Fantasy Filmfest 2007 – Tag 8

Es mag hart sein, aber ich muss es wohl oder übel akzeptieren: Das Filmfest ist vorüber. Nach acht (genialen) Tagen und einem gewonnenen Mauspad war es das erst mal wieder. Ich habe in 8 Tagen mehr Filme gesehen (35 Stück) als einige in einem Jahr (oder acht). Damit bin ich zufrieden. Wer näheres zum Mauspad wissen möchte, sollte nach den Filmbesprechungen weiterlesen. Auf zu den Filmen:

Film 31 – Live!

Fantasy Filmfest 2007 - Live!

Im Kampf und Quoten müssen die Fernsehchefs sich immer interessantere und ausgefallenere Konzepte einfallen lassen. Eine dieser Ideen dreht sich um eine Liveausstrahlung eines russischen Roulettes. Der wer meldet sich freiwillig als Kandidat einer Sendung, in der er eventuell sterben könnte? Wie sich schnell herausstellt: Wenn der Preis stimmt, nicht gerade wenige.

Ein großartiger Film. Hier wird die heutige Medienpolitik sehr realistisch dargestellt. Zwar ist das Konzept der Sendung letztendlich natürlich sehr kontrovers, doch genau um dieses Thema dreht es sich ja im Film. Würde in der heutigen von mediengeilheit verseuchten Welt eine solche Sendung wirklich zustande kommen? Der Film zeigt: Unrealistisch ist es nicht.

Mir hat auch der Stil des Films gefallen. Denn der gesamte Film wird sozusagen aus der Sicht eines Kamerateams gezeigt, die eine Dokumentation über die Abläufe eines Fernsehsenders drehen. Dadurch wird der Zuschauer sozusagen mit in das Geschehen hineingezogen, da manchmal direkt in die Kamera geschaut und geredet wird. Das hat mir gefallen.

Sehr gut war dann letztendlich auch die finale Sendung. Natürlich wird die Idee irgendwann umgesetzt und im letzten Teil des Films ist man dann ebenfalls „Live dabei“ und betrachtet sich die Sendung. Ich habe richtig mitgefiebert. Welcher der Kandidaten (die vorher alle in kleinen Videos vorgestellt werden (siehe Popstars und ähnliche Sendungen)) muss als erster Schießen? Wer überlebt? Und vor allem: Wer stirbt? Wie krank das ganze ist erfährt man hier am eigenen Leibe.

Am Ende des Films ist man dann doch etwas nachdenklich geworden. Würde sowas heutzutage wirklich möglich sein? Und: Würde man es sich ansehen? Diese Fragen kann man selber nicht beantworten, wenn man aber die Entwicklung der aktuellen Medien beobachtet, in denen es immer verrückter und manchmal auch brutaler zur Sache geht, kann man sich schon fast sicher sein, dass es immer schlimmer werden wird. Und vielleicht kann man dann wirklich einmal eine Sendung wie in „Live!“ sehen. Ich hoffe es nicht. Aber ich hoffe, dass sich viele Leute diesen Film ansehen werden. Denn er war ser gut.

Film 32 – To Sir, with Love

Fantasy Filmfest 2007 - To Sir, with Love

Nach vielen Jahren hält eine Lehrerin ein Klassentreffen ab und lädt alle ehemaligen Schüler von sich ein. Die Kinder sind mittlerweile zu Erwachsenen herangereift. Doch wie sie sich so zusammensetzen stellt sich am Ende heraus, dass jeder negative Erfahrungen mit der Lehrerin gemacht hat, die das Leben der Schüler geprägt und sie zu Versagern gemacht hat. Dass einige dadurch nicht sehr positiv auf die Lehrerin zu sprechen sind ist klar. Doch dann verschwinden plötzlich einige Mitglieder der Gruppe und es stellt sich heraus, dass eine Person im Haus seine Aggressionen nicht wirklich kontrollieren kann.

Ich sage es gleich: Wäre der Film fünf oder zehn Minuten kürzer gewesen hätte ich ihn deutlich besser gewesen. Dann wäre er nämlich nur ein durchschnittlicher Film geblieben. So ist er aber ein durchschnittlicher Film mit einem dummen Ende. Und sowas kann ich nicht leiden. Den ganzen Film über fühlte ich mich gut unterhalten. Es gab ein paar sehr brutale Morde aber auch die Charaktere waren recht interessant. Jeder hatte seine Probleme und irgendwie hingen alle durch die Lehrerin zusammen.

Doch leider kam dann dieses Ende. Ich habe mich leicht verarscht gefühlt, was ich hier aber nicht weiter erklären möchte. Wer den Film sieht, wird das vermutlich nachvollziehen können und sich die gleichen Fragen stellen wie ich (Was war das eigentlich für ein Junge??). Was bleibt also? Ein durchschnittlicher Film, der in meiner Bewertung durch den bescheuerten Schluss (sollte überraschen. Das ist gelungen) unter den Durchschnitt rutschte. Schade drum.

Film 33 – Yo-Yo-Girl Cop

Fantasy Filmfest 2007 - Yo-Yo-Girl Cop

An einer Schule werden immer mehr Gerüchte über Bombenattentate verbreitet. Eine Schülerin wurde bereits in die Luft gesprengt. Und auf einer mysteriösen Internetseite, die sich auch mit dem Bombenbau beschäftigt, läuft ein geheimnisvoller Countdown. Um den ganzen Fragen auf den Grund zu gehen, wird ein junges Mädchen von der Polizei in die Schule geschickt. Bewaffnet mit einem Jo-Jo kämpft sie nun gegen die Bombenbauer.

Ja. „Bewaffnet mit einem Jo-Jo“. Muss ich mehr sagen? Die Geschichte von Yo-Yo-Girl war abgedreht und leicht sinnlos. Aber genau darum wollte ich den Film ja sehen. Denn inhaltlich klang das alles sehr nach einem abgedrehten Freakfilm. Viele dumme Witze, übertriebene Charaktere und all das andere Zeug, was man eben so erwartet, wenn man von Filmen dieser Art spricht.

Leider wurde alles, was ich da oben angesprochen habe, vollkommen ignoriert. Der Film war sogar extrem ernst. Die ersten… vier Fünftel oder so waren wie in einem Kriminalfilm. Es war zwar schon alles ein wenig abgedreht, aber nicht so, dass man lachend vor Kopfschmerzen auf dem Boden lag. Alles war dunkel, keiner hatte Spaß und alle waren irgendwie normal. Das hat mich sehr, sehr enttäuscht. Ich musste immer an Filme wie „Sukeban Boy“ oder auch „Cutie Honey“ denken, die alleine durch die Optik und die Charaktere amüsieren konnten (wobei ersterer dann doch irgendwie beschissen war. Aber von der Optik eben sehr komisch). Sowas gab es hier leider nicht.

Lediglich das letzte Fünftel war grandios. Das meine ich dann aber auch wirklich. Latexmädchen kloppen sich mit Jo-Jos, Haarenthüllungen, Explosionen und so weiter. Alles, was ich von dem Film erwartet hatte erschien plötzlich am Ende. Und ich war traurig, dass man sich diese tollen Szenen lediglich für den Schluss aufgehoben hat. Ein wenig ernste Geschichte drumherum muss schon sein, aber man hätte das alles locker mit ein paar lustigen / übertriebenen Kampfszenen auflockern können. Das hätte den zähflüssigen Brei, den man stattdessen vorgesetzt bekam eindeutig verflüssigt.

Aber seis drum. Man kann es ja leider nicht ändern. Wer auf die Geschichte pfeift, kann sich die letzte viertel Stunde ansehen. So hätte man ihn auch in den „Shocking Shorts“ bringen können. Es hätte einen großen Applaus gegeben. Die Geschichte konnte man eigentlich eh ignorieren. Wer fragt schon nach den Gründen, wenn sich Schulmädchen mit Jo-Jos kloppen? Egal. Ich schwärme wieder vom Ende und vergesse den schlechten Anfang. Freunde solcher Filme können einen Blick riskieren. Aber nicht einschlafen. Oder zumindest den Wecker auf „kurz vor Filmende“ stellen. Da lohnt er sich wenigstens.

Film 34 – Shadowboxer

Fantasy Filmfest 2007 - Shadowboxer

Zwei Profikiller (Rose und Mikey, die beide ein sehr interessantes Paar abgeben) bekommen einen eigentlich für sie normalen Auftrag: Sie sollen eine Frau töten. Es klappt auch alles bestens. Bis auf den Punkt „die Frau töten“. Denn diese bekommt mal ganz spontan ein Kind. Rose bringt es nicht über Herz, die beiden zu erschießen, da sie selbst an Krebs leidet und wohl bald sterben muss. Und so nimmt sie die Frau und das Kind mit. Zum Leid von Mikey, der sich jetzt mit den beiden herumschlagen muss.

Es ist schwer, den Film in kurzen Sätzen zu beschreiben, da einfach sehr viel passiert, was aber im voraus nicht verraten werden sollte, um die Überraschungen nicht zu vernichten. Nur so viel sei gesagt: Es gibt einige Wendungen in der Geschichte, mit denen man als Zuschauer wohl nicht gerechnet hätte. Es macht viel Spaß, dem Film zu folgen und man fragt sich immer, was wohl als nächstes passieren würde.

Die Charaktere im Film sind alle grandios umgesetzt. Die Darsteller liefern eine grandiose Leistung ab und dadurch geht die Atmosphäre des Films und die Glaubwürdigkeit der Charaktere niemals verloren. Doch auch die bereits angesprochene Geschichte ist toll gemacht.

Neben diesen Punkten besitzt der Film auch eine recht große Härte. Einmal sind da die Szenen, in denen Mikey seinem Beruf als Killer nachgeht. Er ist in diesen Momentan eine gefühllose Maschine und macht nur das, was man ihm aufträgt. Doch auch neben diesen Szenen ist der Film sehr düster und dreckig gehalten. Es gibt nur wenige Momente, in denen es glücklich und entspannt zur Sache geht.

Durch gerade diese Härte hat mich Shadowboxer so fasziniert. Es ist schade, dass der Film in Deutschland nicht auf DVD erscheint (er ist immerhin aus dem Jahre 2005). Aber ein Import steht für mich schon fast fest. Der Film war wirklich ein Highlight am heutigen Tag. Großartige Geschichte, tolle Atmosphäre und grandiose Charaktere. Ich wiederhole mich? Tut mir leid. Ich bin eben begeistert. Wenn möglich, sollte man sich den Film unbedingt ansehen!

Film 35 – Unrest

Fantasy Filmfest 2007 - Unrest

Die gerade in der Pathologie eingetroffene Medizinstudentin Allison hat ein Problem: Beim Anblick der ersten Leiche wird sie gleich ohnmächtig. Denn sie fühlt etwas. Es scheint so, als könne sie mit der Seele der toten Frau in Kontakt treten. Doch das ist nicht alles. Denn die Seele findet keine Ruhe und tötet jeden, der mit der Leiche in Kontakt gekommen ist. Da dies auch auf Allison und ihre Studentenkollegen zutrifft macht sie sich sogleich daran, das Rätsel um die Frau zu lösen.

Ich hatte vom Film lediglich das Plakat gesehen und deswegen etwas anderes erwartet. Ich hatte mit einem Geisterfilm gerechnet wie „The Ring“ oder „The Grudge“. Also wieder einmal diese rumkriechenden bleichen Frauen mit langen schwarzen Haaren, die einem das Leben schwer machen. Aber genau das ist Unrest nicht.

Er ist eher ein recht ruhiger Geisterthriller (oder wie auch immer man das nennen soll). Das heißt, dass die „Ermittlungen“ und die Geschichte der toten Frau eher im Mittelpunkt stehen. Es gibt auch ein paar Gruselszenen, die habe ich aber nicht als wirklich spannend empfunden. Man hat zwar mitgefiebert aber gegruselt oder gar erschrocken habe ich mich kein einziges mal.

Das war aber auch glaube ich nicht das Ziel des Film. Was er eher wollte war, eine beklemmende Atmosphäre schaffen. Und das hat er meistens auch geschafft, was vor allem an den vielen Leichen und den engen Räumen in der Pathologie lag. Auf so engem Raum mit einem Haufen Leichen zusammenzuleben stelle ich mir nicht gerade angenehm vor. Und dieses Gefühl hat der Film auch gut vermitteln können.

Doch leider gab es auch ein paar schlechte Momente. So habe ich einige Aktionen der Charaktere nicht nachvollziehen können und genauso glaube ich nicht, dass echte Medizinstudenten so gehandelt hätten. Außerdem blieben am Ende ein paar Fragen offen, die eigentlich leicht hätten geklärt werden können.

Egal. Unrest bot recht durchschnittliche Kost, die das ganze Thema mit den umherwandelnden und mordenden Seelen aber mal auf eine recht neue, andere und erfrischende Art rübergebracht hat. Kann man sehen.

Das wars dann wohl. Das Festival ist beendet. 35 Filme in 8 Tagen, macht im Durchschnitt 4 Filme am Tag (und ein bisschen mehr). Eine schöne Ausbeute. Da ich mich aber von Jahr zu Jahr mit der Filmanzahl steigern wollte, werde ich nächstes Jahr wirklich was zu tun (oder besser zu gucken) haben. Egal. Die acht Tage gingen schnell rum.

Ich wollte noch was zu dem Mauspad sagen. Wie so oft, gab es auch heute wieder ein Gewinnspiel. Und ich konnte es nicht fassen: Es gab eine Godzilla Frage. Man konnte eine DVD Box mit Godzillafilmen gewinnen. Die Frage hatte ich auch beantworten können. Aber zeitglich mit einem anderen Besucher. Also sollten wir beide nach vorne gehen und eine Stechfrage beantworten. Und was war das für eine Frage? Ich habe fast jeden Godzilla Film auf DVD zu Hause. Gesehen haben dürfte ich alle. Ich kenne die Monster. Ich habe sogar ein dummes Buch über Godzilla. Und was für eine Frage wird gestellt? „Wer komponierte den Soundtrack zum Godzilla Film 1998?“ Toll. Eine Musikfrage. Bei Komponist denkt man ja auch immer an Leute wie „Danny Elfman“ oder ähnliche Leute. Aber nein. Ich musste an diesen Rapper denken, der „Come with me“ geschrieben hatte. Und richtig. Mein Gegenüber sagte Puff Daddy und gewann. Dumm gelaufen. Aber andererseits: Ich habe die Filme ja bereits alle gehabt, die da in der Box waren und so wäre diese lediglich eine nette Deko gewesen. Somit war ich nicht enttäuscht. Als „Trostpreis“ habe ich ein Mauspad bekommen. Von Land of the Dead glaube ich. Fand ich cool. Auch wenn ich es wohl nicht benutzen werde, weil ich ein tolleres Pad zum Geburtstag bekommen habe.

Egal. Ich habe was gewonnen und das zählt. War ein schöner Abschluss für das Festival. Wobei ich Unrest als Abschluss dann doch etwas mau fand. Egal. Die Tage schreibe ich noch einen etwas ausführlicheren Text über das Festival. Mit ein paar Highlights und so weiter. Also seit gespannt. Das wars erst mal vom Festival. Ab jetzt gehts vielleicht wieder mehr um mein Leben außerhalb des Kinosaals. Wobei. Vielleicht gehe ich morgen in Transformers. Den will ich auch noch sehen. Vielleicht gilt meine Dauerkarte ja noch.

Bis denn (vielleicht morgen, vielleicht auch nicht).

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