
Ich hatte nie, wie man so schön sagt, einen grünen Daumen. Mir ist mal ein Kaktus geplatzt. Dabei wurde mir immer gesagt, dass die Dinger unverwüstlich seien. „Kauf dir doch nen Kaktus, der braucht nichts.“ Von wegen! Was bedeutet es eigentlich für eine Pflanze, die ich mit der Wüste in Verbindung bringe, unverwüstlich zu sein? Tja. Sind wohl doch verwüstlich. War wohl eher eine Kombination aus brauner Daumen und Kacktus. Was für eine wüste Beschimpfung.
Trotz meiner bräunlichen Daumenfarbe wollte ich immer gerne Pflanzen im Haus haben. Irgendwie sind sie ja doch ganz hübsch. Blumen meine ich damit natürlich nicht. Die kann ich nicht leiden. Aber so Pflanzen? So Gebüschzeug? So Blättergedöns? Cool!
Zunächst spielte ich mit dem Gedanken, mich zum Gärtner ausbilden zu lassen, um die immensen Wissenslücken schließen zu lassen. Jedoch überlegte ich es mir schnell anders, schließlich wollte ich weder immer der Mörder sein noch andauernd das Ziel dieses dummen Witzes werden. Hin und wieder Mörder sein, reicht mir vollkommen aus. Zum Beispiel wenn es um die Ameisen geht, die sich vor Kurzem die fixe Idee in den Kopf gesetzt hatten, direkt unter der Terrassentür ihre Zelte aufzuschlagen, weshalb ich zum Gartenschlauch griff und die Erde wegflutete, in die sie ihre Heringe gesteckt hatten. Da war ich tatsächlich ein Mörder. Aber ansonsten meistens eher nicht so oft. Also keine Ausbildung zum Gärtner. Mein brauner Daumen schloss auch die Alternative Urologe aus. Die mich aufsuchenden Menschen mit einem braunen Daumen zu begrüßen, würde vermutlich Zweifel an den Hygienestandards in meiner Praxis aufkommen lassen. Was jetzt ein Urologe in einem Text über Pflanzen zu suchen hat, weiß ich auch nicht, aber ich war letztens beim Urologen und der hatte einen gigantischen Daumen auf seinem Schreibtisch stehen, an den ich heute noch denken muss.

Ich beschloss jedenfalls, mich nicht unter die Professionellen zu begeben, sondern ins Internet. Dort informierte ich mich über Pflanzen. Etwas, das die Luft filtert. Etwas gegen trockene Augen. Und so weiter und so weiter. Ich kaufte zwei Pflanzen: Eine grüne und eine rote. Ja, exakt das waren meine Auswahlkriterien: Die Farben der Blätter. Sahen hübsch aus auf den Fotos der Gärtnerei. Alles andere war irrelevant. Beispielsweise stand unter jeder Pflanze auf der Internetseite „pflegeleicht“, jedoch habe ich bisher noch nie eine Pflanze gesehen, unter der „pflegeschwer“ steht. Wenn eine pflegebedürftige Person stürzt, ist das dann ein Pflegefallfall? Entschuldigung. Jedenfalls bestellte ich zwei Pflanzen und wartete.
Wenige Tage nach meiner Bestellung stellte ich erfreut fest, dass mein Postbote nicht gefallen war und mir die Pflanzen ordentlich vor die Tür gestellt hatte. Ich steckte die Dinger in extra für sie gekaufte Töpfe voller extra für sie gekaufter Erde und stellte das Ganze anschließend auf ein nicht extra für sie gekauftes Regalbrett, das über meinem Schreibtisch auf nicht extra dafür gekauften Ständern für Boxen liegt.
Kurz zu den Boxenständern: Vor etwas über einem Jahr hatte sich meine Frau Ständer für ihre PC-Boxen gekauft. Sie wollte den Schreibtisch etwas leerer haben. Die Ständer konnte man am Schreibtisch befestigen und dadurch die Boxen platzsparend über den Bildschirmen platzieren. Total praktisch. Wenn man daran denkt, die Dinger auszumessen. Als sie ankamen, stellte sich heraus, dass die Plattformen, auf denen man die Boxen abstellen konnte, groß genug waren, um, wenn ich an dieser Stelle mal ein wenig übertreiben darf, einen Helikopter auf ihnen zu landen. Bei den nur wenige Zentimeter breiten Boxen ergab das einen äußerst erheiternden Anblick. Die Boxen stehen bei meiner Frau seitdem wieder neben den Bildschirmen auf dem Schreibtisch. Dafür habe ich die Ständer jetzt bei mir am Tisch angebracht. Einen links, einen rechts. Und auf ihnen liegt ein großes Brett, auf dem nun die Pflanzen stehen.

Kurz zum Brett: Das Brett hatten wir uns vor einigen Jahren gekauft, um es an einer Wand in unserer alten Wohnung anzubringen. Wir wollten dort Zeug drauf stellen, wie man es eben so macht, wenn man sich Bretter an die Wand hängt. Was wir leider überlesen hatten: Um das Brett an der Wand anzubringen, waren, wenn ich an dieser Stelle mal ein wenig übertreiben darf, etwa 136 Schrauben nötig. Das Brett war so ein Ding, das man ohne Winkel an Wänden anbringen konnte. Für visuelle Feinschmecker, die Winkel hassen. Coole Sache. Aber ich hatte einfach keine Lust, unsere Wände durch 136 Bohrungen in einen Zustand des baldigen Einstürzens zu versetzen. Das Brett landete im Keller, dann in der Garage und jetzt liegt es eben über meinem Schreibtisch auf Ständern für PC-Boxen.

Zurück zu den Pflanzen: Es sind mittlerweile fünfzehn Monate vergangen und sie leben noch. Das alleine ist bereits eine Sensation. Aber es geht noch weiter: Aus der einen grünen Pflanze sind vier geworden und aus der einen roten zwei. Das freut mich sehr. Das Brett über meinen Bildschirmen ist mit vier Pflanzen voll, weshalb wir die zwei übrigen ins Schlafzimmer gestellt haben. Ja, genau, ich habe nicht nur Pflanzen gekauft, sondern ihre Menge auch noch verdreifacht. Und jetzt stehen sie an unterschiedlichen Orten! Die Natur breitet sich aus! Durch mein Zutun!
Vielleicht wird mein Daumen ja doch langsam grün. Ich weiß es nicht. Meinen Urologen interessierte meine Daumenfarbe jedenfalls überhaupt nicht. Der Daumen auf seinem Schreibtisch ist schwarz. Als ich ihn sah, musste ich mir ein Lachen verkneifen. Und ich war ganz froh, als er nach der Begrüßung kurz den Raum verlassen musste, um etwas zu erledigen. Schnell griff ich zur Handykamera und schoss ein Foto des Daumens. Das ist das Gute daran, immer eine Kamera einstecken zu haben: Man kann Dinge dieser Art festhalten.
Wobei das zumindest bei mir keine Besonderheit ist. Meine erste Digitalkamera bekam ich um das Jahr 2002 herum. Ich trug sie seitdem immer am Gürtel mit mir herum, was der Grund ist, warum ich diese Seite immer so gut mit bebilderten Inhalten füllen konnte. Ein bisschen vermisse ich ja die Kamera am Gürtel, aber seien wir ehrlich: Das ist reine Nostalgie. Handykameras sind total gut und bequem. Und die Qualität der Bilder ist mittlerweile auch deutlich besser geworden.
Wie auch immer. Heute stand ich im Garten in der Sonne, topfte meine Pflanzen um, umgab sie mit neuer Erde und erfreute mich an dem Umstand, dass es ihnen gut ging.

Dann schoss ich mit meiner Handykamera ein Foto von ihnen und suchte anschließend für diesen Text die anderen Fotos heraus, die ich benötigte. Meine Pflanzen können sie ab jetzt weiterverbreiten. Ich freue mich drauf. Mal sehen, wo ich sie als nächstes hinstellen werde.



Schreibe einen Kommentar