Schulvereinbarung

Dieser Kommentar betrifft die neue Schulvereinbarung meiner Schule. Bei dieser Schulvereinbarung handelt es sich um zwei Seiten, auf denen erklärt wird, zu was sich die Schüler bereit erklären sollen. Klingt jetzt natürlich nicht gerade interessant oder aufregend. Das Problem daran ist ja folgendes:

Auf jeder Schule gibt es diverse Schulvereinbarungen. Einfach bestimmte Dinge, die den Schülern gesagt werden. Diese Dinge betreffen eben so Sachen, wie das Verhalten im Unterricht oder den „Klassenkamaraden“ gegenüber. Schön und gut. Doch auf MEINER Schule wird verlangt, dass die Schüler dieses Zeug auch noch UNTERSCHREIBEN! Das ist ja wohl eindeutig nicht deren ernst! Dadurch sind die Schüler ja theoretisch schon vertraglich gebunden, während dem Unterricht „die Schnauze zu halten und gefälligst erst zu reden, wenn sie vom Lehrer dazu aufgefordert werden“! Ich habe ja schon von vielen Vereinbarungen in Schulen gehört, aber noch nie davon, dass die Schüler diese unterzeichnen sollen!

Der nächste Punkt betrifft die Art und Weise, wie diese Vereinbarungen aufgeschrieben wurden! Es klingt so, als ob wir, die Schüler, die totalen Volltrottel wären! Die Formulierungen lassen erahnen, dass die Lehrer (oder zumindest der Direktor) der Auffassung sind, dass wir keine Ahnung haben, was einigermaßen gutes Benehmen ist und nur primitive Neanderthaler sind, die wild grunzend durch die Gegend laufen und nur eins können: Blödsinn anstellen!

Bevor ich jetzt aber anfange, die einzelnen Punkte dieser Schulvereinbarung zu kommentieren, gebe ich ihnen hier die Möglichkeit, sich die kompletten Dokumente anzusehen und sich selbst davon zu überzeugen, dass meine Schule das ernst meint und ich nichts davon erfunden habe!

Schulvereinbarung

Schulvereinbarung

Kommen wir nun zu den Kommentaren der einzelnen Punkte:

1. Ich bin Teil unserer Schulgemeinschaft und damit für mich selbst und auch für andere verantwortlich

Der erste Punkt ist ja noch ganz akzeptabel. Eigentlich gibt es hier noch nichts dran auszusetzen. Obwohl ich mich, wenn ich mir einige Situationen auf dem Schulhof ansehe (nicht nur Schüler betreffend), fragen muss, wo da genau eine Gemeinschaft zu finden ist.

2. Ich helfe mit, dass wir an unserer Schule freundlich, rücksichtsvoll und hilfsbereit miteinander umgehen. Deshalb sind für mich zum Beispiel „bitte“ und „danke“, „Entschuldigung“ und ein freundlicher Gruß selbstverständlich.

Ich übersetze das jetzt einfach mal wörtlich: Ab jetzt sollen wir, die Schüler, jedem Lehrer, der uns über den Weg läuft, die Hand geben, ihm einen schönen Tag wünschen und sich vielleicht noch nett mit ihm unterhalten.

Ich sags mal so: ich habe nichts dagegen, gegenüber Lehrern nett zu sein. Aber nicht SO! Klar, manchmal grüßt man einen Lehrer wenn man ihn sieht. Warum? Weil man gut mit ihm klar kommt und nichts gegen ihn hat! Und warum sollte man nicht nett zu ihnen sein? Es sind ja auch nur Menschen! Aber es gibt manchmal Lehrer, die man gar nicht kennt oder in einigen Fällen sogar gar nicht mag! Heißt das jetzt, dass wir zu denen auch nett sein sollen? Außerdem sieht man hier wieder mal eine totale Fixierung der Vorschriften… Entschuldigung, der Vereinbarungen auf die Schüler! WIR sollen nett sein, nicht die Lehrer. Es ist mir schon oft passiert, dass ich einen Lehrer gegrüßt habe und er MICH nicht! Ist mir in den meisten Fällen eigentlich egal gewesen. Aber jetzt? Das stellt die Lehrer doch jetzt irgendwie eine Stufe höher! Wir, die untergeordneten Schüler, sollen die großen, ehrwürdigen Lehrer grüßen! Und was ist? Wir haben keine Wahl! Es ist also VORGESCHRIEBEN, dass wir nett sind. Und mir kann jetzt keiner sagen, dass dadurch das Klima zwischen Lehrern und Schülern besser wird! Insgesamt ist diese „Vereinbarung“ also ziemlich sinnlos. Es ist klar, dass einige Schüler netter zu Lehrern sein könnten (ich will mich da auch gar nicht ausschließen) aber auch die Lehrer könnten an einigen Stellen netter sein. Durch diese „Vereinbarung“ ist aber keiner der beiden Seiten geholfen.

3. Ich möchte in der Schule unbeschwert leben und arbeiten.

Daher soll das Verhalten der Mitglieder unserer Schulgemeinschaft von Toleranz und Hilfsbereitschaft geprägt sein.

Ich leiste hierzu meinen Beitrag, indem ich alle meine Mitschüler/-innen und Lehrer/-innen in ihrer Persönlichkeit und auch in ihren Eigenschaften respektiere und bei Konflikten versuche, diese nicht mit Gewalt, sondern in Gesprächen zu lösen.

Es ist ein erklärtes Ziel auch der Lehrerinnen und Lehrer, ihren Beitrag zu einem angstfreien Klima in der Schule zu leisten.

Das ist wohl eine der unglücklichsten Formulierungen, die ich je gehört habe. Erst einmal möchte ich natürlich sagen, dass ich auch gegen Diskriminierung von Schülern/Lehrern bin und gewaltfreie Konflikte von mir ebenfalls bevorzugt werden. Aber diese Sachen SO zu formulieren halte ich für völlig albern. Es klingt wirklich wie in einem Vertrag („Ich verpflichte mich…“). Man kann nicht erwarten, dass ein Schüler so etwas unterzeichnet! Wenn er also angegriffen wird ist er „vertraglich gebunden“ sich nicht mit „Gewalt“, sondern mit Worten zu wehren! Schwachsinn. Und die abschließende Formulierung „Es ist ein erklärtes Ziel auch der Lehrerinnen und Lehrer, ihren Beitrag zu einem angstfreien Klima in der Schule zu leisten.“ klingt aus meiner Sicht wie die anderen davor ebenfalls eher lustig als ernst gemeint.

4. Ich erwarte, dass meine Sachen unbeschädigt bleiben.

Ich achte das Eigentum meiner Mitschüler und Mitschülerinnen ebenso wie das Eigentum der Lehrerschaft und der Schule. Es ist für mich selbstverständlich, gemeinsam mit allen für Ordnung und Sauberkeit von Gegenständen und Räumlichkeiten zu sorgen, damit wir uns in unserer Lernumwelt wohlfühlen.

Natürlich erwartet man, dass die eigenen Sachen unbeschädigt bleiben! Aber ich habe noch nie davon gehört, dass es hilft, wenn alle Schüler so eine Erklärung unterschreiben. Es ist nämlich noch nie vorgekommen, dass so etwas festgelegt wurde! Es ist doch wohl jedem klar, dass man die Sachen von anderen nicht zerstören darf. Wenn sowas rauskommt, musste eigentlich fast immer Schadensersatz oder ähnliches gezahlt werden. Aber dass dieser Punk hier noch einmal erwähnt wird, setzt dem ganzen noch mal ein wenig die Krone auf. Was soll das bitte bringen? Als ob sich irgendjemand, dem es Spaß macht Dinge von anderen zu zerstören, jetzt ganz plötzlich zusammenreißt und Angst bekommt, da er diesen Zattel unterschrieben hat! Zu dem Satzteil „(…) damit wir uns in unserer Lernumwelt wohlfühlen.“ sage ich jetzt wohl besser mal nichts und verkneife mir ein Schmunzeln.

5. Damit ich Freude am eigenen Erfolg haben kann, will ich mich bemühen, meinen Fähigkeiten entsprechend im Unterricht konzentriert mitzuarbeiten, zu lernen und andere nicht zu stören.

Für eine erfolgreiche Mitarbeit ist es wichtig, gemeinsam in der Gruppe zu arbeiten, pünktlich zu sein und Ordnung zu halten.

Und als nächsten rauben wir euch noch die letzten Funken an Menschlichkeit. Wir sollen jetzt also die Schnauze halten, nett sein, pünktlich sein und Ordnung halten. Und warum? Weil es gut für uns ist. Klar. Wenn mein Etui nicht vollkommen aufgeräumt ist, kann ich mich die gesamte Stunde nicht konzentrieren. Und weil ich einmal in einem Halbjahr zu spät zu Mathe gekommen bin habe ich gleich den kompletten Anschluss verpasst und kämpfe um meine Versetzung. Entschuldigung, dass ich jetzt so ironisch werde, aber ich finde diesen Beitrag zum Weltfrieden einfach nur übertrieben und unpassend. Da merkt man doch wieder, dass unser Direktor erreichen möchte, dass wie eine Elite-Schule werden. Und eine Elite-Schule braucht auch Elite-Schüler. Und ich befürchte, dass damit wir gemeint sind. Es klingt so, als ob von uns erwartet wird, die perfekten Schüler zu werden! Wir werden jetzt GEZWUNGEN, uns im Unterricht zu konzentrieren und andere nicht zu stören. Sehr nett. Wenn man also kurzzeitig von einem am Klassenzimmerfenster vorbeifahrenden Müllwagen abgelenkt wird, hat man gleich gegen den Vertrag… ach, die unterschriebene Vereinbarung verstoßen. Na und? Wen interessiert das?

Natürlich ist mir klar, dass man nicht der totale Faulpelz werden darf und man sich natürlich nicht wie der letzte Idiot im Unterricht aufführen sollte, aber so wie das hier in diesen „Vereinbarungen“ formuliert wurde finde ich es einfach vollkommen inakzeptabel.

6. Die Lehrerinnen und Lehrer respektieren ihre Schülerinnen und Schüler in ihrer Persönlichkeit. Sie bemühen sich, ihnen durch geeignete Lernmethoden den Unterrichtsstoff lebendig und zeitgemäß zu vermitteln, die Freude am Lernen zu fördern und so die Voraussetzungen für angemessene Leistungen ihrer Schüler und Schülerinnen sowie deren gerechte Beurteilung zu schaffen.

Der wohl am lächerlichsten formulierte Punkt in diesen Vereinbarungen. Mir ist klar, dass eigentlich kein Lehrer wirklich absichtlich einen Schüler fertig machen will (ja gut, leider gibt es da auch Ausnahmen) aber muss man das in einem so albernen Satz verfrachten? Ich könnte jetzt jeden Satz zitieren um darauf zu verweisen, wie lächerlich das klingt. Wie schon bereits oben erwähnt habe ich eigentlich nichts gegen die Lehrer unserer Schule, aber wenn sie sich wirklich so verhalten würden, wie in diesem Absatz beschrieben wird, würde ich sie glaube ich ziemlich verachten. Die Lernmethoden unterscheiden sich aber glücklicherweise doch von den hier beschriebenen „lebendigen und zeitgemäßen“ Methoden. Aber jetzt mal ernsthaft: Dieser Abschnitt hier ist doch wohl ziemlich übertrieben geraten! Diese Formulierung ist nicht nur schlecht sondern auch noch sehr unglücklich. Wenn das jetzt ernsthaft rüberkommen sollte muss ich die Verfasser enttäuschen. Dieser Text eignet sich eher als Sketch als eine ernsthafte „Vereinbarung“.

7. Die Eltern unterstützen in enger Zusammenarbeit mit den Lehrern die Schülerinnen und Schüler beim Lernen und bei der Gestaltung des Schullebens.

Ich finde es eigentlich selbstverständlich, dass die Eltern einen ein wenig in der Schullaufbahn unterstützen. Aber durch diese „Vereinbarung“ werden sie ja indirekt schon wieder dazu VERPFLICHTET! Also ebenfalls wieder ein ziemlich sinnloser Beitrag.

Am Ende der „Schulvereinbarung“ soll nun also der Schüler unterschreiben. Das ist das bescheuertste, dass ich je gehört habe. Ich habe zum Beispiel nicht mitbekommen, dass wir Schüler gefragt wurden, ob wir zu den Vereinbarungen noch etwas zu sagen hätten, bevor sie dann schließlich auf uns losgelassen wurden. Über die Überschrift „Damit wir besser gemeinsam lernen“ kann ich nur wieder erheitert grinsen. Durch eine Unterschrift verpflichtet sich der Schüler also theoretisch, dass er sich an alle diese Punkte der Vereinbarung hält. Ich weiß nur eins: ich werde diese Vereinbarung NICHT unterschreiben. Und ich werde mich auch nicht dazu überreden lassen. Und wenn man die Schüler dazu zwingen will, gehe ich dagegen an. Ich weiß, dass viele der Schüler in diesem Fall genauso denken, wie ich. Wir sind also gespannt, wie das alles noch ausgehen soll. Aber alles kann man mit uns, den Schülern, nicht machen!

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