich auf einer Bahnreise durch Sibirien. Dabei stoßen sie auf ein weiteres Paar, das im gleichen Abteil übernachtet, wie sie. Mit der Zeit stellt sich aber heraus, dass die beiden kein gewöhnliches Paar sind, sondern in illegale Geschäfte verwickelt sind. Plötzlich tauchen Drogen auf und das eigentlich friedliche Paar wird in eine dunkle Sache hineingezogen, bei der sie es letztendlich auch mit der russischen Polizei zu tun bekommt.

Transsibirian war nach den beiden anfänglichen Gurken endlich ein guter Film, auch wenn er eigentlich nichts „fantastisches“ an sich hatte. Es war eher ein gewöhnlicher Thriller, der aber trotzdem sehr gut unterhalten konnte. Vor allem die Darsteller lieferten eine großartige Leistung ab.

Irgendwie kann man zu dem Film aber nicht viel mehr sagen. Ich möchte die Handlung schließlich nicht weiter verraten, da genau sie das interessante an dem Film ist. Es gibt kaum „Action“. Der Film lebt von der Geschichte, die er erzählen möchte. Und die ist spannend und interessant. Es ist kein Überklassespitzenfilm. Aber schlecht war er ganz sicher nicht.

Film 6: Repo! The genetic opera

Fantasy Filmfest 2008 - Repo! The genetic opera

Der einzige Grund, warum ich mir diesen Film angetan habe war der, dass der Alternativfilm vollkommen uninteressant klag. Ich hasse Musicalfilme. Ich kann mit diesem Genre einfach nichts anfangen. Sweeny Todd und wie sie alle heißen mögen schön inszeniert sein, sobald aber gesungen wird, schaltet mein Gehirn automatisch in einen Energiesparmodus. Lediglich der „South Park“ Film wusste mich zu begeistern. Alles andere konnte mich noch nie mitreißen.

Aber wie gesagt: Keine Alternative, Dauerkarte und irgendwie las es sich ja trotzdem interessant. Und das war es auch. Der Film spielt laut eigener Aussage in naher Zukunft. Organtransplantationen und Schönheitsoperationen sind zu einer wahren Modeerscheinung geworden, die von einem gigantischen Konzern kontrolliert wird. Die Bewohner der Städte sind vollkommen durchgeknallt, Friedhöfe werden geplündert und der Organhandel blüht.

Die Rahmenhandlung fand ich sehr interessant und die abgedrehte Optik wusste, das Auge des Betrachters zu faszinieren. Auch die Geschichte um das Schicksal einiger Menschen in dieser Stadt war spannend und gut inszeniert. Aber verdammt noch mal es wurde andauernd gesungen. Und dadurch hatte der Film bei mir eben verloren. Es tut mir leid, diese Ignoranz meinerseits zuzugeben, doch ich kann scheinbar nichts mehr dagegen unternehmen.

Und so habe ich den Film nicht gesehen, sondern ertragen. Ich habe gesehen, dass der Film großartig inszeniert wurde. Es war brutal, die Darsteller hatten allesamt beeindruckende Stimmen und wussten damit umzugehen und die düstere Handlung kam sehr gut rüber. Aber es wurde gesungen. Ich empfehle den Film allen hartgesottenen Gesangsfreunden und Chorknaben. Wer aber wie ich mit Gesängen in Filmen nichts anfangen kann, sollte ihn verpassen. Denn man verpasst dabei zwar beeindruckende Bilder, gleichzeitig aber auch genervte Kopfschmerzen.

Film 7: It’s alive

Fantasy Filmfest 2008 - It’s alive

Eine Frau bringt drei Monate zu früh ein Baby auf die Welt, das nach der Entbindung gleich einmal den gesamten Kreissaal abschlachtet. Aber das war erst der Anfang, denn das Killerbaby sehnt sich nach seiner täglichen Dosis Blut.

Als ich Anfangs von dem Film erfuhr, war sofort klar, dass ich ihn sehen musste. Hätte mir aber jemand gesagt, dass er das Highlight des Tages werden würde, hätte ich ihn ausgelacht. Doch genau das war es dann letztendlich. Das Highlight.

Der Film hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Er hatte einige blutige Morde zu bieten und der Umstand, dass sie alle von einem nur wenige Tage alten Baby ausgeübt wurden, hat das ganze noch verbessert. Die Stimmung im Saal war sehr aufgelockert und so gab es einiges zu lachen.

„It’s alive“ ist ein dummer Trashfilm. Nicht mehr. Aber er wurde so großartig inszeniert, dass ich ihn Freunden dieses Genres nur empfehlen kann. Er ist nicht von langer Dauer und kann in dieser kurzen Zeit bestens unterhalten. Großartig! Dafür gehe ich aufs Festival! Babys an die Macht!

Epilog

Tag 2, 5 Filme, 7 Filme insgesamt. Wir haben 2:34 Uhr und ich bin müde. Mein Nacken schmerzt und ich will schlafen. Zum Glück habe ich die letzte U-Bahn nach Hause noch erwischt.

Ich habe auch nicht viel mehr zu sagen. Es gab keine großen Ereignisse. Leider waren die beiden ersten Filme des Tages nicht mein Fall. Der Rest des Tages war ordentlich, fand aber erst am Ende einen krönenden Abschluss.

Nur eines noch: Die Leute von „13th Street“ haben mich enttäuscht. Sie bringen tatsächlich den gleichen Trailer, wie letztes Jahr. Und ich kann ihn immer noch mitsprechen. Ich sage nur „Rosmarin“ und wünsche meinen Lesern eine gute Nacht. Die werde ich mir nämlich jetzt bereiten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.