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Gebündelte Neugierde - #3 - BARRIER X
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Gebündelte Neugierde - #3 - BARRIER X

Indie Bundles. Pakete, bestehend aus mehreren Videospielen, die man für wenige Euros erstehen kann. Mittlerweile wird das Internet von ihnen überflutet. "Gebündelte Neugierde" ist eine Reihe, in der ich einen Blick auf die Videospiele werfe, die in einem der (gefühlt) 100 pro Woche erscheinenden Indie Bundles enthalten waren. Hier geht es vor allem um die Spiele, für die ich mir ein bestimmtes Bundle NICHT gekauft habe, sondern die einfach dabei waren. Bisher habe ich besagte Spiele eher ignoriert. Das möchte ich hiermit ändern. Ich will neugieriger sein. Diese Reihe erscheint nicht regelmäßig. Kein Indie Bundle muss zwangsläufig vollständig besprochen werden. Nicht jeder Text behandelt lediglich ein einziges Spiel. Eigentlich geht es hier um Neugierde und darum, überrascht zu werden.

Um es gleich vorwegzunehmen: Reaktionsspiele sind nicht mein Ding. Zumindest, wenn von Spielen wie "Super Hexagon" und Konsorten die Rede ist, in denen es darum geht, irgendein grell leuchtendes Ding durch ein ebenso grell leuchtendes Labyrinth zu manövrieren, ohne dabei irgendwo anzuecken. Nun werde ich noch schnell das Kunststück vollbringen, ein Videospiel zu beschreiben, ohne den Vergleich mit einem anderen heranzuziehen: In "BARRIER X" geht es darum, irgendein grell leuchtendes Ding durch ein ebenso grell leuchtendes Labyrinth zu manövrieren, ohne dabei irgendwo anzuecken. Dieses Ding sieht aus wie ein Papierflieger und bewegt sich auf einer Art Rennbahn, die an einen Hürdenlauf erinnert, bei dem die Hürden mit unüberwindbaren Mauern ersetzt wurden. Man springt also nicht, sondern weicht aus. Und das in hoher Geschwindigkeit.

Gebündelte Neugierde - #3 - BARRIER X

Man benötigt zunächst lediglich die Pfeiltasten. Der Flieger fliegt stets geradeaus, man kann aber per Tastendruck die Spur wechseln. Wird der Boden einer Spur rot, bedeutet das, dass schon bald die Kollision mit gemeinem Mauerwerk ansteht, sollte man auf den Tastendruck verzichten. Das möchte man selbstverständlich nicht. Also drückt man die Taste, die einem gerade am sinnvollsten erscheint. Dies wiederholt man, bis man ein paar Sekunden lang überlebt hat und anschließend in eine Mauer knallt, weil man sich fragt, was man da gerade macht, und dadurch die Aufmerksamkeit verliert, die das Spiel von einem fordert.

Reaktionsspiele wie "BARRIER X" brüsten sich oft damit, dass man nur wenige Sekunden lang überlebt, bis man wieder von vorne beginnen muss. Zumindest als Anfänger. Um den ersten Level erfolgreich zu beenden, muss man dreißig Sekunden lang nach links oder rechts ausweichen. Wie sich das gehört, klingt das zunächst nicht nach viel, ist es dann aber doch. Weil das so gewollt ist. Zumindest von den Entwicklern. Von mir nicht.

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Ich lese häufig davon, dass sich Menschen, die schlecht in Spielen wie "BARRIER X" sind, als zu alt für diesen Scheiß bezeichnen. Das mache ich nicht. Weil ich diese Aussage nicht mag. Weil sie viel zu oft benutzt wird, um eigenes Versagen zu rechtfertigen. Manchmal auch, um lustig zu sein. Beides ist blöd. Ich muss mein Versagen nicht rechtfertigen, tue mich aber gleichzeitig schwer damit, hier von Versagen zu sprechen. Eher von fehlender Motivation.

Neunzehn Stunden habe ich bisher in "Devil Daggers" verbracht, einem Spiel, in dem es um schnelle Reaktionen, Geschick, das Meistern der Steuerung und das Lernen des Levels geht. Diese neunzehn Stunden habe ich sehr gerne in das Spiel gesteckt, da es Spaß macht und mir Unterhaltung bietet. Bin ich der Beste in "Devil Daggers"? Nein. Das muss ich aber auch nicht sein. Ich bin mit meinen persönlichen Leistungen zufrieden und es macht mir Spaß, das Spiel hin und wieder zu starten und ein paar weitere Minuten in es zu investieren. Ich messe mich an meinen eigenen Leistungen und will mich selbst schlagen. Es ist mir dabei egal, wie gut meine Leistungen im Vergleich zu anderen Spielern sind. Ich messe mich nicht gerne mit anderen. Von mir aus, weil ich ein Versager bin. Meiner Meinung nach aber eher, weil ich ein ruhiges und entspanntes Leben führen will. Wie auch immer: Es gibt Geschicklichkeitsspiele, in denen ich Stunden verbringen und Spaß haben kann. Bei "BARRIER X" ist das jedoch überhaupt nicht der Fall.

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Es spricht mich nicht an. Zunächst wäre da die grelle Inszenierung. Diese gehört scheinbar zu Reaktionsspielen dazu, da man von den Spielerinnen und Spielern nicht nur schnelle Reaktionen erwarten, sondern sie gleichzeitig mit bunten Farben bewerfen möchte, bis sie mit Schweißausbrüchen und Zitteranfällen zusammenbrechen. Selbstverständlich kann man mit Farben einige tolle Dinge anstellen, doch wirkt das bei "BARRIER X" vollkommen willkürlich. Alles ist grell und bunt und es tut in den Augen weh und es macht keinen Spaß. Dabei kommt es mir gleichzeitig so vor, als hätte man lediglich am Grelligkeitsregler gedreht, damit Menschen laut "BOAH HAT DAS STYYYYYLE!" schreien. Außerdem kann man dadurch sagen: "Das ist eine weitere Schwierigkeit am Spiel! Man muss nicht nur schnelle Reaktionen zeigen, sondern gleichzeitig mit grellen Farben umgehen und lernen, sich nicht ablenken zu lassen!" Ihr könnt es leider nicht sehen, aber ich rümpfe gerade die Nase. Weil es stinkt. Weil mir Kot aus den Ohren kam. So schlimm ist das.

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Und dann ist da noch das Spielprinzip: Ausweichen. Man fliegt geradeaus und weicht weißen Blöcken aus. Hat man nach dreißig Sekunden einen neuen Level freigeschaltet, erwarten einen neue Modifikationen. Dann gibt es plötzlich Spuren, auf denen man in eine bestimmte Richtung ausweichen muss. Oder Spuren, auf denen man kurz verweilen muss. Mehr kann ich diesbezüglich nicht sagen, da mich nach dem dritten Level die Lust verließ. Ich bin mir aber recht sicher, dass man später auch auf Gegner stoßen und schießen wird. Dies wird an mehreren Stellen angedeutet. Findet es selbst heraus.

Ich finde das Spiel sowohl uninteressant als auch übertrieben. Doch gehört das vermutlich zum Genre dazu: Reaktionen addiert mit grellen Farben. "BARRIER X" wird Menschen gefallen, die genau diese Spiele mögen, was eine absolut bescheuerte Aussage ist und vermutlich nicht einmal stimmt, da ich mir sicher bin, dass es bessere und spannendere Spiele auf dem Markt gibt, als dieses.

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Das schönste am Spiel ist das Hauptmenü. Hier steht der Titel in Großbuchstaben vor einem herum und versucht, zu den coolen Typen zu gehören, die in der Disco herumstehen und währenddessen von allen als coole Typen betrachtet werden. Schnell erkennt man, dass es sich beim Namen gleichzeitig um die Levelauswahl handelt. Man schreitet von Buchstabe zu Buchstabe vor, bis man entweder beim letzten angekommen ist oder irgendwann in der Mitte die Lust verloren hat. Bei mir kam leider Letzteres vor Ersterem.

In der Regel steht bei mir die Spielmechanik vor der Geschichte. Spielt sich ein Spiel gut, kann ich auf eine gute Geschichte verzichten. Ich habe kein Problem mit Spoilern, da ich in Spielen zunächst ein bestimmtes System sehe, das ich erforschen will. Ist die Spielmechanik blöd, rettet eine gute Geschichte das Spiel nur selten vor einer schlechten Meinung. Es stört mich somit nicht, dass "BARRIER X" mir nicht erklärt, welch dramatisches Ereignis die Menschheit durchgerüttelt hat, dass sie auf grellen Rennbahnen umherrasen und Mauern ausweichen muss. Wobei ich jetzt, wo ich das schreibe, genau das doch kritisieren möchte. So ist das mit Aussagen. In der Regel trifft man sie und hat anschließend das Nachsehen, weil man sie gar nicht zu einhundert Prozent so gemeint hat. Ich werde "BARRIER X" nicht weiterspielen.

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Sven Himmen