Ein Gedanke über – Table Fables: A collection of tables for the weary game master (Hale, Madeline)

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Ich überrasche mich gerne selbst beim Schreiben. Texte planen liegt mir nicht. Neulich stand ich zum Beispiel an einer defekten Straßenlaterne und himmelte den finsteren Nachthimmel an, als sich aus heiterem Himmel ein Klatschweib zu mir gesellte und rasch zu tratschen begann. Es sei genervt von seiner Nachbarin, einer Schriftstellerin, die nachts immer mit ihren Notizzetteln raschelt, während sie diese antatschend nach Hinweisen durchforstet, um herauszufinden, wie sie ihren neuen Kommissar-Moormatsch-Krimi fortsetzen soll. Ihr Planungswahn war so ausgeprägt, dass sogar die Nachbarschaft unter ihm litt. Ich schüttelte den Kopf und rüttelte rasend vor Wut an der Laterne, was diese reparierte, wodurch der Nachthimmel hinter dem Laternenlicht verschwand, genau wie das Klatschweib, das ich mir nur ausgedacht hatte, um ein Beispiel für übertriebenes Geplane beim Schreiben zu finden. Seien wir ehrlich: Jeder Mensch darf schreiben, wie er möchte. Es gibt kein richtig oder falsch. Wenn es funktioniert, dann funktioniert es. Das ist selbstverständlich eine extrem langweilige Aussage, jedoch muss man in dieser Welt voller kurzweiliger Kurzvideos und Kurztexte und Kurznachrichten hin und wieder der Langeweile etwas Platz einräumen. Wer nicht gleich dermaßen lange Schritte machen möchte, kann es ja zunächst mit der Weile versuchen, diesem merkwürdigen Gemütszustand, den gut Ding andauernd haben will. Bei meinem erfundenen Beispiel handelte es sich jedenfalls um eine Übertreibung. Gerne hätte ich lediglich zu einer Treibung gegriffen, jedoch wäre das dann die Wahrheit gewesen und mit der Wahrheit lassen sich in der heutigen Zeit keine Literaturpreise gewinnen. Aber ist es nicht überheblich, überhaupt davon auszugehen, jemals einen Literaturpreis überreicht zu bekommen? Oder irgendeinen anderen Preis? Wenn ein Koch während eines Wettbewerbs siegessicher einen Salat zubereitet und währenddessen überheblich Apfelscheiben unterhebt und dabei das Gewicht des Obstes unterschätzt, beziehungsweise seine Muskelkraft überschätzt, schätzt er es sicher gar nicht, wenn er sich beim überheblichen Unterheben einen kaputten Rücken hebt und den Wettbewerb verliert. Und all das nur wegen seiner Überheblichkeit. Ein bisschen Unterheblichkeit würde vielen Menschen hin und wieder gut tun, auch ohne Äpfel und Salat. Man sollte jedenfalls niemals mit einem Preis rechnen, sondern sich lieber vom Erhalt eines solchen überraschen lassen. Man darf auch nicht vergessen: Wenn man mit einem Preis rechnet, stellt dessen Gewinn keine Überraschung dar, sondern eine Unterraschung. Ich gehe da lieber den Mittelweg: Ich rechne nicht mit einem Literaturpreis, aber ich denke, dass ich gut genug schreiben kann, um einen verliehen zu bekommen. Tritt dies eines Tages ein, wäre es somit eine Raschung. Ich hoffe, damit jetzt nicht überheblich sondern heblich zu klingen, also realistisch. Ich will mit all den Worten nur sagen, dass ich mich hin und wieder gerne von mir selbst überraschen lasse. Ich hatte für diesen Gedanken beispielsweise nichts weiter im Kopf als: Überraschung, Unterraschung, Raschung. Dann kam auf einmal das Klatschweib zu mir und der Rest dieser Geschichte besteht aus Schichten spontaner Einfälle.

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