Fantasy Filmfest 2007 – Tag 5

Tag 5. Keine langen Reden. Auf gehts.

Film 17 – Pans Labyrinth

Fantasy Filmfest 2007 - Pans Labyrinth

Zunächst einmal etwas zur Vorgeschichte: Der Film wurde als Blue Ray Vorführung gezeigt. Also eine Premiere. Der Film, der parallel lief (Free Jimmy) interessierte mich aber überhaupt nicht. Und so dachte ich mir „guck dir die neue Kinotechnik doch mal an, kann ja nicht schaden“. Und was soll ich sagen? Die Technik war scheiße.

Zunächst einmal sollte der Film auf spanisch laufen. Mit englischen Untertiteln. Tat er aber nicht. Es war alles auf Deutsch. Sprache und Untertitel. Macht ja nichts. Kann man ja einstellen. Also auf der Kinoleinwand die Menünavigierung beobachtet und neugestartet. Wieder falsch. Wieder Menü. Wieder falsch. Wieder Menü. Es klappt. Ist ja nicht schlimm, kann passieren, wenn man sich mit den Projektoren nicht so auskennt. Nach dieser längeren Verzögerung startete dann der Film. Und blieb zwischendurch immer mal wieder hängen. So, als hätte vor Filmstart jemand die CD durch einen Sandhaufen gezogen. Immer wieder blieb sie für ein oder auch mal zwei Sekunden hängen und vernichtete so gerne mal spannende Szenen. Denn das Bild blieb zwar stehen, der Film aber nicht. Und so sah man nach dem Standbild immer schon den Film zum fortgeschrittenen Zeitpunkt. Dadurch fehlten manchmal ein paar Anschlussszenen oder ähnliches. Extrem nervend und ich hoffe, dass diese Technik noch mal ein wenig überarbeitet wird.

Vielleicht haben auch andere Umstände für diese Fehler gesorgt. Ich kann es nicht sagen, aber ich fand es blöd. Und somit war ich leicht angepisst. Aber was solls. Kann passieren. Auf zum Film.

In einem kleinen Mädchen scheint die Seele einer Prinzessin zu stecken. Doch um wieder in ihr Königreich zu kommen, bekommt sie von einem Pan (nennen wir es mal Baumwesen) Aufgaben, die es erfüllen muss. Und dabei begegnet sie fantastischen Kreaturen, die ihr aber nicht alle freundlich gesinnt sind. Und außerdem ist da noch die reale Welt, die sich ihr in den Weg stellt.

Der Film bestand irgendwie aus zwei unterschiedlichen Teilen. Der eine Teil bestand aus den Fantasy Szenen. Merkwürdige Wesen, Elfen und so weiter. Alles toll in Szene gesetzt und schön inszeniert. Dann waren da aber noch die Szenen, die in der „Realen Welt“ spielten. Hier herrscht Krieg, welcher sehr brutal und direkt dargestellt wird. Menschen werden erschossen und gefoltert, und das nicht „hinter der Kamera“. Somit ist der Film absolut kein Kinderfilm, was man vielleicht aufgrund der Thematik anfangs vermuten könnte.

Mir hat die Kombination der beiden Aspekte sehr gut gefallen, weil es einfach mal was anderes war, einen solchen Mix anzutreffen. Der Film hatte eine durchweg tolle Atmosphäre, hatte einige tragische Momente und hatte die ganze Zeit meine volle Aufmerksamkeit. Wenn die CD mal nicht wieder hängen blieb. Aber das wollte ich ja jetzt nicht mehr erwähnen.

Ich kann den Film wirklich jedem empfehlen, der mal einen etwas anderen Fantasyfilm sehen möchte, der aber nicht unbedingt etwas für schwache nerven ist. Die nette Dame, die neben mir gesessen hat, hat bei einigen Szenen weggucken müssen und hat sich zwischendurch auch mal höllisch erschrocken. Fand ich lustig. Sie nicht so. Guter Film.

Film 18 – Paprika

Fantasy Filmfest 2007 - Paprika

Durch die Wissenschaft ist es möglich geworden, in die Träume anderer Menschen einzudringen. Aber die Technik befindet sich noch in der Entwicklung und wird noch nicht öffentlich getestet. Aber dann werden drei der Apparaturen gestohlen und schon bald beginnt ein Terrorist damit, die Träume der Menschen zu manipulieren. Nach kurzer Zeit stellt sich die Frage: Was ist Realität und was ist Traum?

Paprika hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte fand ich grandios. Einmal natürlich inhaltlich, aber auch in der Art der Umsetzung. Ich mochte den leicht abgedrehten Stil und man kam sich vor, als wäre man Teil des Films denn häufig konnte der Zuschauer nicht mehr zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden und man war verblüfft, wie einige Szenen inszeniert wurden. Die immer wieder auftauchende Parade z.B. fand ich genial umgesetzt. Abgedreht, erschreckend und faszinierend zugleich. Toll.

Am Ende bleibt man noch ein wenig im Saal sitzen und nutzt den Abspann, um das gerade Gesehene zu verarbeiten. Allzu schwer fand ich den Film letztendlich nicht zu verstehen, doch gibt es viele Dinge, über die man im Nachhinein nachdenken kann.

Ich habe aber auch Gegenstimmen gehört. Die kamen meist von Menschen, die zu viele Szenen hinterfragt haben. „Warum kann die denn einfach so in die Träume anderer Leute?“ und ähnliches musste ich hören. Ich weiß nicht warum, aber ich habe das nicht hinterfragt, sondern akzeptiert. Denn für den Film war es absolut nicht wichtig, WARUM sie es konnte. Es zählte nur, DASS sie es konnte und was daraus resultierte. Ich möchte also jedem ans Herz legen, dass er sich hinsetzt und sich auf den Film einlässt. Denn dann wird er Freunden dieses Genres sicherlich gefallen. Ich fand ihn, wie oben bereits geschrieben, grandios.

Film 19 – Get Shorty

Traditionell gucke ich mir jedes Jahr die Kurzfilme an. Irgendwie haben sie mir bisher immer zugesagt. Nicht alle waren immer gut, aber es war immer viel Abwechslung dabei. So war es auch dieses mal. Es waren nicht alle toll, aber was solls. Insgesamt waren die Filme dieses Jahr aber ein wenig „ruhiger“. Bis auf den letzten. Aber seht selbst. Ich verzichte mal auf Inhaltsangaben, denn das würde alles zu viel werden. Die Reihenfolge der Filme entspricht nicht unbedingt der im Kino. Die weiß ich nämlich nicht mehr.

Kiss And Death: Dies war der erste Kurzfilm und wohl auch der einzige, bei dem am Ende nicht applaudiert wurde. Sogar vereinzelte Buhrufe waren zu vernehmen. Und denen kann ich nur zustimmen. Ein schlechter Anfang. Aber dadurch, dass er zu Beginn lief, konnte es natürlich nur besser werden. Der Film war extrem langsam, hatte keine wirkliche Handlung und Sinn ergab er auch nicht. Man kann den Film schwer beschreiben. Aber mir hat er nicht gefallen. Öde.

The Handyman: Recht interessante Geschichte, aber für meinen Geschmack ein wenig zu langsam erzählt. Das Ende hat mir dagegen wieder gefallen. Auch wenn man sich das schon zu Beginn selbst zusammenreimen konnte. Etwas wenig Handlung und etwas zu viel Gerede.

Guilt: Großartig. Schnell, witzig und eine tolle Idee. Weil die Mutter im sterben liegt soll der Sohn ihr sein Herz spenden. Das weiß er aber nicht gar nicht. Als Austausch soll er ein Schweineherz erhalten. Wie er sich letztendlich entscheidet und was seine ihn umgebenden Leute dazu zu sagen haben wurde sehr lustig inszeniert. Schön kurzweilig.

Happy Birthday 2 You: Ja. So ganz habe ich ihn ja nicht verstanden. Das Ende ergab nicht wirklich Sinn. Recht brutaler Kurzfilm, der trotz der Brutalität sehr ruhig umgesetzt wurde. Die Geschichte an sich war wirklich interessant und sehr überraschend. Aber das Ende. Egal.

Itsy Bitsy: Sehr schön. Was passiert, wenn man nichts ahnend plötzlich einer Riesenspinne gegenüber steht? Richtig. Man macht erst mal gar nichts. Bis die Frau das Zimmer betritt. Der Film hat mir großen Spaß gemacht und hätte gerne etwas länger gehen können.

The Listening Death: Grandios umgesetzter Film. Die Optik ist die eines klassischen schwarz-weiß Stummfilms. Perfekt umgesetzt dabei aber auch mit einer grandiosen Geschichte und Idee. Ein ganz besonderer Kurzfilm wie ich fand.

Little Lise: Diesen Film hätte ich mir auch leicht als „ganzen“ Film vorstellen können. Potential hätte er zumindest. Und ein großartig spielendes Kind. Der Film ist sehr ruhig aufgebaut, erzählt aber eine sehr böse Geschichte. Und hatte einen sehr fiesen Schockmoment in der Mitte, bei denen einige im Kino wohl ihr Popcorn fallengelassen haben dürften. Toll gemacht.

Sprössling: Ein deutscher Animationsfilm. Er erzählt eine sehr witzige Geschichte und lässt einen erahnen, wie man in vielen Jahren einmal sexlos Kinder bekommen kann. Witzige Idee. Leider fand ich das Ende doof. Da hätte man mehr machen können als nur etwas anzudeuten. Aber vielleicht war es auch besser so. Man weiß es nicht.

Little Brats: Der „Abschlussfilm“. Und war für einer. Unglaublich, wie böse ein Film sein kann. Blut spritzt hier Literweise. Aber am Ende bleibt sogar noch eine Aussage stehen. „Schickt eure Kinder nicht in Chöre, sie könnten euch damit dermaßen auf die Nerven gehen, dass ihr sie töten möchtet.“ Das sollte man sich zu Herzen nehmen. Ein schöner und sehr blutiger Kurzfilm, der den extrem schlechten Anfang der Kurzfilme wieder ausgleicht.

Insgesamt kann ich nur sagen, dass ich wohl auch nächstes Jahr die Kurzfilme betrachten werde. Es ist immer Abwechslung geboten und macht Spaß. Leider war, wie gesagt, die diesjährige Auswahl etwas ruhiger. Etwas wie das frühere „Guard Dog“ z.B. fehlte irgendwie völlig. Aber egal. Ein paar wirklich gute Kurzfilme haben das wieder ausgeglichen.

Film 20 – The Signal

Fantasy Filmfest 2007 - The Signal

Durch ein über Fernseher und Radios plötzlich übertragenes Signal fangen die Menschen plötzlich an, all ihre Aggressionen auszuleben und sich gegenseitig abzuschlachten. Mitten in diesem Ausnahmezustand wird die Geschichte eines Paares erzählt, dass von nun an um ihr Überleben kämpfen muss.

Das besondere an diesem Film wird ihm leider auch zum Verhängnis. Aber erst mal zur Erklärung: Der Film wurde nicht von einem, sondern von drei Regisseuren gedreht. Aber nicht zusammen, sondern jeder bekam ein Drittel des Filmes, welches er umsetzen durfte, wie es ihm gerade passte. Dadurch bekam man drei vollkommen unterschiedliche Filmteile zu sehen. War sehr interessant gemacht, hatte aber auch ein großes Problem:

Ich mochte den letzten Teil nicht. Die Art des Regisseurs, der den letzten Teil gemacht hat, gefällt mir nicht. Und dadurch hatte der Film ein sehr dummes Ende. Das erste Drittel des Films ist sehr düster inszeniert und zeigt die verschiedenen Charaktere und wie sie miteinander agieren. Außerdem wird der Ausbruch der Gewalt gezeigt. Alles sehr düster und brutal. Hat mir gefallen.

Der zweite Teil ging da in eine deutlich andere Richtung. Hier stand der Spaß deutlich im Vordergrund. Zwar wird man hier ebenfalls mit viel Brutalität konfrontiert, doch wurde dies eher aus einer lustigen Sichtweise umgesetzt. Im Kino wurde viel gelacht, es gab lustige Dialoge und Charaktere und man hat den anderen Stil deutlich erkannt. An dieser Stelle des Films empfand ich den Humor auch nicht weiter als störend. Es war ab und zu vielleicht doch etwas unpassen, aber immer noch im Rahmen des erträglichen.

Dann kam der dritte Teil. Dieser war wieder extrem ernst und eher vergleichbar mit dem ersten Drittel. Nicht weiter schlimm. Aber leider war er mir zu langsam und schon fast einschläfernd. Irgendwie passte das alles nicht zum düsteren aber schnellen Anfang und dem eher lustigen Mittelteil. Der Stil des Gegisseurs wollte mir einfach nicht gefallen. Und dadurch hat der Film leider einen großen Teil des Lobes einbüßen müssen. Denn für mich gibt es fast nichts schlimmeres, als ein verkorkstes Ende. Und das gab es hier leider.

Die Geschichte von The Signal kann man übrigens getrost vergessen. Man kann sie am besten mit 28 Days Later vergleichen. Etwas lässt die Menschheit ausrasten. Hier ist es eben ein seltsames Geräusch / Fernsehbild. Nichts wirklich spannendes also.

Ich finde es immer noch schade, dass das Ende so blöd war. Der lockere zweite Teil hat mich gutes hoffen lassen. The Signal ist kein schlechter Film. Einige werden den zweiten Teil hatten und den dritten lieben. Jedem das Seine. Ich fand es schade.

Film 21 – I’m a Cyborg, but that’s OK

Fantasy Filmfest 2007 - I'm a Cyborg, but that's OK

Was für ein geiler Film. Aber es ist schwer, hier eine Inhaltsangabe zu schreiben. Darum nur kurz: Ein Mädchen ist davon überzeugt, ein Cyborg zu sein. Deswegen kommt es in eine Irrenanstalt und begegnet den schrägsten Menschen, die die Filmgeschichte erlebt hat.

Ja. Eigentlich reicht mein erster Satz in diesem Bericht hier schon voll und ganz aus. Ich hätte den Film noch zwei Stunden länger sehen können. Es gab unglaublich abgedrehte aber gerade dadurch so interessante Charaktere, Ideen und so viele andere Sache, die mich begeistert haben, dass ich manchmal mit einem extrem breiten Grinsen im Kino gesessen habe. Grandios. Diese Einfälle. Die Umsetzung. Und am Ende bleiben einige Fragen offen, die ich aber auch gar nicht beantwortet haben wollte. So bleibt ein Film, über den ich wohl noch lange nachdenken werde und den ich aufgrund der schauspielerischen Höchstleistung und der Liebe zum Detal auch so schnell nicht vergessen werde.

Freunde von abgedrehten Filmen: Greift zu. Einige werden mit ihm bestimmt nichts anfangen können oder ihn langweilig finden. Mir egal. Ich werde ihn mir wohl kaufen.

Tag 5 ist beendet. Und ich weiß nicht, was ich noch sagen soll. Das Festival hat bisher all meine Erwartungen übertroffen. Als ich zum ersten mal das Programmheft durchgeblättert hatte war ich ein wenig enttäuscht. Zu wenige Filme, die ich unbedingt sehen wollte. Meistens habe ich eher ausgewählt, welchen der beiden Filme ich „mehr nicht“ sehen wollte. Aber bisher: Wow. So viel Abwechslung, so viele Überraschungen. Alleine Paprika und „Cyborg“ heute. Schön schön.

Und dann ist noch etwas eingetreten, was bei mir jedes Jahr eintritt. Mein Zeitgefühl ist dahin. Zwischen dem ersten und dem zweiten Film hatte ich eine Pause von etwa 50 Minuten (Pans Labyrinth lief eine Stunde früher als die anderen regulären Filmfestfilme). Da dachte ich mir „Hey, geh doch ein bisschen durch die Stadt“. Das machte ich dann auch. War schön. Schön ruhig und leer vor allem. Auch in den Geschäften. Die hatten nämlich alle zu. Denn heute ist ja bekanntlich Sonntag. Wie ich dann auf der eil stehend und fluchend erkennen durfte. Bin dann zu Mac Donalds gegangen. Besser als gar nichts und der Weg war vor allem nicht ganz umsonst.

Bis morgen.

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