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Sprachlos - #3
Ni No Kuni - Sprachlos - #3

Also gut, du mieses, kleines Stück Getier. Jetzt werde ich dich fangen. Du wirst mir nicht entkommen. Ich habe schicke, dicke Beats am Start. Schicke, dicke Beats wie schicke, dicke... WAS?

Ni No Kuni - Sprachlos - #3

Sechzig Stunden? Schon? Aber ich habe doch gar nichts gemacht! Das kann nicht sein.

60:00:20

Oh Mann.

60:00:55

Habe ich wirklich nichts... Moment. Ich muss mal schnell etwas nachlesen.

60:05:45

Puh. Ich habe doch etwas gemacht. Ein bisschen beruhigt mich das jetzt schon. Aber so richtig freuen kann ich mich nicht. Wäre da nicht diese verdammte Nummer 240, sähe die Sache ganz bestimmt anders aus. Nummer 240. Mein Nemesis. Der Schlaffinner.

Ni No Kuni - Sprachlos - #3

Ich weiß, was ihr jetzt denkt. Ja, ja, ja. Wie süß der ist. Mit den Augen. Den Ohren. Dem Schwanz. Den Farben. Dem Mund. Mensch, ist der süß. Soooo süß. Ja, ich weiß, wie süß der Typ ist. Ich habe ihn oft genug gesehen und mittlerweile 132 von ihnen getötet, umgebracht, vernichtet und zerstört. 132. Und wisst ihr, wie viele von den noch auf dieser Welt verbliebenen Schlaffinnern sich von meinen Taten beeindrucken ließen und sich mir anschließen wollten? Null. 0. 0 von 132. 0%. Ein einziger könnte dafür sorgen, dass kein weiterer Schlaffinner von mir und meiner Beatbootcrew getötet werden muss. Ein Freiwilliger könnte Hunderte retten. Aber es meldet sich niemand freiwillig. Kein Schlaffinner hat den Mumm, vorzutreten und sich gefangen nehmen zu lassen. Sie sterben lieber. Immer und immer wieder. 132 mal. Idioten.

Lasst und doch über positive Dinge reden. Das brauche ich jetzt. Zwanzig Stunden. Im letzten Text stand ich zuletzt vor den Toren Schweinforts. Diese habe ich mittlerweile hinter mir gelassen. Wieder einmal habe ich jeden Winkel einer Stadt erkundet und mit ihren Bewohnern geredet. Ich habe gebrochene Herzen repariert, Aufträge angenommen und abgeschlossen und Sven besser kennengelernt. Die Hauptcharaktere des Spiels sind zwar hin und wieder etwas Begriffsstutzig, dennoch ändert das nichts an der Tatsache, dass ich sie mag. Sehr sogar. Oliver, Esther, Sven und Tröpfchen? Ich mag euch.

Darum ist an dieser Stelle wohl eine Entschuldigung fällig: Es tut mir leid, dass ich euer Leben an dem Tag verdorben habe, an dem das am Pfad der Gräber gelegene Kasino, die Spielhölle, seine Pforten geöffnet hatte. Glücksspiel ist schlecht und böse. Wirklich. Wirklich! Glaubt mir. Ich halte mich in dem Kasino nicht aus Spaß auf. Es ist Arbeit. Ich muss Vertrautentickets gewinnen. Jedes viermal. Schließlich will ich später jeden Vertrauten in jeder Entwicklungsstufe in meiner Vertrautenkiste haben. Ich weiß, dass das Wahnsinn ist. Aber noch glaube ich daran, dass ich es schaffen kann. Und wenn das bedeutet, alle paar Minuten meinen Mittelfinger auf die Dame am Blackjack-Tisch zu richten, dann ist das eben so. Ich kann es nicht ändern. Aber Oliver, Esther und Sven, nehmt euch an mir bitte kein Beispiel. Tröpfchen? Ich glaube, wir verstehen uns.

Ni No Kuni - Sprachlos - #3

Nach Schweinfort kam dann handlungstechnisch nichts mehr bei mir. Ich verbrachte viele, viele Stunden auf meinem Beatboot und jagte Vertraute. Vor allem Nummer 240. Dieser verfluchte... Ihr fragt euch jetzt sicher, was ein Beatboot ist. Das ist eigentlich ganz einfach: Kennt ihr diese Typen, die mit ihren aufgemotzten Autos durch die Städte fahren, die Scheiben runtergekurbelt haben und dabei laut Musik laufen lassen? Ein solcher Typ bin ich, nur eben auf einem unaufgemotzen Boot. Meine Jagdausflüge können sich hin und wieder über mehrere Stunden ziehen. Und da höre ich eben gerne Musik bei.

Mal ein Beispiel. Meine letzte "Ni No Kuni"-Sitzung bestand aus einer Jagd auf Nummer 240. Es gibt da diesen Ort auf der Weltkarte, ganz im Süd-Westen. Dort findet man Schlaffinner. Bisher nur dort. Also fahre ich an dieser Stelle mit meinem Boot im Kreis herum. Immer und immer wieder drehe ich meine Runden. In besagter Sitzung tat ich dies etwa drei Stunden lang. Ununterbrochen. Es gab glaube ich drei Pausen, in denen ich mich nach Laguna teleportierte, um Vertraute auszutauschen oder dem dortigen Katzenkorb einen Besuch abzustatten. Ansonsten tat ich nichts anderes, als meine Runden auf dem Meer zu drehen.

Dabei hörte ich zwei Alben. Zunächst Megalohs "Endlich unendlich", danach Samy Deluxes "Samy Deluxe". Verhältnismäßig laut. Jetzt solltet ihr wissen, was ich mit Beatboot meine. Vom Ufer der nächstgelegenen Insel aus dürfte meine Jagd sicherlich lustig ausgesehen haben, wenn man taub ist. Ansonsten bin ich vermutlich dem einen oder anderen ziemlich auf die Nerven geschwommen.

Diese Zeit des Jagens ist ziemlich entspannend. Ich liege auf meinem Sitzsack (oder Liegsack), höre gute Musik und sammle Erfahrungspunkte. In dieser Zeit denke ich nach. Über Comics, Bücher, Texte und das Leben. Ich betone oft, dass ich in Spielen gerne "grinde" und mir das nichts ausmacht. Obiges Beispiel sollte hoffentlich zeigen, dass ich das nicht nur sage, sondern auch meine.

Ich stehe nun lediglich vor einem einzigen Problem: Meine Truppe wird zu stark. Natürlich gibt es "zu stark" in Spielen dieser Art nicht wirklich. Dennoch ist mir während meines letzten großen Kampfes aufgefallen, dass ich keine Angst mehr zu haben brauche. Oliver hat mittlerweile Stufe 63 erreicht. Meine ebenfalls spielende Frau ist auf die Handlung bezogen weiter als ich, hat aber "gerade mal" Stufe 48 erreicht. Sie spricht von anspruchsvollen und spannenden Kämpfen, was ich wohl leider nicht mehr erleben werde. Zumindest nicht in der Hauptgeschichte. Nicht, wenn ich so weiterspiele wie bisher. Wer nun aber meint, dass ich mir das Spiel kaputtspiele, liegt falsch. Ich habe noch immer unglaublich viel Spaß an "Ni No Kuni". Sonst würde ich wohl nicht drei Stunden lang im Kreis fahren. Nur hat eben jeder Spaß an anderen Dingen.

Mein Kampf gegen Nummer 240 ist jedenfalls zu einer persönlichen Angelegenheit geworden. Mittlerweile geht es um Ehre. Meine Frau meinte bereits, dass ich die Vorentwicklungsstufe des Schlaffinners in all den Stunden schon längst in die gesuchte Kreatur hätte weiterentwickeln können. Sie hat Recht. Aber diese Option kommt nicht mehr in Frage. Ich weiß, dass mir die Jagd gelingen wird. Ich weiß nur nicht, wann dies der Fall sein wird. Aber ich freue mich bereits auf den Moment, in dem die Herzen über dem Schlaffinner erscheinen und ich Esther ihre Harfe spielen lassen werde. Und dann gehört Nummer 240 endlich mir. Diese verdammte Nummer 240. Du mieser, süßer Mistkerl.

Ni No Kuni - Sprachlos - #3
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Sven Himmen