Ein Gedanke über: Stille Örtchen: Eine Kulturgeschichte der Toiletten (Goumand, Arnaud)

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Ich habe mittlerweile mehrmals vernommen, wie Leute anderen Leuten erläutern, dass es eklig sei, Toilettenpapier zu verwenden. Viel besser sei die Benutzung einer Toilette, die einem nach Vollendung der Entdärmung die Verschmutzung mit Wasserstrahlen vom Hintern spült. Stets folgt folgendes Beispiel: »Stell dir vor, du hättest Kot am Mund. Den würdest du ja auch nicht nur mit einem trockenen Taschentuch wegwischen.« Ich halte diesen Vergleich für an den Hinterhaaren herbeigezogen, da die beiden Körperregionen nur wenig miteinander zu tun haben. Der Mund hat einen ganz anderen Stellenwert als der Allerwerteste. Durch die Nähe des Mundes zur Nase würde sich ein Rückstand aus dem Darmgang äußerst unangenehm auf die mich umgebende Geruchsatmosphäre auswirken, was auch meinen Mitmenschen sauer aufstoßen würde. Mundgeruch ist schon nach einem ausgiebigen Knoblauch-Zwiebel-Schmaus penetrant genug – diesen zusätzlich mit einem ausscheidungsbedingten Bremsspurduft zu kombinieren, würde dem öffentlichen Frieden garantiert nicht gefallen. Das Verteilen von Küssen ließe sich mit diesen Düften ebenfalls nicht versüßen. Aber natürlich geht es den Papierablehnenden um die Hygiene. Mit Kot am Mund würde ich kein Essen in mich einführen wollen. Ich möchte die vom Kot ausgehenden Keime nicht in meinem Inneren beheimaten, obwohl sie ja eigentlich von dort stammen. Irgendwie fühlt sich eine Rückeinführung meiner Ausscheidungen kontraproduktiv an. Der Körper wird sich ja etwas dabei gedacht haben, den ganzen Kram aus mir heraus gepresst zu haben. Der macht so einen Radau bestehend aus Druck und Böllerei schließlich nicht aus Jux und Dollerei. Ich muss also zustimmen: Mit Kot am Mund sind besondere hygienische Maßnahmen vonnöten. Aber gilt das dann auch für die Verschmutzung des Hinterteils? Selbst bei kleinen Menschen sitzt die Nase nicht so tief, dass sie Düfte dieser Art wahrnehmen würden. Manche Menschen mögen zwar Küsse in diesem Bereich empfangen oder austeilen, jedoch gehe ich davon aus, dass dabei beiderseits auf entsprechende hygienische Maßnahmen geachtet wird. Und die Lebensmittelaufnahme? Da ich dieser Tätigkeit untenrum nicht nachgehe, kann ich mich auch hier nicht positiv über übertriebene Reinigungstriebe äußern. Ich stelle mir nur die Frage: Angenommen ich würde mir, mangels Lust am Kauen, doch einmal eine Möhre über den Darmtrakt in den Magen legen wollen – würde ich dann wirklich sichergehen, dass die Möhre nicht an einem Haufenrest zwischen meinen Pobacken scheuert? Nein. Schließlich ist der meterlange Darmtrakt alles andere als lupenrein sauber. Warum vor der Tür fegen, wenn der Flur dreckig ist? Fest steht: Mein Hintern steckt in meiner Unterhose, die einen einzigen Zweck erfüllt: Aufhalten, was da unten austritt oder hängen bleibt. Egal aus und an welcher Öffnung. Leichte Schleifspuren nach einer ausgiebigen Ausscheidungstätigkeit kann man ruhig mal für ein paar Stunden mit sich herumtragen, solange man dann zu Hause eine Dusche aufsucht, um dort mit einem Waschlappen die Arschhappen wegzurubbeln. Natürlich ist eine sofortige Wasserreinigung immer hygienischer. Das bestreite ich gar nicht. Ich finde einfach nur den Vergleich scheiße.

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