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Klamotten aus Zerhacktem
Monster Hunter 3 Ultimate: Klamotten aus Zerhacktem
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Bald ist Ostern und ich freue mich wie ein sich freuender Flitzebogen auf "Monster Hunter 4 Ultimate". Ostersonntag werde ich besagtes Spiel in Händen halten, auspacken, an der in der Verpackung ursprünglich ruhenden und durch mein Öffnen plötzlich aufgeschreckten Luft riechen, das Spiel in meinen 3DS stecken und mich ihm ganz hingeben. Ich werde mich verwandeln. In ein Monster.

Bringen wir es hinter uns: Der Titel des Spiels ist nicht ganz so eindeutig, wie es zunächst erscheinen mag. Beschreibt "Monster Hunter" nun einen Jäger, der Monster jagt, oder einen Jäger, der ein Monster ist? Klar, man jagt Monster. In dieser Hinsicht ist die erste Variante selbstverständlich eine korrekte Bezeichnung. Aber sehe ich auf meine Statistiken, habe ich nach über 150 Stunden mehr als 250 große Monster erlegt. War das wirklich notwendig? Oder bin ich während meiner Zeit als Jäger selbst zu einem Monster geworden? Einem blutrünstigen und aggressiven Monster, das alles umbringt, aus dessen Leichenteilen sich ein paar schnieke Klamotten herstellen lassen. "I wonder, who the real Monsters are."

Also: Butter bei die Fische. Oder Frösche in den Tümpel. Butter gibt es in "Monster Hunter 3 Ultimate", die Version über die ich hier die ganze Zeit schreibe, nämlich gar nicht. Außerdem muss ein Gobul erlegt werden, und diesen kann man mit Hilfe eines Frosches... aber das versteht jetzt schon wieder nicht jeder.

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Wer "Monster Hunter" spielt, sollte nicht über das nachdenken, was er da tut. Zwar versucht das Spiel, es so aussehen zu lassen, als würde man durch seine Taten einem kleinen Fischerdorf helfen, aber irgendwann wird das alles dann doch ziemlich unglaubwürdig. Vielleicht sollte die Reisegruppe nach dem 40. Angriff eines Rathian einfach eine andere Reiseroute wählen.

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Man muss bei "Monster Hunter" seine eigenen Moralvorstellungen ablegen, um Spaß mit dem Spiel zu haben. Ich würde in der echten Welt keiner Fliege etwas zuleide tun (Außer diesen kleinen Minimistfliegen, die in meinem Schnittlauch leben. Die gehen mir auf die Nerven.), in "Monster Hunter" dagegen denke ich über so etwas nicht nach. Es ist nur ein Videospiel. In "Saints Row 3" habe ich auch nicht geweint, wenn ich unbeteiligte Passanten während einer Schlacht gegen die verfeindete Wrestlergang zur Explosion gebracht habe. Bei "Hotline Miami" habe ich einen Level immer und immer wieder neugestartet und immer und immer wieder irgendwelche Typen mit einem Baseballschläger vermöbelt. Und in "Dr. Mario" habe ich mit den doch irgendwie ganz niedlich aussehenden Viren, die ich da in meinem Reagenzglas für Versuchszwecke herangezüchtet habe, auch kein Mitleid gezeigt. Ich glaube, der "Dr. Mario"-Vergleich ist gar nicht so verkehrt. Die Viren sind Böse, die Monster in "Monster Hunter" auch. Wenn ich meine Gegner nicht töte, bringen sie andere Menschen um. Außer die Kelbis, die sind eigentlich ganz lieb. Aber darum lasse ich die ja auch wieder laufen, nachdem ich ihre Leber entfernt habe.

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Wenden wir uns doch mal von der Moralkeule ab. Wer benutzt heutzutage schon Keulen? Nicht einmal in "Monster Hunter" gibt es Keulen. Dafür aber eine ganze Menge anderer Waffen. Langschwerter zum Beispiel, oder Bögen, Lanzen, Hämmer und Doppelklingen. Es ist gar nicht so einfach, hier die richtige Waffe zu finden, also die Waffe, die zum eigenen Spielstil passt. Erschwerend kommt hinzu, dass keine der angebotenen Waffen schlecht ist. Alle Waffen haben ihre Vor- und Nachteile. Es kommt bei der Wahl darauf an, wie man selbst spielen möchte. Am besten probiert man erst einmal alles aus und entscheidet sich dann. Nach etwa 80 Stunden Spielzeit hatte ich beispielsweise auf einmal keine Lust mehr auf mein Langschwert und griff für die nächsten 80 Stunden ausschließlich auf Doppelklingen zurück. "Monster Hunter" schreibt einem nichts vor. Spiel, wie du willst, die Möglichkeiten sind da.

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Aber warum lange um den heißen Brei reden? Brei gibt es doch gar nicht! Und hier muss ich gleich mal eine Lüge beichten: Weiter oben stellte ich die Behauptung auf, im Spiel gäbe es keine Butter. Das stimmt gar nicht! Es gibt Butter. Büffelbutter, um genau zu sein. Und den Satz "Butter bei die Fische" kann man beim im Dorf ansässigen Koch sogar tatsächlich umsetzen! Büffelbutter in Kombination mit haarigem Thunfisch ergibt beispielsweise ein Mahl, dass nicht nur die Gesundheit um 30, sondern auch den Sauerstoffvorrat um 30 erhöht! Über die anderen passiven Boni will ich gar nicht weiter reden, weil ich sowieso lieber einen mit haarigem Thunfisch belegten Mega-Bagel esse. Der erhöht nicht nur die Gesundheit um 50, sondern auch die Verteidigung!

Zur Komplexität des Spiels muss ich aber glaube ich gar nicht mehr viel sagen. Wer behauptet, "Monster Hunter" sei stumpfes Monsterkloppen ohne Taktik, der hat keine Ahnung. Ich kann mich nicht an viele Spiele erinnern, in denen man sich so auf Missionen vorbereiten muss wie hier. Nicht nur das zu jagende Monster spielt hier eine Rolle, sondern auch die Region in der es sich befindet. Muss man warme oder kalte Getränke mitnehmen? Hat man Farbbälle dabei, um das Monster auf der Karte wiederzufinden, wenn es vor einem davonläuft? Blitzbomben können Flugmonster zum Absturz bringen, mit Fallen und Bomben fügt man schnell gezielt Schaden zu und letztendlich sollte man immer ein bisschen Kacke dabeihaben, um sich Monster vom Leib zu halten, die sich auf einen stürzen und versuchen, einen festzuhalten. Ja, man kann mit Kacke werfen. Oder damit beworfen werden.

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"Monster Hunter" lebt von seinem Monsterdesign und dem Verhalten besagter Wesen. Jedes hat seine ganz besonderen Eigenarten, die man erst einmal kennenlernen muss. Die erste Begegnung mit einem neuen Monster bringt immer ein paar Überraschungen mit sich. Hier liegt für mich auch der Reiz. Wie verhält sich mein Gegner? Wo liegen die Schwachstellen? Wann muss ich worauf aufpassen? Nach dem ersten Kampf will ich die Mission am liebsten sofort wiederholen und das Gelernte anwenden.

Mein erster Kampf gegen ein großes Monster im Spiel war zum Beispiel mehr als chaotisch. Der Großjaggi ist aus heutiger Sicht ein Witz, dennoch war ich damals ziemlich überfordert. Die Steuerung musste gelernt werden, das Monster ebenso, und dann rannte dieses Mistding auch noch andauernd weg! Das mit den Farbbällen lief zu dieser Zeit noch nicht so routiniert ab wie heute. Am Ende hatte ich das Vieh über die halbe Karte gejagt und als es dann endlich fiel, wusste ich, dass "Monster Hunter" genau das Richtige für mich war.

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Man kann theoretisch noch viele Geschichten dieser Art über das Spiel erzählen. Als ich mein erstes Monster nicht erlegen, sondern jagen musste, gelang mir dies nicht gleich beim ersten Mal. Zunächst brachte ich es versehendlich um. Dann floh es geschwächt vor mir in eine Höhle voller Jaggis, die es daraufhin vor meinen Augen töteten. Erst im dritten Anlauf funktionierte alles und der Arzuros landete in meiner Fallgrube und konnte mit Betäubungsbällen beworfen werden.

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Das wirklich Gemeine an "Monster Hunter" ist vermutlich, dass man nicht "einfach so" besser werden kann. Es gibt keine Erfahrungspunkte und keinen Charakterlevel wie in "Diablo 3". Man kann nicht einfach 100 Jaggis verprügeln und daraufhin einem Lagiacrus mit drei Schlägen seinen Schweif abschneiden, um daraus eine neue Hose zu schmieden.

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In "Monster Hunter" gibt es nur zwei Möglichkeiten, besser zu werden. Zunächst muss man, wie weiter oben bereits beschrieben, selbst besser werden. Man muss die Tricks der Steuerung erlernen, seine Gegenstände richtig nutzen und seine Waffe beherrschen. Dies ist der Bereich, der häufig mit "Demon´s Souls" oder "Dark Souls" verglichen wird. "Monster Hunter" schenkt dem Spieler so gut wie nichts. Wer seinen Gegner nicht ernstnimmt, hat quasi schon verloren. Ich selbst bin bereits ein paarmal an Überheblichkeit gestorben. Man verbessert die eigene Rüstung, erhält eine bessere Waffe und denkt sich "Jetzt gehe ich zu diesem blöden Großwroggi und haue dem mal so richtig eine runter. Dieser Mistkerl. Außerdem brauche ich noch einen seiner Giftbeutel." Und was ist? Man passt nicht richtig auf, wird überrascht und geht zu Boden. Das ist peinlich, aber auch eine wichtige Lektion. Nehmt eure Gegner ernst!

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Neben den eigenen Fähigkeiten gibt es dann nur noch die Ausrüstungsgegenstände, also Rüstungen und Waffen. Besiegt man ein großes Monster, erhält man Teile seines Körpers. Häute, Schuppen, Hörner, Krallen und so weiter. Aus diesen Materialien kann man nun beim örtlichen Schmied Gegenstände herstellen oder verbessern lassen. Aus jedem Monster kann man ein eigenes Rüstungsset herstellen, das sich vom Aussehen her am jeweiligen Monster orientiert. Alleine das ist schon fantastisch. Ich habe es ja schon oft betont: Ich mag Rüstungen. "Monster Hunter" ist hier ein wahres Paradies. Begegne ich einem neuen Monster, möchte ich sofort wissen, wie seine Rüstung aussieht. Bisher wurde ich kein einziges Mal enttäuscht. Die Rüstungen stecken so voller Details, dass ich sie mir nach Fertigstellung immer erst mehrere Minuten lang aus allen Perspektiven ansehen muss. Gleichzeitig kommt hinzu, dass jede Rüstung unterschiedliche Fähigkeiten hat. Die Resistenzen und Schwächen orientieren sich am jeweiligen Monster. Erleg ein Monster, dass resistent gegen Feuer aber schwach gegen Wasser ist, und du kannst davon ausgehen, dass die Rüstung ähnliche Werte aufweist. Mittlerweile habe ich für bestimmte Regionen und Gegner bestimmte Rüstungssets. Vor allem im Kampf gegen die richtig harten Brocken ist die richtige Ausrüstung enorm wichtig.

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"Monster Hunter 3 Ultimate" war mein Einstieg in die Serie. Ich hatte vorher noch nie ein "Monster Hunter"-Spiel angefasst und muss zugeben, dass ich zu Beginn ein wenig überfordert war. Das Spiel könnte hier und da ein bisschen mehr erklären, auf der anderen Seite gibt es so viele Details, dass ein komplexes Tutorial mich zu Beginn vermutlich sogar mehr verwirrt hätte, als meine Unwissenheit. Man darf in den ersten Stunden nicht erwarten, alles zu verstehen, sondern sollte sich einfach ins Abenteuer stürzen, herumexperimentieren und aufkommende Fragen im Anschluss klären. Die ersten großen Monster sind noch nicht so anspruchsvoll, dass man andauernd auf die Nase bekommt. Man lernt nach und nach immer mehr dazu, muss es ruhig angehen lassen und einfach mal mit Gegenständen wie den unterschiedlichen Bomben experimentieren. Es gibt im Internet unzählige interessante Texte und Videos über das Spiel, die einem jedes Detail erklären. Man sollte hin und wieder aber auch den Mut aufbringen, Dinge selbst herauszufinden. Bei mir hat es wunderbar funktioniert. Nach über 150 Stunden habe ich immer noch nicht alles verstanden. Aber ich hatte irgendwann meinen ersten Kampf gegen einen Brachydios und dieser Kampf war so unglaublich intensiv und spannend, dass ich, als ich ihn nach einem 45 Minuten (!) andauernden Kampf endlich erlegt hatte, total fertig war. In einem positiven Sinne. Diese Gefühle sind es, die mich immer wieder in die Welt von "Monster Hunter" zurückkehren lassen.

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Nun gut. Kommen wir zu einem Ende. Nein. Eine Sache noch. Mein größter Kritikpunkt an "Monster Hunter" ist, dass es im Spiel kein vernünftiges Nachschlagewerk gibt. Das stört mich wirklich sehr. Wenn ich sehen möchte, welches Monster gegen was anfällig ist und welche Materialien bei ihm zu holen sind, muss ich immer in ein Online-Wiki sehen. Ich wünsche mir eine Art Jägertagebuch. Keines, das von Anfang an alle Informationen des Spiels enthält, sondern eines, das vom Spieler nach und nach gefüllt wird. Besiege ich zum ersten Mal ein großes Monster, wird es im Tagebuch eingetragen. Mit Informationen über Stärken und Schwächen. Alles, was ich aus dem Tier herausschneide, wird auch im Buch vermerkt. Man erhält somit keine neuen Informationen, kann aber alles, was man bereits herausgefunden hat, schnell nachschlagen. Das fände ich wirklich unglaublich gut und würde mich noch mehr zum Weiterspielen motivieren. Ich habe nichts gegen Wikis, wenn ich im Bett oder in der Bahn spiele und etwas nachschlagen will, dann ist es total unpraktisch, es nicht im Spiel tun zu können. Vor allem für jemanden wie mich, der kein Smartphone besitzt. Mit einem Jägertagebuch wäre "Monster Hunter" ziemlich perfekt.

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Das ist jetzt aber Meckern auf extrem hohem Niveau. "Monster Hunter 3 Ultimate" ist ein großartiges Spiel. Ich freue mich auf den Nachfolger. Sehr sogar. Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt so aufgeregt war. Und das ist doch etwas sehr, sehr Schönes.

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Sven Himmen