Bobos Filmbox – 2016-01 – Tier Edition – #3 – When animals dream

Bobos Filmbox - 2016-01 - Tier Edition - #3 - When animals dream

/// spa

Wachsen einem plötzlich überall am Körper Haare, weiß man, dass man schon bald schräg angesehen wird, wenn man seine Liebe zu den „Power Rangers“ auf dem Schulhof äußert. Es folgen die harten Jahre des Coolseins, bis man dann endlich wieder einen feuchten Furz darauf geben kann, was andere Menschen über einen denken. Beim heutigen Film läuft das alles aber irgendwie anders.

Bobos Filmbox - 2016-01 - Tier Edition - #3 - When animals dream

Die Protagonistin hat nämlich das Problem, dass sie kein Protagonist, sondern eine Protagonistin ist. Ich möchte an dieser Stelle nicht mit Geschlechterklischees um mich werfen, doch ist der Haarwuchs bei Frauen in der Regel ein wenig unausgeprägter als bei Männern. Bekommt man als Frau plötzlich Brustbehaarung wie ein Braunbär, macht man sich automatisch Sorgen. Vor allem wenn das Ganze mit hässlichem Ausschlag einhergeht. Und dann ist man auch noch andauernd so gereizt. Man kennt das. Vor allem aus Filmen, die die Verwandlung in ein Monster an Jugendlichen zelebrieren, um so die ganze Zeit über das Wort Pubertät in die Untertitel zu packen.

Ich sollte aber gleich zugeben, dass ich „When Animals Dream“ ohne Untertitel gesehen habe und deswegen gar nicht bestätigen kann, ob meine Behauptung überhaupt stimmt. Ist aber auch egal. Letztendlich war ich sowieso nur die ganze Zeit über heiß auf eine ganz bestimmte Stelle. Welche Stelle? Die mit dem Glas. Warum ich die Szene kenne? Weil der Trailer zu „When Animals Dream“ vor ich glaube einem Jahr andauernd auf dem Fantasy Filmfest lief und sich diese Trailer nach mindestens zwanzig Runden einem ins Gehirn einbrennen können. Als die Glasszene, die ich an dieser Stelle selbstverständlich nicht weiter beschreiben möchte, dann endlich gezeigt wurde, dachte ich darüber nach, ob sich das Warten nun gelohnt hat. Doch warum die Antwort und damit ein Fazit abliefern, wenn ich gerade so in Schwafellaune bin?

Die Menschen in „When Animals Dream“ haben ein riesiges Problem: Sie reden nicht vernünftig miteinander und sorgen dadurch für unendlich große Probleme, die man vermutlich durch ein nettes Gespräch bei Kaffee und Glaskuchen hätte klären können. Habe ich eigentlich schon gesagt, worum es geht? Indirekt. Dann noch mal ein wenig direkter. Eine junge Frau ist beim Arzt, weil sie Ausschlag hat und ihr ein Haarbüschel aus der Brust sprießt. Unangenehm, ja, aber der Arzt sagt, dass alles in Ordnug ist. Mit einer Stimme und einem Blick, die genau das Gegenteil sagen. Aber der Protagonistin ist das erst einmal egal. Sie guckt nämlich total gerne den ganzen Tag lang angespannt. Außer während der Arbeit. Da darf sie nämlich nicht nur Fische zerhacken, sondern auch noch ihren Geliebten angrinsen. Das ist jedoch eine andere Geschichte. Es stellt sich schnell heraus, dass unsere Dame eine Verwandlung durchmacht. In was? Einen Werwolf? Einen Ewok? Tja. Das gilt es, selbst herauszufinden.

Im Grunde hat „When Animals Dream“ ein riesiges Problem: Man weiß von Anfang an, was passieren wird. Man ahnt, in was sie sich verwandelt, will somit viel lieber erfahren, warum dies geschieht. Und genau hier kommen die Kommunikationsschwierigkeiten wieder ins Spiel: Spätestens nach der hälfte des Films hätte der Vater sich mit seiner Tochter an einen Tisch setzen und ihr alles erzählen sollen. Die Tochter ahnt etwas, die ganze Situation scheint gefährlich zu werden – vor allem auch für Außenstehende – und ein einfaches Gespräch, bei dem die Fakten auf den Tisch gelegt werden, hätte hier viel verändern können.

Aber man redet nicht miteinander. Und genau das hat den Film so unglaublich anstrengend gemacht. Nein, man muss mir die Ursprünge des Ganzen nicht erklären. Mit Unwissenheit komme ich klar. Die paar Informationshäppchen, die einem hier zugeworfen wurden, habe ich gerne aufgesogen. Aber dass ein Vater seiner sich verwandelnden Tochter nicht die Wahrheit sagt, obwohl er weiß, was geschehen wird, ist vollkommen absurd.

Für seine langsame Erzählweise bot mir dieser Film dann aber leider zu wenig, über das ich während längerer Szenen hätte nachdenken können. Es plätscherte und plätscherte, doch am Ende blieb nichts zurück, das mich weiter beschäftigen wird.

/// ZiB

„When Animals Dream“ ist in der Tat ein sehr ruhiger Vertreter des Werwolf-Films im weitesten Sinne. Diese Ruhe und unterkühlte Stimmung haben mir eigentlich ganz gut gefallen, weil sie eine bedrohliche Atmosphäre aufbauen. Man fühlt sich genau so wenig willkommen an diesem Ort wie ein haariges Mädchen. Und alles wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen, weil die Geschichte anscheinend in den 80ern spielt und ein Röhrenfernseher das Maximum an moderner Technik ist, dem man begegnet. Das Jahr wird allerdings nie erwähnt. Ich muss an „It Follows“ denken, dessen Atmosphäre ebenfalls davon profitiert, bewusst auf uns vertraute Alltagsgegenstände zu verzichten und uns in eine Parallelwelt zu versetzen, in der wir nicht ständig vernetzt sind. Marie wirkt völlig allein gelassen, und das macht ihre Situation noch schwieriger. Alle scheinen sich gegen sie zu verbünden.

Allerdings wurde es meiner Meinung nach mit der tristen Einsamkeit etwas übertrieben. Wie spa schon schrieb redet niemand mit Marie, sie trifft nur auf Ablehnung. Abgesehen von der einen Liebelei, die aber auch nur ganz kurz etabliert wird. Es gibt nur Schwarz oder Weiß – die Guten und die Bösen. Ihr Vater ist noch der vielschichtigste Charakter, weil er zwischen dem Allgemeinwohl und der Liebe zu seiner Familie hin und her gerissen ist. Aber selbst er kann das nicht wirklich zum Ausdruck bringen. Marie verlässt in einer Szene das Haus, ohne dass er weiß, ob sie jemals wieder kommt – und das letzte, was er ihr zu sagen hat, ist, dass sie hübsch ist? Das mag meinetwegen eine Metapher darauf sein, dass sich viele Mädchen in der Pubertät hässlich finden, aber sie hat in dem Moment bestimmt andere Sorgen. Und ihm sollte daran gelegen sein, ihr etwas über ihren Zustand mitzuteilen. Nehmen wir noch mal „It Follows“ als Gegenbeispiel: Dort ist die Welt zwar ziemlich surreal (nichts deutet auf ein bestimmtes Jahrzehnt hin, keine Erwachsenen), aber man kann mit den Charakteren mitfühlen, weil sie sich ganz natürlich verhalten. Das hat mir bei „When Animals Dream“ gefehlt. Er wirkt zu abgehoben. Das in Kombination mit dem langsamen Erzähltempo und der überraschungsarmen Geschichte ist etwas ermüdend.

Langsame Filme müssen um so mehr abliefern, um mich richtig zu begeistern, und da hapert es hier etwas. „When Animals Dream“ ist bei weitem kein schlechter Film, aber einmal ansehen reicht mir.

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