Fantasy Filmfest 2009 – Tag 3

Tag 3 – Vorspann

Oh je. Ab morgen mache ich definitiv ein paar Dehnübungen vor und nach dem Kinobesuch. Der heutige Morgen war etwas anstrengend und nach jedem Film wurde es schlimmer. Also nicht wirklich „schlimm“. Aber dennoch ist gemütlich etwas anderes. Vielleicht sollte ich den Veranstaltern einfach vorschlagen, WiiFit im Kinosaal zu installieren und nach / zwischen den Filmen ein paar „Work-Outs“ zu veranstalten. Das käme sicherlich total super bei den Festivalgästen an. Wenn ich mir das bildlich vorstelle, muss ich übrigens aufgrund einiger Gäste wirklich schmunzeln. Egal. Themawechsel.

Nach einer weiteren Brettspielrunde („Dominion“ ist schon toll) wurde dann aber auch heute der Kinotag in guter Laune angegangen. Wieder einmal erwarteten mich vier Filme, die ich nicht verpassen wollte.

Film 7: The Sniper

Fantasy Filmfest 2009 - The Sniper

„The Sniper“ präsentiert eine Geschichte voller Rache, Eifersucht, Neid und dem Drang, sich beweisen zu müssen. Nach einem fehlgeschlagenen Einsatz wird ein Scharfschütze zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Er gibt seinen Kollegen die Schuld daran und nachdem er wieder auf freiem Fuß ist, möchte er sich am gesamten Team Rächen.

Die Geschichte ist im Grunde nichts neues, interessant wird sie aber trotzdem, da sie im recht außergewöhnlichen Szenario einer Scharfschützenspezialeinheit spielt. Somit gibt es auch keine großen Ballerduelle. Wenn sich hier jemand gegenübersteht, dann kann man sich mit bloßem Auge vermutlich gar nicht sehen. Vor allem das großartige Finale hat mir sehr gefallen, da man so etwas nur selten zu sehen bekommt.

Leider ist es bis dahin ein recht langer Weg, der meiner Meinung nach ruhig zehn Minuten kürzer hätte ausfallen können. Hier und da zogen sich ein paar Szenen dann doch etwas zu sehr in die Länge und mehr Tempo hätte dem Film bestimmt gut getan.

Dennoch ist „Sniper“ ein Actionthriller, der in einer frischen Umgebung angesiedelt ist und darum von Genrefans ruhig einmal angesehen werden sollte.

Film 8: Dread

Fantasy Filmfest 2009 - Dread

Drei Studenten möchten eine Studie über Angst durchführen. Dafür befragen sie andere Studenten zu diesem Thema und filmen sie dabei. Doch die ersten Ergebnisse sind recht langweilig und unbefriedigend. Gleichzeitig übt die direkte Konfrontation mit Menschen und deren Ängsten jedoch einen gewissen Reiz auf die Gruppe aus.

Bei Dread handelt es sich um die Verfilmung einer Clive Barker Geschichte, die für mich leider nicht so richtig in Fahrt kam. Es wurde zu viel geredet und zwar zu oberflächlich. Vielleicht war es auch schwer, die Gedankengänge eines ängstlichen Menschen in Filmform umzusetzen und im Buch kam das alles besser rüber (ich habe es nicht gelesen), doch sollte man sich sowas überlegen, bevor man einen Film zu diesem Thema dreht.

Dafür hat mir der Schluss dann wieder sehr gut gefallen, da er viel düsterer ist, als man zu Beginn erwartet hätte. Hier spielt der Film auch seinen größten Trumpf aus: Er zeigt, zu was ein Mensch in der Lage ist, wenn er WIRKLICH Angst hat. Leider rettet das den Film nicht über den Durchschnittlichen Eindruck hinweg, den er ansonsten hinterlassen hat.

Film 9: Bathory

Fantasy Filmfest 2009 - Bathory

Ich gebe es zu: Der Film hat mich eigentlich gar nicht interessiert. Ich hatte die Wahl zwischen zwei Filmen, die mich thematisch nicht ansprachen, als Dauerkartenbesitzer wollte ich jedoch so wenige Filme wie möglich auslassen. Also entschied ich mich für „Bathory“, da mich die Geschichte der Gräfin, die im Blut ihrer Dienerinnen badete, um sich so jung zu halten, dann doch eher ansprach als die Alternative.

Da es sich hier um eine „wahre Begebenheit“ handelt (die Gräfin gab es wirklich, die Geschichte mit ihren Dienerinnen ist die gleiche Angelegenheit wie die Geschichten um den Grafen „Dracula“), sollte man hier keine Geister-, Hexen- oder Dämonengeschichte erwarten. Der Film bleibt nämlich durchgängig realistisch und schiebt zum Beispiel Visionen oder andere mystische Elemente auf Drogenkonsum und ähnliches.

Viel eher beschäftigt sich der Film damit, wie dieses schreckliche Gerücht über die Gräfin überhaupt entstehen konnte. Tötete sie wirklich ihre Dienerinnen, um in ihrem Blut zu baden? Oder hat dies lediglich jemand erfunden, um ihrem Ruf zu schaden? Diesen Fragen widmet sich der Film und liefert hier ein fast dokumentarisches Werk ab, dass einen zum Schluss darüber nachdenken lässt, wie Gerüchte entstehen können, wer von ihnen profitiert und dass man nicht immer alles glauben sollte, was einem so erzählt wird.

Der Film geht über zwei Stunden, hat mich aber keine Minute gelangweilt (und ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet). Er erzählt ruhig seine Geschichte, nimmt sich Zeit, um alle Charaktere zu beleuchten, widmet sich dem kompletten Leben der Gräfin und umfasst so viele Jahrzehnte einer Epoche, in der Frauen noch als Hexen verbrannt wurden und man mit großen Problemen zu rechnet hatte, wenn der eigene Ruf erst einmal ruiniert war.

Für ein wenig Auflockerung zwischen all den düsteren Geschichten sorgen zwei sehr kreative Mönche, die als Spione der Kirche nach dem Rechten sehen sollen und mit ihren wissenschaftlichen Kreationen für einige Lacher im Saal gesorgt haben. Es war schön, dass nicht alles bierernst präsentiert wurde, sondern auch mal gelacht werden durfte. Dies rundete den guten Eindruck, den der Film bei mir (wider Erwarten) hinterlassen hat, perfekt ab. Keine leichte Kost, wer sich aber darauf einlassen kann und will, wird nicht enttäuscht.

Nicht auf den Film eingelassen haben sich übrigens zwei Herren, die nach etwa 15 Minuten den Saal kopfschüttelnd verließen und kurz vor dem Ausgang noch einmal stehen blieben, um der Leinwand den Mittelfinger zu zeigen. Recht so. Blöde Leinwand. Zeigst einfach einen Film, der unseren beiden Spaßgesellen nicht gefiel. Unerhört. Gut, dass es noch Menschen auf der Welt gibt die nicht davor scheuen, ihre anspruchsvolle Meinung direkt in die Welt zu schreien. Oder besser zu zeigen.

Film 10: Lesbian Vampire Killers

Fantasy Filmfest 2009 - Lesbian Vampire Killers

Muss ich erwähnen, dass der Raum brechend voll war? Es war schwer, noch einen Sitzplatz zu bekommen und eigentlich muss man sich darüber auch nicht wundern. Schließlich ist man für Filme dieser Art auf dem Festival.

Zu Beginn gab es zunächst eine kleine Ansage, in der die Rednerin grinsend noch einmal darauf hinwies, dass parallel zu diesem gerade ein sehr anspruchsvoller Film im anderen Kinosaal lief. Dass diese Äußerung ignoriert wurde, war natürlich offensichtlich. Und so ließ man die primitive Meute zurück und startete den Film.

Im Mittelalter gab es eine große Vampirin, die mit ihren weiblichen Gehilfinnen die Welt unterdrücken wollte. Gestellt wurde sie von einem edlen Ritter der von ihr jedoch, kurz bevor er sie niederstrecken konnte, mit einem Fluch belegt wurde. Viele Jahre später (Gegenwart) kommt die Dame wieder zurück. Und nur ein über viele Generationen mit dem ehemaligen Ritter verwandter „Held“, der von nichts eine Ahnung hat und eigentlich nur einen Urlaub mit seinem Bierverliebten Kumpel verbringen wollte, kann die Welt vor der lesbischen Vampirbedrohung retten.

Natürlich ist die Geschichte dumm. Aber wer beschwert sich bitte ernsthaft darüber? Ich hatte einen miesen Trashfilm erwartet, bekam aber etwas völlig anderes geboten: Eine gut gemachte Komödie im Stile eines „Shaun of the dead“ oder „Hot Fuzz“. Es gibt kaum Splatterszenen und wenn es einmal zur Sache geht, dann haben die Vampirdamen lediglich weißes Schleimblut vorzuweisen.

Doch darum geht es dem Film auch gar nicht. Er möchte seine Geschichte erzählen, die natürlich primitiv daherkommt und dessen Witze zum Großteil auf Biertrinken, Sex und einem Penisschwert beruhen, dabei sind die Charaktere, die Inszenierung und die Atmosphäre aber so sympathisch, dass man da problemlos drüber weg sehen kann.

Ich bin der Meinung, dass der Film auf einem Festival dieser Art noch am besten funktioniert. Ich weiß nicht, ob man eine ähnliche Stimmung allein oder in kleiner Runde vor dem Fernseher rekonstruieren kann. Ich bezeichne „Lesbian Vampire Killers“ als den perfekten Festivalfilm, denn er schien fast den kompletten Saal zu begeistern und verbreitete eine ungemein positive Stimmung.

Wenn man also keine Splatterorgie erwartet und auch mal über etwas primitive Witze lachen kann (die aber immer noch sympathisch und nicht so stumpf wie zum Beispiel in „Scary Movie 2“ daher kommen) und ein Freund von „Shaun of the dead“ und ähnlichem ist, kommt man um diesen Film nicht herum. Nur alleine sollte man ihn nicht sehen. Und vor allem nicht mit Kampflesben, die sich ständig über das Bild der Frauen in Filmen dieser Art aufregen. Die dürften nämlich durchgängig am Meckern sein. Was aber vielleicht auch ganz spaßig sein könnte.

Tag 3 – Abspann

3 Tage vorbei, 10 Filme gesehen. Wenn ich mir den morgigen Festivalplan ansehe, werden wohl fünf Filme auf mich zukommen. Die erste Vorstellung lasse ich zwar aus, dafür interessiert mich die Nachtvorstellung ungemein. Hoffentlich klappt dann auch alles mit der Rückfahrt.

Aber die morgige Rückfahrt stellt das kleinste Problem dar. Eher sollte ich mal wieder über meine Ernährung nachdenken. Die letzten zwei Tage sahen so aus: Morgens zwei Brötchen, im Kino dann drei Brezeln und nachts zu Hause eine Suppe. Morgen muss ich unbedingt mal wieder etwas Größeres essen. Und wenn das bedeutet, eine Fast-Food-Kette aufzusuchen, dann nehme ich das gerne in Kauf. Mein Magen wird sich sicherlich freuen, mal wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Also im übertragenen Sinne. Oh je. Ich muss ins Bett.

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