Bobos Filmbox – 2016-01 – Tier Edition – #13 – The Crow

Bobos Filmbox - 2016-01 - Tier Edition - #13 - The Crow

/// spa

Heute zog Bobo einen Film aus seiner Box, den ich als ungesehen in meinem Gehirn abgespeichert hatte. Das freute mich selbstverständlich sehr. Was mich dagegen nicht freute: Dass sich nach wenigen Minuten herausstellte, dass ich ihn doch schon kannte. Ärgerlich.

Bobos Filmbox - 2016-01 - Tier Edition - #13 - The Crow

Das Ärgerliche an diesem Umstand ist, dass man dadurch die ganze Zeit darüber nachdenkt, was als nächstes passiert. „Kann ich mich daran noch erinnern? Kommt jetzt das?“ Dadurch verkommt das Filmvergnügen zu einer anstrengenden Raterunde, was dem gesehenen Film nicht gerade zugute kommt.

„The Crow“ ist vermutlich jedem ein Begriff. „Ist das nicht der Film, bei dem der Protagonist durch einen Requisitenfehler am Set erschossen wurde?“ Ja, „The Crow“ ist dieser Film. „The Crow“ ist aber außerdem der Film, der immer auf diesen einen Umstand reduziert wird, was mir persönlich tierisch auf die Nerven geht. Jetzt, wo ich das aus der Welt geschafft habe, kann ich ja endlich über den Film an sich sprechen.

Es geht um ein Pärchen, das entweder gerade geheiratet oder oder bald heiraten will oder einfach gerne Rollenspiele in Heiratsmontur spielt. Die genauen Details sind mir entfallen und leider ist es vollkommen gegen meine Art zu schreiben, sich nun darüber zu informieren. Das ist auch nicht weiter wichtig, denn was auch immer unsere zwei Freunde vor hatten, sie werden von einer gemeinen Verbrecherbande dabei gestört. Sie wird vergewaltigt und ermordet, er wird anschließend aus einem Fenster geworfen. Im Vorwort erfährt der Zuschauer zudem, dass Menschen, denen ein ganz böses Verbrechen wiederfahren ist, die Möglichkeit haben, wieder aus dem Reich der Toten zurückzukehren. Krähen haben damit ebenfalls etwas zu tun. Was genau? Das ist zu düster für mich. Ich mag Sonnenschein und Lebensfreude. Davon ist in „The Crow“ nichts zu spüren.

Der Protagonist kommt jedenfalls ein Jahr nach dem Verbrechen zurück auf die Erde, hat eine Krähe als Begleiter und Augenerweiterung dabei und macht Jagd auf die Verbrecher. Warum? Um sich an ihnen zu rächen. Nicht durch das Überreichen von Blumen, sondern über das Überreichen von Tod. Er meuchelt nach und nach die Menschen ab, die ihm den Tag vermiest haben und kommt dabei dem Oberverbrecher immer einen Schritt näher.

„The Crow“ ist ein düsterer Rachethriller. Ein bisschen wie „John Wick“. Nur ohne Hund. Das Verbrechen ist dafür deutlich gemeiner, wenn man eine Rangfolge bei Dingen dieser Art überhaupt anlegen darf. Aber warum nicht? Ist ja mein Text. Nein, moment, die ZiB ist ja auch noch dabei. Dann schnell wieder zum Film. Die größte Besonderheit am Film ist ganz klar das Visuelle. Alles ist düster, dreckig und vernebelt. Nur hier und da wird die Dunkelheit von Leuchtreklamen durchbrochen. Die dadurch aufgebaute Atmosphäre hat mir wirklich sehr gut gefallen und ist im Grunde auch genau das, was den Film zu etwas Besonderen macht. Die reine Geschichte ist nichts Neues, nur hat man sich hier in der Gestaltung eben sehr viel Mühe gegen.

Insgesamt war es dann für mich aber auch hier und da ein bisschen zu viel des Guten… oder besser Unguten. Alles ist dunkel, die Menschen sind allesamt mies drauf und traurig, jeder hat irgendwas verloren. Manchmal befand sich für meinen Geschmack eine Prise Emotionen zu viel in der Suppe. Ich musste zwar nie über den Film und seine traurigen Charaktere lachen, doch nahm ich das düstere irgendwann schon gar nicht mehr wahr.

„The Crow“ ist dennoch ein guter Film gewesen. Man bekommt auf jeden Fall etwas aufs Auge, auch wenn man nach dem Aufprall das Gefühl hat, 24 Stunden lang weinen zu müssen. Die Charaktere sind überdreht, überzeichnet und verrückt, gingen mir aber nie zu sehr auf die Nerven. Obwohl um mich herum alle traurig waren, verließ ich am Ende recht gut gelaunt das Sofa.

/// ZiB

Ich habe keine Ahnung, ob „The Crow“ eher Emo, Gothic oder Neo Noir ist, aber ich weiß, dass ich die düstere Ästhehtik dieses Films schon immer mochte. Als ich ihn das erste Mal sah, wurde er direkt auf Videokassette aufgenommen und immer wieder eingelegt. Damals wirkte er auf mich ziemlich revolutionär, denn ich kannte von Tim Burtons Batman abgesehen nur quietschbunte Comicverfilmungen. Bei „The Crow“ gibt es zwar auf Seiten der Bösen auch schräge Vögel, aber insgesamt wirkt der Film eher ernst und melancholisch.

Dann ist da noch dieser coole „Held“. Man muss zwangläufig an Heath Ledgers Joker denken, weil beide Darsteller tragischerweise vor Fertigstellung ihres Films starben und sich danach ein gewisser Kult um sie und ihre letzte Rolle entwickelte. Verschmiertes weißes Makeup und zerzauste Haare scheinen dabei zu helfen. Aber selbst wenn man das ganze Drumherum ausblendet, bleibt „The Crow“ ein wirklich gelungener, mystischer Rachethriller, den man gesehen haben sollte. Mir gefällt der Stil heute immer noch.

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