SP-Treffen 2005 – Getempelte Rollstühle beim Campen in der Innenstadt

Wenn einer eine Reise tut, dann tut das niemanden interessieren. Wenn mehrere eine Reise tun, dann interessiert das höchstens die Beauftragten der Pisastudie, denn wenn nur einer etwas tut, dann ist das nicht so schlimm wie mehrere Tuer zusammen. Das vernichtet nämlich den hart erarbeiteten Intelligenzwert der Bevölkerung. Denn das Wörtchen “tun” ist böse. Und Satan. Und muss deswegen vernichtet werden.

Um sich von diesen Beobachtungen und Kontrollen der Behörden der heutigen Zeit körperlich und seelisch abzunabeln und um für die Dauer eines Wochenendes geburtlich einen Neuanfang einzuläuten, trafen sich ein paar Leute, um sich gemeinsam die Zeit zu vertreiben.

Um dieses Treffen in der Abgeschiedenheit der Einsamkeit doch nicht ganz abscheiden zu lassen, wurde ein Beauftragter der Regierung der vereinten Welt aus der fernen Zukunft zurück geschickt in die Zeit der Regierung der unvereinten Welt, um das Treffen der Jünger der Glückseligkeit zu dokumentieren. Diese Dokumentation wurde durchgeführt von einem vollkommen neutralen Neutralisten, der durch qualvolle Objektivfoltermethoden zu einem wahren Objektivmonster mutierte und seiner Neutralität mit Hilfe dieses dokumentarisch geführten Dokumentar-Dokuments freien Lauf lässt.

Nun viel Spaß beim äuglichen betrachten eines Textes über die blanke gelogene Wahrheit und verdrehte Tatsachen.

Ein ganz normaler Tag?

Mein Tag begann ganz normal: Ich arbeitete, kam nach Hause und lag auf dem Sofa. Dann betrat plötzlich eine Reisegruppe das Gebäude und fraß und trank sich durch die Wohnung. Gleich darauf ging sie wieder.

Dieses Verhalten vollkommen natürlicher Meschlichkeit entfachte die Flamme der Neugierde in meinem Herzen und ich fällte den Entschluss wie eine gigantische Kettensäge einen kleinen Grashalm, diesem Trupp von Leuten zu folgen.

Doch was wusste ich? Nur den Zielort. Ein Camping Platz. In Mainz-Kastel. Also gut. Los geht’s. Die Tasche gepackt und hinterher. Ich packte meine Tasche und ging. Hatte aber keine Ahnung, wo dieses “hinterher” stattfinden sollte. Und vor allem: Wie. Also in den Zug Richtung Mainz-Kastel. Natürlich mit einem gültigen Fahrausweis. Alles andere ist illegal und somit für meine dokumentarische Vision nicht zu gebrauchen.

In Mainz-Kastel angekommen war ich vollkommen auf mich allein gestellt. Zwar verließen einige weitere Personen den zum Stehen gekommenen Zug doch war eine Kontaktaufnahme für mich vollkommen uninteressant. Mein Kontakt-Ziel stand fest: Diese eine Reisegruppe, die es sich in den Kopf gesetzt hatte, sich von der Außenwelt abzukapseln (der Umstand, dass der gewählte Campingplatz eigentlich auch voller Menschen war, wurden ignoriert), um so ein Wochenende der Extraklasse zu erleben

Ein Weg, sie zu finden…

Doch wie gesagt: Mein erstes Ziel war es, diese Truppe der spontanen Selbstentzündung zu finden. Ganz unvorbereitet trat ich meiner Reise natürlich nicht entgegen und betrachtete meine Wegbeschreibung. Aus Mangel an Zeit, Geduld und Lust, eine solche ernsthaft anzufertigen, bestand sie aus folgenden zusammenhanglich ziemlich quer Beet angelegten Begriffen (Achtung: Dies ist wirklich eine eins zu eins Abschrift meiner Wegbeschreibung):

Fußweg – vom Bahnhof – auf Brücke – rechts – Rückseite Bahnhof – Rhein (Strom auf) – überquert “Lache” Brücke – Bootshaus – Ende – Campingplatz.

Dieses Dokument der alten Schule der weisen Waisen aus dem Morgenland half mir tatsächlich, die Gruppe zu finden. Zwar musste ich über Schienen des Bahnhofs rennen und über einen Zaun hüpfen, dessen Höhe mir das Hüpfen leider untersagte und dieses unter schallendem Gelächter in Klettern umwandelte, aber Sport hat noch niemandem geschadet, der nicht durch selbigen verletzt, verkrüppelt oder vernichtet wurde und somit nahm ich diese Hürde dankend an und mit der Leichtigkeit einer in der Schwerelosigkeit schwebenden Tomatensuppe erklomm ich die Spitze des bildlich gesprochenen Eisbergs und landete gesund und munter auf der anderen Seite.

Nun folgte ich einem Feldweg durch ein meiner Vermutung nach von einem spontanen Bombenregen ziemlich mitgenommenen Häusermeer, in dem noch heute ein paar fleißige Fleißigkeiten ihre Arbeit verrichten, um sich ihr täglich Bier zu verdienen.

Auch ein im Volksmund Flussarm genannter Tümpel, der in meiner oben erwähnten Wegbeschreibung Lache hieß, floss sich mir in den Weg. Doch ein kleines blaues Brückchen stellte sich mir tapfer zur Seite und zusammen mit meinem neuen Freund überlief ich geschwind, geschwind wie das himmlische Kind bei Rückenwind die sich unter mir mit fließen die Zeit vertreibende Flüssigkeit.

Nach diesem alliterarischen Meisterwerk möchte ich den restlichen Weg nun schriftlich verkürzen, denn ich kam nach der tränenreichen Trennung von dem blauen Brückchen an meinem ersehnten Zielort an. Ein Campingplatz erstreckte sich vor meinen Augen gen Horizont und wie ein Plumpsklo mit Kot war auch ich gefüllt mit Vorfreude auf das Zusammentreffen mit der gesuchten Gruppe. Und hier beginnt nun endlich mein eigentlicher Bericht.

Der erste Kontakt

Die Kontaktaufnahme mit dem Grüppchen verlief alles andere als schleppend. An einem Eingangsgitter wurde ich von einem Mitglied aufgelesen und zu der Gruppe geführt. Dort wurde ich begrüßt und durfte mich zu den Leuten setzen. Zwar kamen anfangs kleine Fragen auf, warum ich mich erst jetzt der Gruppe angeschlossen hatte, doch konnte ich diesen Fragen mit kurzen Berichtbrocken aus meiner Anreise ausweichen und sie somit in die Vergessenheit schubsen.

Als die Mauer des sinnlose Fragestellens endlich durchbrochen war, gingen wir auch gleich im strammen Marsch hinüber zu weltbewegenderen Themen. Zum Beispiel dem Wetter. Hier konnte ich mit unglaublichem Wissen trumpfen und erklärte den Anwesenden gleich mal den Unterschied zwischen Tag und Nacht sowie Sommer und Winter.

Der Grund für den Wechsel dieser unterschiedlichen Tages- sowie Jahreszeiten ist genauso einfach wie auch kurz: Die Wolken. Um den Lesern dieses Artikels diese Fakten der meteorologischen Wissenschaften erklären zu können, bediene ich mich dem Medium der textlichen Formulierung.

Zunächst zu den Fakten: Am Tag ist es hell, weil keine Wolken da sind und in der Nacht ist es dunkel, weil die Wolken die Sonne versperren. Das ist klar und jedem bekannt. Schwierig wird es erst, wenn man jetzt zu den verschiedenen Jahreszeiten überläuft. Im Sommer ist es ja warm, weil tagsüber keine Wolken am Himmel sind. Darum sind die Tage auch so lang. Im Winter dagegen bilden sich viel schneller Wolken (weil es ja schneit) und somit wird es schneller Nacht. Die Tage sind kürzer. Dass es auch im Sommer mal bewölkt sein soll ist genauso eine Lüge der heutigen Medien wie die angebliche Tatsache, dass es einen Frühling und einen Herbst gibt. Dies wird nur behauptet, damit Künstler, die ihr Geld mit dem Zeichnen von Kalenderblättern verdienen, ein paar Motive mehr zu malen haben und man somit aufgrund des größeren Umfangs den Käufern mehr Geld aus der Tasche ziehen kann. Eigentlich könnte man das heutige festgelegte Jahr in zwei Jahre aufteilen und es würde niemandem auffallen.

Böser Balu

Doch nicht nur solch hoch intellektuelle Themen wurden besprochen. Auch das Thema Film wurde heiß diskutiert. Auch hier konnte ich durch mein Fachwissen als Reporter über japanische Director´s Cut´s auftrumpfen.

So war ich der Einzige, der von einem alternativen Ende des Filmes “Das Dschungelbuch” wusste, in der Balu der Bär, nachdem er von Mogli verlassen wurde, den Dschungel und das Buch wegen des schmerzlichen Verlustes ebenfalls verließ und in der Wüste ein Bärenbordell eröffnete. In dieser Wüste stieß er an einem großen Meer auf einen Anlegesteg für gelbe Wasserflugzeuge, von dem er eines klaute und von nun an ein Lufttransportgeschäft leitete. Doch bei einer seiner Flüge sammelte er aus Versehen in einem tiefen Wald einen perversen Koboldpiraten namens “Pumuckl” auf, welchen er aber aufgrund dessen Unsichtbarkeit nicht sehen konnte. Dieses Mucklwesen biss Balu in sein Bein und zwar so feste, dass er für immer gelähmt war und sein Leben an den Rollstuhl gefesselt verbringen musste. Balu war über den Verlust seiner Gehfähigkeit so niedergeschlagen, dass er sich den ganzen Körper rasierte, um wie ein Mensch auszusehen. In seinen Rollstuhl baute er die Triebwerke seines ehemaligen Flugzeugs ein. Und da er dachte, ein Geist habe ihn so zugerichtet, ging er zu den “Extreme Ghostbusters” und wurde ein Held für die Jugend. Balu´s Leben ist also das treffendste Beispiel für eine perfekt abgelaufene berufliche “Umstuhlung” (dieses schlechte Wortspiel muss in diesem Bericht erwähnt werden, zeigt es doch die ignoranten Kommentare der beteiligten Personen auf meine gehirnlich höchst anspruchsvollen argumentativen Ausgüsse).

Natürlich ist diese „Dschungelbuch“-Version nur in Japan zu finden und aufgrund ihres jugendgefährdenden Inhalts wegen Prostitution, Drogen, Gewalt und sich rasierenden Balu-Bären sogar bei den einiges gewohnt seienden Japanern ab drei Jahren eingestuft worden. Hier in Deutschland ist er indiziert, da er aufgrund der Theorie eines Chaostheoretikers indirekt für den schlimmen Tsunami in Erfurt verantwortlich war, der zwei Züge in ein Hochhaus entgleisen ließ. An dieser Stelle der Begründung zur Indizierung des Filmes folgte dann auch das wie immer gebrachte und meiner Meinung nach langsam lächerlich gewordene Beispiel zur Erklärung der Chaostheorie mit dem Schmetterling, dessen Pimmelschlag einen Vulkan auf Kreta explodieren lässt. Wie man merkt halte ich von diesem Beispiel absolut gar nichts mehr, da es von jedem kleinen spackengesichtlichen Arschloch ohne Gehirn sofort wie aus der Pistole geschossen in das Gesicht des ihm gegenüber stehenden geballert wird, in der Hoffnung, dadurch total töfte intelligent da zu stehen. Ich muss leider sagen: Wer dieses Beispiel bringt, ist blöd.

Doch genug der eigenen Meinung. Hier geht es nun in einem gekonnten Schlenker um sämtliche Themen der Weltgeschichte herum zurück ins Zentrum des Schmerzens. Zu den weiteren Geschehnissen des Treffens.

Kein Trinken trotz Auto

Es stellte sich nach kurzer Zeit heraus, dass viele der Anwesenden ziemlich durstig waren. Warum? Weil niemand was zu trinken dabei hatte. Warum hatte niemand etwas zu trinken dabei? Weil eigentlich schon welche etwas zu trinken dabei hatten. Klingt jetzt verwirrender als es ist, denn diejenigen, die das Trinken dabei hatten, waren noch nicht da.

Warum waren sie noch nicht da? Und warum frage ich so viel? Ganz einfach: Dies ist ein von mir geschriebener Bericht in dem ich versuche, durch dumme Fragestellungen die Länge ins Enorme auszuweiten. Um diese Enorminitäten ein wenig zu unterbinden beschreibe ich nun kurz und knackig die Fakten des ganzen: Zwei Personen wollten sich der Gruppe noch anschließen. Doch sie reisten nicht wie die anderen per öffentlichem Verkehrsmittel sondern zogen den Privattransport per Auto vor.

Leider hatte sich der Fahrer des Gefährts nicht richtig über die Strecke informiert und saß dann irgendwann irgendwie irgendwo in einem Umkreis von etwa 10 Kilometern um dem Campingplatz fest. Dies war noch nicht alles, denn der hilflos dafahrende Fahrer versuchte nun, durch mobile Telefonanrufe auf die mobilen Telefone der Anwesenden eine Wegbeschreibung zu bekommen („Ruf mich an! Ruf mich auf meinem Handy an!“). Leider schien er nicht einsehen zu wollen, dass die beteiligten ihm so was von überhaupt nicht helfen konnten, da diese ja zu Fuß über kleine schmale Brücken über große breite Tümpel gewandert waren, deren Befahren mit einem Auto nicht möglich war und die zum Zielort gefußte Gruppe somit absolut keinen Plan von einer Autostrecke zum Platz hatte. Die Erklärungen der Anwesenden wurden mit bloßer Ignoranz beglückt und Einsehen machte sich lediglich bei den Gefragten breit und zwar darüber, dass diese Einsicht niemals per Telefon zu dem Anrufenden durchsickern würde. Und man behielt recht.

Irgendwie schaffte es das Auto auf wundersame Weise von einem Aldi doch noch zum Platz der guten Laune und die Ankunft des Fahrers war geprägt von zielstrebigen Hassattacken auf die Person, die er während seiner Blindfahrt durch die Einsamkeit angerufen hatte und von der er die oben geschilderte Problematik des nicht vorhandenen Orientierungssinn der Fußgruppe zu hören bekam. Einsicht war noch immer nicht eingetroffen.

Doch genug von diesen negativen Schwingungen, dem Hang zur Gewalttätigkeit und sonstigen Dingen, die eher in eine Talkshow mit dem Thema „Ich haue kleine Kinder“ gehören. Das Treffen verlief bis auf diesen kleinen Ausrutscher der netten Umgangsformen eigentlich recht vernünftig und wurde durch den neuen Wortwitz „Na vi geht´s?“ um eine weitere Witzigkeit erweitert, die an dieser Stelle nicht verstanden werden muss.

Das Feuer spielt mit

Wie es sich für echte Superfreunde gehört, wurde den verspätet und erst bei Dunkelheit eingetroffenen neuen Mitgliedern der Gemeinschaft dann auch gleich per Blickkontakt und im Halbkreis um sie herum stehend beim Zeltaufbau geholfen. Wenigstens eine Lampe wurde ihnen gen Bauplatz gehalten, diese gab aber schon nach wenigen Minuten mangels Motivation durch zu niedrigen Batteriestand den Geist auf. Auch wurden konstruktive Fragestellungen zur Lösung des Problems aufgeworfen, wie beispielsweise „Ist das dein Zelt? … Oder dein Schlafsack?“ Was aufgrund diskriminierenden Schwingungen nicht weiter erläutert werden soll.

Doch auch das zeltigste Zelt ist irgendwann errichtet und somit stand das Bauwerk nach einigen Minuten gut verpackt und gesichert bei den Anderen. Der Abend konnte fortgesetzt werden.

Wurde er auch. Und zwar mit den jährlich stattfindenden Feuerspielen. Fackeln wurden entzündet und die Beteiligten versuchten exemplarisch einzelne Mitglieder anzuzünden. Diese Verbrennungsversuche waren natürlich rein freundschaftlich zu verstehen. Niemandem hätte etwas passieren können.

Woher die Beteiligten diese Sicherheit nahmen? Standen sie nicht schon mit einem Bein bis zum Knie in der Asche ihrer eigenen verbrannten Körper? War sich denn niemand über die Gefahr des flammenden Infernos in den eigenen Händen bewusst? Doch, man war sich bewusst über diese Dinge. Die Verwandlung des eigenen Körpers in ein Häufchen Elend durch zu brisanten Kontakt mit dem heißen Element war jedem bekannt. Doch es gab da etwas, was die Gruppe beruhigte. Ein Gefühl der Sicherheit im Inneren erzeugte. Dieses beruhigende Etwas war ein kleiner roter Feuerlöscher. Dieses technische Wunderwerk der Brandbekämpfung wurde von einer Person der Gruppe mitgebracht und hütete die Anwesenden nun mit aller Kraft vor dem entflammten Tod.

Ist es ein Klo oder ein Fluch?

Die Sicherheit der Gruppe war also weitestgehend gewährleistet. Lediglich ein mysteriöser Ort schien seine dunklen Krallen nach den sich selbst in Sicherheit wiegenden Beteiligten auszustrecken, um sie zu packen und auf ewig in ein stinkendes Loch zu ziehen. Der Toilettenraum der Herren. Bei dem Besuch dieser Örtlichkeit durch zwei unerschrockene Mitgruppler, zu denen ich und ein mutiger Männerfreund zählten, begegnete ich einer Toilette, gefüllt mit einer aus der Analgegend ausgestoßenen Wurst, welche ein anscheinend trostloses Dasein fristete, denn niemand machte auch nur den leisesten Anstand, sie hinunterzuspülen in ihr dunkles Grab der Erlösung.

Auch ich erlöste sie nicht. Ich benutzte einfach eine andere Toilette.

Doch dann geschah etwas merkwürdiges. Das Licht begann zu flackern und ging kurz aus. Nach wenigen Sekunden schaltete es sich von selbst wieder ein aber nur , um sich ein weiteres mal auf mysteriöse Weise selbst auszuschalten. Verwundert, verwirrt und erschrocken zugleich verließen ich und mein Kollege die Herrentoilette. Sollte sich an diesem heiligen Ort der Düfte ein Fluch befinden, waren wir nicht gerade scharf darauf, diesen anzutreffen und zum mitkommen zu animieren.

Auf der Treppe nahe des Ausgangs saß noch ein Mann, den wir beide nach kurzer Zeit als Nachtwächter identifizierten, denn es war Nacht und er war wach. Doch wir wollten und konnten ihn nicht zu den merkwürdigen Vorkommnissen befragen, denn er nachtwachte gerade über einem Rätselheft und sah nicht danach aus, als würde er sich über ein Gespräch mit uns im Nachhinein freuen.

Wir gingen also zurück zum Zeltplatz unserer Gruppe und verhielten uns unauffällig, indem wir in die Feuerspiele der Anwesenden wieder mit einstiegen und den Rest des Abends somit schnell und mit SCHNITTCHEN hinter uns brachten.

Und wie wir den Abend so hinter uns brachten, drehten wir uns schließlich um und stellten uns ihm entgegen. Besser gesagt legten wir uns ihm entgegen. Nämlich in unseren Zelten. Und so schlief die Gruppe so langsam ein und läutete somit das Ende dieses ersten Tages ein.

Kalte Männer

Da nun alle am schlafen sind, möchte ich die Gelegenheit beim Schopfe packen und ihr die Fresse polieren, in dem ich eine kleine Hintergrundinformation erläutere. Es geht um einen Begriff, den ich im Verlauf des bisher gelesenen Berichtes benutzt hatte. Und war den Begriff „Männerfreund“. Mit diesem Begriff betitelte ich einen der Anwesenden und dieser betitelte mich ähnlich. Warum? Weil wir Männer waren. Und zwar richtige. Alles was wir taten, was wir anfassten und was wir beendeten war männlich. Rätsel, Spiele und Würstchen. Alles Männlich und alles Dinge, die später noch einmal genauer erläutert werden. Ich möchte hiermit nur dafür sorgen, dass nicht bei jedem „Männer“-Wort riesige Verwirrung bei den Anwesenden Lesern herrscht, weil diese nichts damit anfangen können. Merkt euch einfach: Zwei der Leute waren männlich. Das reicht.

Weiterhin möchte ich kurz lästern. Trotz meinem durch die Eigenschaft als Reporter und Verfasser dieses Berichtes aufgezwungenen Drang zur Neutralität kann ich einen gewissen negativen Kommentar zu einer indirekt anwesenden Person nicht ganz verschweigen: Mutter Natur. Diese eigentlich meistens recht nette Frau hatte es an diesem Wochenende irgendwie auf uns abgesehen und sorgte für ihre bloße coole Anwesenheit für so manches Frösteln unter den Beteiligten. Aber da wir uns eh nicht gegen sie wehren konnten und Gespräche mit ihr eher wie Monologe klangen beließen wir es einfach dabei und sahen die Kälte positiv. Wie dieses positive Sehen einer vorhandenen Arschkälte funktionieren soll, weiß ich nicht, denn die Durchführung dieser Aktivität verlief schleppend bis gar nicht und wurde vor allem in der Nacht durch lautes Eiseskälteklirren dahingeschmettert.

Tempel gegen Religion

Zurück zu den erfreulicheren Dingen des Treffens: Wir haben die Nacht überlebt und alle Anwesenden erhoben sich im Laufe mehrerer Stunden aus ihren Zelten.

Zu dieser morgendlichen Stunde verbrachten zwei coole Männer ihre Zeit damit, Tempelanlagen zu bauen. Ein kleiner Tempel wurde errichtet auf einem Haufen Asche und war der „Tempel der verbrannten Erde“.

Neben diesem kleinen Tempel stand ein viel größerer Tempel. Dieser enthielt einen großen Steinaltar, welcher sich auf Knopfdruck zur Seite verzog und somit den unter sich gelegenen Scheiterhaufen freigab. Dieser wurde aber lediglich am „Tag des offenen Feuers“ in Betrieb genommen, da das Verbrennen von Menschen verboten ist und von der breiten Masse nicht gern gesehen wird.

Die Materialien zur Konstruktion dieser Tempel beschränkten sich zumeist auf einfache Äste, Steine und Blätter. Die Blätter waren Symbole für Wolken und wie man aus der weiter oben bereits beschriebenen Erklärung zum Wetter schließen kann, befanden sich unter diesen Wolken Wintergärten, denn im Winter sind ja Wolken da.

Der Sinn hinter diesen Tempeln? Die Erbauer nannten sie die „Tempel gegen die Religion“. Als einer der Anwesenden einen dieser Tempel mit unabsichtlich aber dämlich platzierten Fußtritten zum Einsturz brachte, sagte er in der Erwartung, dadurch das Geschehene etwas runterzuspielen, dass er ja gegen Religionen sei und die Tempel deswegen vernichten würde. Leider war dieser Ausspruch vollkommen falsch, denn die Erbauer protestierten ja durch die Tempelanlagen gegen Religionen und ein Zerstören derselben würde nur demonstrieren, dass der Vernichter irgendeiner Religion angehören würde.

Trotz diesem unglaublich philosophisch beeindruckenden Hintergrundgedankens kam es immer und immer wieder zu kleineren und größeren Vernichtungen der Tempel. Es konnte aber auch nichts dagegen unternommen werden. Also nahm man es hin und baute einfach immer wieder neue. Zum Ende des Treffens blieb nur noch einer dieser Tempel stehen. Er blieb als beeindruckendes Bauwerk und Monument der Nachwelt erhalten und steht von nun an als Symbol für die Vereinigung gegen jedwede Religion inmitten eines Campingplatzes. Ein Mahnmal an die folgenden Generationen in der Hoffnung, die Welt zu Ändern und für mehr Frieden zu sorgen.

Auf nach Mainz!

Natürlich war das Treffen der Leute der guten Hoffnung geprägt von einem ausgiebigen und abwechslungsreichen Programm. Während es am ersten Tag hieß: „Macht was ihr wollt bis ihr müde seid und schlafen geht“ wurde zu Beginn des zweiten Tages dem Ganzen noch eine gigantische Goldkrone von unermesslichem Wert drauf gesetzt. Es hieß: „Auf nach Mainz bis wir keinen Bock mehr haben und mal schauen, was man da so machen kann.“ Freudig versammelte sich die Truppe und marschierte los, um das Motto gekonnt in die Tat umzusetzen.

Diese ganze Aktion in jedem kleinen Detail zu beschreiben ist so gut wie unmöglich, denn sie dauerte etwa fünf oder sechs Stunden. Und in dieser Zeit passierte mehr, als in manchen Familienhaushalten in einem ganzen Jahr.

Ein Beispiel für die total einfallsreichen und spannenden erlebten Erlebnisse war das Essen, denn es wurde gegessen. Spannend. Viel interessanter war da allerdings der spontane Besuch eines fremden Mannes, der nicht mehr von unserer Seite schreiten wollte. Vermutlich, weil er zu betrunken war, um noch vernünftig in eine Richtung zu schreiten.

Eine andere Theorie über das nicht Schreiten des Mannes war, dass, da wir uns mitten in der Innenstadt nahe einer Bank auf den Weg gesetzt hatten, wir uns dreister weise mitten in seinem Wohnzimmer befanden. Der eigentlich vermutlich freundliche Herr umkreiste uns deswegen argwöhnisch wie ein Hai seine Beute und versuchte, uns mit Todesblicken und und nicht minder schlimmem Mundgeruch aus seiner Behausung zu vertreiben.

So machte sich die Gruppe auch nach einiger Zeit des Speisens von dannen und blickte noch einmal zurück auf den nun eine Bank besitzenden Herren, der sich nun die Zeit damit vertrieb, anderen ihm entgegenkommenden Passanten philosophische Ratschläge wie „Ey, du!“ oder ähnlich geistig hochwertigem Zeug mit auf den Weg zu werfen. Zugleich machte sich in der Runde der Gruppe die Frage breit, warum gerade sie immer und immer wieder mit solch interessanten Menschen konfrontiert wird.

Neben diesen Kontaktaufnahmen mit den Bewohnern von Mainz gab es noch andere Dinge, die unternommen wurden. Nämlich einkaufen. Und hier wurde alles mitgenommen, was nicht gerade zu teuer oder zu sinnvoll war. So wurde ein Auge gekauft, welches in einer mit komischem Zeug gefüllten Röhre haust, dass man auf Knopfdruck mit Blitzen und Giftschleim füttern kann und welches daraufhin komische Geräusche produziert („Ich kann furzen!“). Außerdem verwendete ich mein Geld, um mir ein echtes Männer-Rätselheft zu kaufen. Diese Männlichkeit des Heftes hob ich immer wieder durch Erwähnen dieses männlichen Umstandes hervor. Zudem unterstützte das Titelbild des Heftes meine Aussagen, da auf diesem eine Frau im Rosa Kleid mit einem Frosch abgebildet war. Männliche Aufgaben wie das Retten einer kleinen Ameise, die auf einen Hügel klettern wollte, sowie das Verbinden der Zahlen von eins bis dreißig kamen auf mich zu und erwarteten, von mir bewältigt zu werden. Sie wurden von mir nicht enttäuscht.

Ansonsten wurde Geld sinnlos für DVDs, Nintendo DS Spiele und anderen Kram ausgegeben. Irgendwie muss man ja die unterentwickelten Bereiche der Wirtschaft ankurbeln und ich vermute, dass wir durch unseren Mainzer Einkaufsgang die deutsche Wirtschaft mehr als nur angekurbelt haben und sie sich nun freudig und vor allem reich weiter ausdehnen und sich am Leben erfreuen kann.

Außerdem wurde noch Essen gekauft, denn auf dem bereits erwähnten Planungsplan des Treffens stand als nächste folgende Aktion das Grillen an.

Wandern ist Männersache

Doch erst einmal musste man wieder zurück zum Campingplatz kommen. Und hier muss man einfach mal zwei unglaublich männliche Personen hervorheben. Diesen beiden wahren Männern ist es zu verdanken, dass die Gruppe in Mainz nicht verhungerte und immer genau dort ankam, wo sie hin wollte. Die Stadt wurde schnell gefunden, die Geschäfte auch und zurück zur sicheren Umgebung des Campingplatzes kam man auch.

Leider wurde den beiden Gruppenleitern hierfür in keinster Weise gedankt. Viel mehr wurde man mit strafenden Blicken beglückt, da man nicht innerhalb weniger Sekunden an dem gewünschten Zielort eintraf, sondern ein paar kleine Laufwege in Kauf nehmen musste. Gegen Ende hatte man sich angeblich sogar verlaufen. So setze sich auch eine andere Gruppe plötzlich an die Front und zwar genau dann, als nur noch einer großen Straße gefolgt werden musste. Somit wird nun wohl offiziell dieser Gruppe der Erfolg des Heimkommens angerechnet werden und nur mit Hilfe des vorliegenden Berichtes kann ich dafür sorgen, dass die beiden Männer doch noch mit ein klein wenig Ruhm in Kontakt kommen, auch wenn wahre Männer dieses Schwelgen in ihrer eigenen Genialität eigentlich gar nicht nötig haben.

An dieser Stelle möchte ich kurz auf die Frage einer anwesenden Person eingehen, die fragte, was eigentlich „gestandene Männer“ sind und das Eingehen damit beenden, dass ich nicht weiter darauf eingehen möchte. Während unseres Aufenthalt in Mainz waren wir sowieso keine gestandenen Männer sondern gegangene Männer und jeglicher Zusammenhang kann somit ignoriert werden.

Außerdem ist es wichtig, sich als Mann keine Fehler einzugestehen. Und unter Rücksichtnahme dieser Tatsache möge der obige Abschnitt ein weiteres mal gelesen werden.

Das Ende einer Wanderung

Und was war sonst noch in der Stadt? Einiges. Aber wir haben nicht alles besucht. Was wir besucht haben war neben den üblichen großen Geschäften auch ein netter Comicladen. Außerdem verließ uns ein Mitglied der Gruppe bereits am Mainzer Hauptbahnhof. Nach dem tränenreichen Abschied widmete man sich wieder anderen Dingen, wie zum Beispiel einem sogenannten „Survival Kalender“, der einen neben der Funktion eines alltäglichen Kalenders auch noch mit Tipps konfrontierte, wie man Gefahren im alltäglichen Leben problemlos entgegentreten kann. Beispiele für diese einem in regelmäßigen Abständen begegnenden Situationen waren das Knacken eines Schlosses, das Abrollen von einem Auto, das Springen von einem Zug oder auch das Verscheuchen eines Pumas. Dieses Buch stahl uns die Zeit und sorgte für gewisse Erheiterung. Vor allem, weil es nicht gerade billig war und man immer wieder darüber nachdenken musste, dass man für solche Sachen tat-sächlich Geld verbrät. Aber was solls. Besser sinnlos Geld ausgeben als gar nicht. Sonst zählt man gleich wieder zu den Geizhälsen und wird verprügelt.

Feuriges Essen

Kommen wir nun, genau wie die Gruppe, zurück zum Campingplatz. Dort wurde nämlich dafür gesorgt, dass niemand verhungern musste. Gleich nachdem man sich von den Strapazen des Wanderns durch Mainz erholt hatte begann das Grillen. Und hier wurde diesmal nicht (wie eigentlich mittlerweile zur Tradition mutiert) auf einen selbstgebauten Grill zurückgegriffen, sondern einer der Beteiligten sorgte dafür, dass ein richtiger Grill anwesend war. Ja, ein echter Grill. Dass das Treffen jemals solch kommerzielle Züge annehmen würde, hätte ich zwar niemals für möglich gehalten, nahm es aber hin, weil ich sowieso nichts dagegen unternehmen konnte. Außerdem ist es meiner Meinung nach sowieso ein Fehler, einen richtigen Grill zu einem solchen Treffen mitzubringen (vor allem, wenn er geliehen ist), denn das bedeutet in der Regel, dass man ihn dann auch sauber machen muss, weil man ihn ja wieder mit nach Hause nehmen will. Und dies ist ein Unterfangen, was ich niemals freiwillig in Kauf nehmen würde. Doch das ging mich auch nichts an, denn ich musste bei der Reinigung ja nicht helfen. Und um es vorher schon mal zu sagen: Da musste einiges gereinigt werden.

Das Grillen begann relativ normal. Kohle, Feuer, Spiritus. Die Verwaltung von Letzterem wurde einer Person anvertraut, die ihre Aufgabe eigentlich sehr gut meisterte, wenn auch manchmal etwas zu überhitzt reagierte und dieser Wärme dann mit einem Strahl leicht entflammbarer Flüssigkeit gen Grill freien Lauf ließ.

Doch trotzdem wurden ein paar richtig gute Würste hervor gezaubert. Vor allem die Männerwürste sollen hier noch einmal besonders hervorgehoben werden. Von Hand gewendet und extrem lecker. So sollen Männerwürste schmecken. Besonders die angebrannten Hautreste des Fingers vom Handwender verliehen den Männerwürsten einen unglaublich individuellen Geschmack.

Nach diesem Gaumenschmaus begann erst der eigentliche Teil des Abends. Das Verbrennen von unglaublich viel Zeug. Dazu gehörten normale Sachen wie Kohle, Papier und Pappteller aber auch exotischere Dinge wie Tüten voller Plastikbesteck, Ketchupflaschen und Müll. Außerdem wurden zwischendurch mit Wasser gefüllte Flaschen auf den Grill geworfen und mit Spiritus kombiniert. Diese Kombination verabschiedete sich häufig mit einem lauten Knall und dem Zischen eines sich im Feuer verdampfenden Wasserstrahles. Dies sorgte für mehrere Stunden Spaß und Spannung, denn niemand konnte wissen, wen die explodierenden Wasserflaschen als nächstes treffen würden.

Auch der Spiritus wurde gen Ende nicht mehr einfach nur auf die Flammen gegossen. Eine Sprühflasche wurde herbei geschafft und sorgte somit für mehr Komfort beim am Leben halten des feurigen Zeitvertreibs. Zudem konnte man mit Hilfe dieser Gerätschaft lustige Flammenspiele abhalten.

Doch auch das größte Feuer und die längsten Spielchen gehen einmal zu Ende. Und so erlosch nach Stunden heißer Heiterkeit die Flamme der Fröhlichkeit aufgrund Ermangelung an brennbaren Materialien und so, wie die Flamme sich in ihre rauchige Behausung verkroch, verkrochen sich auch langsam die Teilnehmer des Ausfluges in ihre Zelte und begannen das Ende des Tages.

Der Aufbruch gen Ende

Der nächste Morgen war geprägt von spontanem nichts tun. Lediglich die Zelte wurden in ihre Einzelteile zerlegt. Diese sehr elegant anzuschauende Unternehmung endete nach einer gewissen Zeit erfolgreich und so machte sich die Gruppe von dannen um sich wieder in die Welt dort draußen einzugliedern und das eigentliche Leben im müden Alltag der Vergessenheit wieder aufzunehmen.

Und so trennten sich die Gruppenmitglieder im Laufe des Tages von einander und die Gruppe wurde immer und immer kleiner. Zwar dauerte der Abschied der letzten Teilnehmer sehr lange, da zwischen den einzelnen Abreisen mit langen öffentlichen Verkehrsmitteln eine ebenso lange Zeitspanne lag, doch irgendwann war auch der letzte hinfortgespült von den Wellen des Abschieds und ein Treffen, welches wohl nicht so schnell aus der Vergessenheit der Teilnehmer verschwinden wird, versank in den Tiefen der Einsamkeit.

Und auch für mich war es nun an der Zeit, die Mitglieder der Gruppe zu vergessen und die Erinnerungen an die Ereignisse aufrecht zu erhalten. Und noch wichtiger: Sie der Nachwelt mitzuteilen. Und so entschied sich mein Reporterherz zu einem radikalen Sprung in die Kreativitätswelle und ich surfte mit meinen Fingern über die Tasten meines Laptops um dieses Dokument zu seinem Ende zu geleiten.

Und wie man lesen kann, ist es mir gelungen. Ich beende meinen Text also mit den Worten eines zurückgebliebenen: „Schnudeldödeldideldö.“ Ja. Denkt an die Zurückgebliebenen. Und mit diesem Ausspruch bringe ich diesen Bericht nun wirklich zu einem, wenn auch sehr zum Nachdenken und in sich gehen anregendem Ende.

Ich verabschiede mich gewohnt neutral und möchte schlussendlich darauf hinweisen, dass ich nichts mehr an diesem Bericht hier ändern werde, es sei denn, es handelt sich um Dinge, die noch unbedingt hinzugefügt und erwähnt werden müssen. Oder um Rechtschreibfehler. Alles andere bleibt so wie es ist, denn es spiegelt lediglich die Meinung des Verfassers wider und nicht die der teilgenommenen Teilnehmer.

Mit freundlichen Grüßen.

spa

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