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Fantasy Filmfest 2015 - Tag #12 - Traumtagebuch
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Meine erste Nacht nach dem Fantasy Filmfest 2015 verlief äußerst unruhig. Habe ich in meinen Texten über die einzelnen Tage noch darauf hingewiesen, nicht geträumt zu haben, kann ich das von der nun folgenden Nacht nicht behaupten. Als ich heute Morgen erwachte, griff ich sofort zu Stift und Papier, um den Traum aufzuschreiben und nicht zu vergessen. So absurd war er. Und so komplex. Da ich glaube, dass der Traum in irgendeiner Form etwas mit dem Fantasy Filmfest zu tun hat, möchte ich ihn euch selbstverständlich nicht vorenthalten.

Ich befand mich auf einem großen Konzert. Ich kannte weder den Namen der Sängerin noch des Liedes, das gerade gespielt wurde. Ich wusste nicht einmal, wo ich war. Es war, als hätte ich gerade erst zu existieren begonnen. Verwirrt drängte ich mich durch die Menschenmenge, bis ich den Backstagebereich erreichte. Man ließ mich eintreten, ich streifte durch scheinbar endlos lange Gänge, bis ich mich vor einer Tür wiederfand. Ich öffnete sie und wurde Zeuge einer ganz anderen Party. Eine Gruppe Menschen lag nackt übereinander, bedeckt von Kokain und hartem Alkohol. Was hier geschehen war, konnte ich mir denken. Erfolgreiche Geschäftsleute hatten ihren erfolgreichen Geschäftssinn gefeiert. Ich hatte keine Lust auf eine Feier dieser Art und wollte gerade den Raum verlassen, als ich von hinten angerempelt wurde.

Zunächst hielt ich mein Gegenüber für einen Menschen. Füße, Beine, Bauch, Brust, Hals, alles in Ordnung. Dann sah ich jedoch seinen Kopf. Er sah aus, als hätte er ihn durch einen Anspitzer gejagt. Sein Kopf war aufgeklappt, die Haut hatte sich wie die Blüte einer Blume geöffnet und ein blutiges Etwas freigelegt, das nichts menschliches mehr an sich hatte. Es ging mit seinen Kopftentakeln auf mich los, doch ich konnte ihm im letzten Moment ausweichen. Zeit für Fragen blieb mir nicht. Ein weiterer Hieb, wieder wich ich aus, doch diesmal ging ich zu Boden. Das Wesen ging siegessicher auf mich los, in diesem Moment hatte ich es genau da, wo ich es haben wollte.

Scheinbar war ich in meinem Traum ein äußerst guter Kämpfer, was man mir jedoch nicht unbedingt ansehen konnte. Und genau das war meine Geheimwaffe. Dem Gegner das Gefühl von Überlegenheit vermitteln und dann erbarmungslos zuschlagen. Mit wenigen Schlägen, Tritten und Griffen hatte ich meinen Gegner überwältigt und zu Boden geworfen. Schnell griff ich zu einem Stuhl und fesselte ihn darauf. Ich wollte Antworten. Mit was für einem Wesen hatte ich es hier nur zu tun? Um die besagten Antworten zu erhalten, griff ich auf das beliebte Element der Folter zurück und spannte eines der Beine des Wesens in einen Schraubstock, den ich nach und nach enger spannte. Das Wesen schrie und jammerte und winselte, doch Antworten erhielt ich keine.

Durch die Schreie wurde der Sicherheitsdienst des Klubs, in dem ich mich ja gerade noch befand, auf mich aufmerksam. Als ein paar muskulöse Männer mit Kampfhunden das Zimmer betraten, fuhr das Wesen schnell wieder seine Tentakel ein und sah plötzlich aus wie ein ganz normaler Mensch. Und nicht nur das. Es sah so aus wie der Besitzer des Klubs. Er schrie um Hilfe. Die Wachleute ließen umgehend ihre Hunde auf mich los. Ich ergriff die Flucht.

Die Hunde waren unglaublich groß. Ich kann mich nicht daran erinnern, in meinem Leben jemals so große Hunde gesehen zu haben. Zum Glück waren sie durch ihre Größe recht schwerfällig. Ihren ersten Angriffen wich ich spielend aus und rannte zur Tür. Dank meiner Kampfkünste konnte ich die Wachen innerhalb weniger Sekunden ausschalten. Es blieben nur noch die Hunde. Ich verließ das Partyzimmer und rannte den Flur entlang. Die Hunde blieben mir auf den Versen. Der Flur schien unendlich groß und verwinkelt zu sein. Öffnete ich eine der Türen, stand ich in einem anderen Flur voller Türen. Um die mich verfolgenden Hunde abzulenken, pinkelte ich hin und wieder in irgendeine Ecke oder in irgendein Zimmer und rannte daraufhin in die entgegengesetzte Richtung. Und es funktionierte. Das Bellen wurde leiser und irgendwann konnte ich es nicht mehr hören.

Als ich eine weitere der unzähligen Türen öffnete, hatte ich den Klub auf einmal hinter mir gelassen. Ich verließ das Gebäude und stand unter einer Brücke. Es war mitten in der Nacht und ich konnte nur schwerlich etwas vor mir erkennen. Um nicht weiter von den Hunden behelligt zu werden, schloss ich die Tür hinter mir. In einiger Entfernung konnte ich ein Lagerfeuer erkennen. Obdachlose? Neugierig schlich ich vorwärts. Ich versteckte mich hinter ein paar Mülltonnen und sah in Richtung Feuer. Ein Mann lag wimmernd am Boden, während andere auf ihn einschlugen und -traten. Neben der Gruppe lag ein Sack auf dem Boden, aus dem ebenfalls lautes Gewimmer zu hören war. Was auch immer hier los war, ich wollte nach den vorangegangenen Ereignissen nichts damit zu tun haben.

Ich schlich mich davon und fand mich nach wenigen Schritten mitten in einem Wald wieder. Als ich lautes Stöhnen vernahm, dachte ich mir zunächst nichts dabei, schließlich war es nach und ich stand in einem Wald neben einem Nachtklub. Dass sich hier sexuell erregtes Gesindel herumtrieb, war nun nicht gerade überraschend. Überrascht war ich erst, als sich herausstellte, dass das Gestöhne von zwei Menschen verursacht wurden, die langsam aus dem Gebüsch vor mir gewankt kamen. Sie kamen Schritt für Schritt auf mich zu und irgendwie fühlte ich mich bedroht. Da eine der beiden Personen ein kleines, junges Mädchen war, wusste ich nicht, was ich tun sollte. Waren meine Gegenüber böse? Zombies? Oder einfach nur auf Drogen? Bevor ich der Sache weiter auf den Grund gehen konnte, tauchte plötzlich ein muskulöser Mann hinter mir auf, der mit Hilfe einer Axt die Köpfe der zwei verwesten Wesen spaltete. Als er seine grausame Tat hinter sich gebracht hatte, drehte er sich zu mir um und gab sich als Arnold Schwarzenegger zu erkennen.

Arnie erzählte mir, dass seine Tochter nach einem Inselurlaub verändert nach Hause gekommen war. Irgendetwas hatte sie gebissen und nun verbrachte sie die längste Zeit des Tages damit, sich in ein insektenartiges Wesen zu verwandeln. Sie spuckte kleine Schleimeier durch die Gegend, verspeiste ihre Freunde und richtete ganz allgemein eine ziemliche Sauerei im Hause Schwartenegger an. Arnie hatte keine Lust mehr auf die ganze Sache und war deswegen von zu Hause abgehauen. Er erzählte mir, dass er sich gerade auf dem Weg nach Frankreich befand, um dort ein neues Leben als Drogenschmuggler zu beginnen. Er wollte die French Connection wieder aufleben lassen.

Ich riet Arnie jedoch davon ab. Ich hatte erst kürzlich in der Wetterauer Zeitung von einem Polizisten gelesen, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, den ganzen Tag lang zu rauchen und währenddessen französische Gangsterbosse zu jagen. Sein Privatleben hatte fast vollkommen ausgeblendet, Frau und Kind wurden vernachlässigt und er widmete sich voll und ganz dem Namen des Gesetzes. Mit einem solchen Mann wollte sich Arnie ganz bestimmt nicht anlegen. Er stimmte mir zu und dankte mir für den Tipp. Wir setzten uns auf einen Baumstumpf und überlegten, was wir nun tun würden, jetzt, wo wir keine Ziele mehr in unserem Leben hatten, denen wir hinterhereilen konnten.

Plötzlich hörten wir ein Auto in der Nähe. Wir liefen in die Richtung, aus der die Motorengeräusche zu hören waren und stießen auf eine Straße. Als das Auto auf unserer Höhe war, legte der Fahrer plötzlich eine Vollbremsung hin. Er stieg aus und als Arnie und ich uns darauf einstellten, nach dem Weg gefragt zu werden, erschoss der unbekannte Mann Arnie einfach und befahl mir, mich sofort ins Auto zu setzen. Selbstverständlich tat ich, was man von mir verlangte. So saß ich also plötzlich im Auto mehrerer Bankräuber, die sich gerade auf der Flucht vor dem Gesetz befanden. Mit an Bord waren noch eine Frau und ein Mann, die ebenfalls Geiseln darstellten. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass man sich gerade auf dem Weg zu einem Treffpunkt befand, von dem aus man irgendeine Grenze überqueren wollte.

Kurze Zeit später hatten wir den Treffpunkt erreicht. Es handelte sich um ein riesiges Anwesen, auf dem die Freunde der Verbrecher gerade eine Art Gartenfete veranstalteten. Wir gesellten uns zu den anderen Gästen und es schien fast so, als hätte man mich und die anderen Geiseln vergessen. Scheinbar bedeutete die Ankunft auf dem Anwesen für die Geiselnehmer, dass sie es geschafft hatten. Während ich mich also mit der Dame am Getränkeausschank unterhielt, verlor ich meine ungewollten Begleiter vollständig aus den Augen. Leider blieb keine Zeit für Freude, da die Party schon bald von Riesenwespen angegriffen wurde. Stachen sie einen, verwandelte man sich ein größeres Abbild von ihnen. Eine unangenehme Geschichte. Da ich nicht vor hatte, mich in eine Wespe zu verwandeln, rannte ich davon. Während sich die anderen im Anwesen verschanzten, hatte ich eine bessere Idee: Statt mich irgendwo selbst einzusperren, rannte ich einfach zurück in den Wald, aus dem ich zuvor per Auto gekommen war.

Ich rannte und rannte und rannte. Irgendwann hatte ich den Wald hinter mir gelassen und der Tag brach an. Woher ich die Ausdauer nahm, eine ganze Nacht lang durchzurennen, weiß ich nicht. Es ist aber auch egal. So sind Träume nun mal. Da kann man halt stundenlang durch einen Wald rennen und sich am Ende in einer Wüste wiederfinden. In einer Wüste, die so groß ist, dass man gar nicht mehr weiß, wie man hier überhaupt gelandet ist. Ich lief vollkommen orientierungslos auf und ab, wusste nicht, wohin und hoffte auf Rettung. Als ich in der Ferne ein Auto sah, lief ich darauf zu und hielt es voller Freude an. Leider stellte sich schon kurze Zeit später heraus, dass der Mann, der mich da in sein Auto steigen ließ, kein netter Mann, sondern ein perverser und kranker Mann war, der mich nicht retten, sondern in seinen Keller einsperren und anketten wollte. Da ich durch die Reise durch die Wüste vollkommen aus der Puste war, konnte ich mich nicht per Kampfkunst vermeiden. Er schlug mich nieder und ich verlor das Bewusstsein.

Ich erwachte in einem Keller. An den Boden gekettet lag ich auf einer Matratze. Der Schlaf hatte mir gut getan und ich fühlte mich wieder so kräftig wie immer. Als der Entführer den Keller betrat, stellte ich mich schlafen. Als er in meiner Nähe war, schlug ich ihn mit einem Stein nieder und schaffte es so, mich zu befreien. Ich quälte den Mann ein wenig, da er mir auf die Nerven ging, unter der Folter verriet er mir dann, dass er überall in der näheren Umgebung Männer und Frauen wie mich versteckt und gefangen hielt. Das fand ich nicht gut, so beschloss ich, alle Gefangenen wieder zu befreien, war den Entführer in ein Auto und ließ mir den Weg zeigen. Nach einiger Zeit hatte ich tatsächlich jeden befreit. Daraufhin setzte ich mich mit den Geretteten zusammen in eine Wohnung (sie gehörte einem der Geretteten) und feierte mit ihnen unsere neugewonnene Freiheit.

Leider stellte sich nach kurzer Zeit heraus, dass sich unter den Befreiten eine Frau befand, die sich erst vor kurzem einer Sekte angeschlossen hatte, deren liebste Freizeitbeschäftigung es war, Menschen beim Sterben zu filmen. Ich hatte überhaupt keine Lust darauf, mich ihrer Sekte anzuschließen und beschloss, die Party frühzeitig zu verlassen. Erst wollte man mich nicht gehen lassen, doch nach einem heftigen Wortgefecht schaffte ich es dann doch, die Wohnung zu verlassen.

Da ich endlich wieder wusste, wo ich war, ging ich auf dem schnellsten Weg zurück nach Hause. Dort legte ich mich ins Bett, um mich ein wenig zu erholen, doch leider wurde auf einmal meine gesamte Matratze ganz feucht. Zunächst dachte ich, ich hätte mir in die Hose gemacht, doch dann stellte sich heraus, dass es sich hier nicht um Urin, sondern um Blut handelte. Zum Glück nicht um mein eigenes. Das Blut gehörte der Leiche, die mir nichts dir nichts aus meiner Matratze geklettert kam. Sie war mindestens so überrascht wie ich, aber eigentlich ganz nett. Wir unterhielten uns ein wenig, dann teilte ich ihr jedoch höflich mit, dass ich wirklich ganz dringend eine Mütze Schlaf benötigte. Die Leiche teilte mir mit, dass sie mich in Ruhe lassen würde, wenn ich ihr ein Märchen vorlese. Da ich immer ein paar Märchenbücher im Schrank habe, las ich ihr aus einem davon vor.

In dem Märchen ging es um eine Königin, die kein Kind bekommen konnte, obwohl sie es sich so sehr wünschte. Und um eine Tochter, die gerne heiraten will. Und zwei Brüder, die nicht wissen, dass sie Brüder sind. Und um viele mehr. Es war ein langes und kompliziertes Märchen, das scheinbar gleich mehrere Geschichten auf einmal erzählte. Meine Bettbegleiterin langweilte sich nach einiger Zeit, da sie keine einzige Geschichte für wirklich interessant hielt und forderte eine andere Geschichte. Da auch ich mich langweilte, griff ich zu einem anderen Buch.

Hierbei handelte es sich um kein klassisches Märchen, sondern eher um einen Science-Fiction-Roman, der zur Zeit nach der Apokalypse spielt. Ein Junge versucht, irgendwie alleine ohne seine Eltern über die Runden zu kommen, trifft dabei auf allerlei einäugige Gefahren und neue Freundinnen, während er die ganze Zeit über einen merkwürdigen Helm trägt. Auch diese Geschichte reizte mich und meine Zuhörerin nicht wirklich. Also legte ich die Märchenbücher und Romane weg. Stattdessen unterhielt ich mich mit meinem Gegenüber über ihr Leichendasein.

Vor allem wollte ich wissen, ob sie hin und wieder an eine Zeit nach ihrer Besessenheit vom Tod vorstellen könne. Sie teilte mir mit, dass sie sich oft Gedanken darüber machte, irgendwann wieder ein normaler Mensch zu sein. Was das für sie bedeuten würde. Wie sich ihr Leben ändern würde. Würde ihr der Staat bei der Eingliederung in die Zivilisation helfen? Gibt es Selbsthilfegruppen für zurückgekehrte Untote? All das ging der Dame durch den Kopf und an dieser Stelle war dann ich es, der sich langweilte. Ich bar sie darum, das Thema zu wechseln, das fand sie unglaublich unhöflich. Wütend teilte sie mir mit, von nun an eine Verbrecherkarriere einzuschlagen und auf all die Menschen einzuschlagen, die mir meine überragenden Kampfkünste beigebracht hatten.

Das fand ich selbstverständlich nicht so gut und erklärte der Untoten den Krieg. Wir kämpfen miteinander und wechselten dabei zwischen allen möglichen Kampfkünsten. Wir kämpften mit Fäusten und Füßen, nutzen Griffe und Waffen und schenkten und gar nichts. Ich weiß gar nicht, wie lang der Kampf letztendlich ging, ich weiß nur, dass sich meine Gegnerin irgendwann in Luft auflöste und verschwand. Das fand ich ebenfalls nicht so gut. Da ich mich immer noch von ihr bedroht fühlte, begab ich mich auf die Suche nach ihr und als ich nach ein paar Tagen tatsächlich herausfand, wo sie lebte, begann ich damit, sie zu beobachten.

Dafür mietete ich mir eine Wohnung direkt gegenüber vom Haus der Untoten. Sie schien sich mittlerweile die Identität einer normalen Frau zugelegt zu haben, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Selbstverständlich war sie damit bei mir an der falschen Adresse. Ich ließ mich nicht von ihr täuschen. Stattdessen stellte ich einen Fotoapparat an das Fenster, von dem aus ich sie am besten beobachten konnte. Tagelang lag ich hier auf der Lauer und schoss unzählige Fotos von ihr. Nach und nach lernte ich alles über sie und ihre Verhaltensweisen. Schnell verstand ich, dass ich es hier nicht nur mit einem einfachen Untoten zu tun hatte.

Die Frau hatte alles Menschliche verloren. Eigentlich war sie tatsächlich tot, doch hatte auf unerklärliche Weise ein Pilz von ihr die Kontrolle übernommen. Er hatte ihren Körper, vor allem aber ihr Gehirn übernommen und steuerte nun jeden ihrer Schritte. Sie war somit nicht mehr Herrin über ihre Taten. Sie war ein Pilz. Ein laufender Pilz. Ein böser Pilz.

Um den Pilz zu besiegen, trommelte ich ein paar Freunde zusammen. Wir bewaffneten uns mit allerlei großen und gefährlichen Waffen und gingen auf die Pilzwesen los. Schnell stellte sich heraus, dass der Pilz gar nicht von der Erde stammte, sondern von einem weit entfernten Planeten. Da ich keine Lust auf eine lange Reise durchs Weltall hatte, schickte ich meine Freunde alleine los und wartete stattdessen zu Hause auf ihre Rückkehr.

Als meine Freunde auch nach mehreren Stunden noch nicht wieder zurückgekehrt waren, verlor ich die Geduld und tat das, was man als ungeduldiger, nervöser Mensch eben so macht: Essen. Ganz viel essen. Vor allem Süßigkeiten. Ich hatte aus mir unbekannten Gründen eine ganze Hochzeitstorte im Kühlschrank und fiel förmlich über sie her. Sie schmeckte äußerst gut. Leider ein bisschen zu gut. Ich aß so viel, dass ich einen Zuckerschock erhielt und in Ohnmacht fiel.

Als ich wieder erwachte, hatte ich einen unangenehmen Gedächtnisverlust zu beklagen. Ich konnte mich an nichts mehr aus meiner Vergangenheit erinnern. Die Hunde, die Pilze, meine Freunde, die Torte? Alles weg. Außerdem fühlte ich mich wie ein neuer Mensch mit einer neuen Persönlichkeit. Damals wusste ich das natürlich nicht, doch ich verhielt mich ganz anders als sonst. Aus einem freundlichen Mann war ein unfreundliches Arschloch geworden. Eine äußerst unangenehme Erfahrung war das.

Als Arschloch bewarb ich mich sogar in einer großen Firma auf die ausgeschriebene Stelle eines Bürojobs und erhielt daraufhin tatsächlich eine Stelle. Von diesem Tag an richtete ich mein Leben darauf aus, der Praktikantin das Leben zur Hölle zu machen. Ich wollte verhindern, dass sie mir meinen Job streitig machte. Und so diskriminierte ich sie. Eines Tages verschwand auf unerklärliche Weise von heute auf morgen einer meiner Arbeitskollegen. Leider tötete er kurz vor seinem Verschwinden seine gesamte Familie. Dieses traurige Ereignis schockierte mich erneut so sehr, dass ich vollkommen durchdrehte.

An die folgenden Ereignisse kann ich mich nur noch schemenhaft erinnern. Es war, als würde ich Raum und Zeit aushebeln und wie ein Geist durch die Zeitalter der Welt fliegen und unzählige Leben auf einmal leben. Mal war ich ein Professor, der wie besessen war vom Auge eines Patienten, dann war ich ein Gefangener während der spanischen Inquisition und ein andermal war ich Gast auf einem großen Fest, das während der Zeit der Pest stattfand. Keine dieser Episoden behielt ich in positiver Erinnerung, ich bin mir aber nicht einmal sicher, ob es sich nicht um Träume während meines Traumes handelte. Mal war alles schwarz-weiß, dann sah meine Umgebung plötzlich aus wie ein Gemälde. Was auch immer mit mir in diesem Moment geschah, gesund für meine geistige Verfassung war das alles ganz bestimmt nicht.

Doch zum Glück ließ ich diese bedrohlichen und erschreckenden Visionen irgendwann hinter mir. Leider wurde dadurch nicht alles besser. Ich erwachte in einem Bett. Was genau geschehen war, wusste ich nicht mehr, ich erkannte nur, dass man mich an das Bett gefesselt hatte. Nach einiger Zeit betrat eine Frau mein kleines Zimmer. Sie erklärte mir, dass sie mich bewusstlos im Treppenhaus gefunden und beschlossen hatte, mich gesund zu pflegen. Sie behauptete, einen Arzt gerufen zu haben, doch ich glaubte ihr nicht. Etwas Bedrohliches ging von ihr aus und ich verspürte den Drang, das Zimmer so schnell wie möglich hinter mir zu lassen. Das war aufgrund meines gefesselten Zustandes selbstverständlich alles andere als einfach. Zum Glück hatte die Frau noch eine Schwester, die nicht ganz so verrückt war, wie sie. Sie half mir eines Tages, meine sieben Sachen zu packen und aus der Wohnung zu entkommen.

Ich bestieg einen Zug und fuhr wieder zurück in meine Heimat. Zumindest hatte ich das vor. Leider kam wieder etwas dazwischen. Ein paar Kinder hatten ihre Fahrräder versehentlich auf den Gleisen abgelegt, über die mein Zug gerade fuhr. Das Resultat: Der Zug entgleiste. Ich war der einzige Überlebende. Die Kinder bekamen selbstverständlich ganz schlimme Schuldgefühle, ich nahm es ihnen jedoch nicht übel. Jeder macht schließlich einmal Fehler. Vor allem als Kind. Außerdem hatte ich keine schlimmen Verletzungen und konnte das Krankenhaus schnell wieder verlassen. Glücklich klingelte ich an der Tür eines mir nicht bekannten Hauses, um den dort wohnenden Mann darum zu bitten, mir ein Taxi nach Hause zu bestellen. Im Krankenhaus hatte ich ganz vergessen, dass ich ein Fahrzeug benötigte.

Als der Mann mir die Tür öffnete, bat er mich hinein. Ich ging mit ihm in die obere Etage seines Hauses, da sich dort das Telefon befand. Leider war ich scheinbar doch noch etwas benommen nach meinem Zugunglück, kam auf der Treppe ins Stolpern, rammte so den hilfsbereiten Mann, der daraufhin die Treppe hinunterfiel, sich daraufhin das Genick brach und tot auf dem Boden seines Hauses lag. Das war nun eine äußerst unangenehme Situation. Ich überlegte, was zu tun war. Die Polizei rufen? Nein, auf keinen Fall. Ich wollte schließlich nicht ins Gefängnis kommen. Also ließ ich mir etwas anderes einfallen.

Ich verließ das Haus und rannte zurück ins Krankenhaus. Von dort aus bestellte ich mir ein Taxi, das mich nach Hause brachte. Dort setzte ich mich in den Keller und baute mit Hilfe von Latex, Gummi und künstlichen Haaren - alles Dinge, die ich zuvor in einem Bastelgeschäft erwarb - eine Maske, die mein Gesicht verdeckte. Ich sah nun genauso aus, wie der von mir getötete Mann. Mit dieser Maske ging ich zurück in das Haus, in dem zuvor das Unglück geschehen war. Ich ließ die Leiche verschwinden und lebte von diesem Zeitpunkt an einfach das Leben des von mir getöteten Mannes. Niemand erkannte, dass ich jemand anderes war. Mein Schwindel war perfekt. Zumindest dachte ich das.

Denn eines Tages klingelte es an meiner Tür. Und wer stand vor mir? Der verdammte Taxifahrer, der mich nach meinem Mord nach Hause gefahren hatte. Er teilte mir mit, dass er von meinem Schwindel wüsste. Ich bot ihm Geld, um ihn zum Stillschweigen zu bringen, doch funktionierte das leider nicht. Der Taxifahrer war irgendein blöder Moralapostel, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, alle ungerechten Menschen umzubringen. Das fand ich nicht gut. So rannte ich davon. Der Taxifahrer verfolgte mich in seinem Taxi. Egal wohin ich rannte, er schien bereits dort auf mich zu warten. Das ging mir tierisch auf die Nerven.

Dieser Adrenalinschub war vermutlich dafür verantwortlich, dass ich mich wieder daran erinnerte, ein unglaublich guter Kämpfer zu sein. Irgendwann hörte ich einfach auf, vor dem Taxi wegzurennen und stellte mich dem Fahrer stattdessen in den Weg. Ein unglaublich harter Kampf entbrannte, während dem wir irgendwann mit Samuraischwerten aufeinander einhämmerten. Wir schenkten uns nichts. Erst, als der Taxifahrer sich plötzlich die Haut vom Kopf riss und unter seiner Maske der Kopf eines Frosches erschien, reichte es mir. Ja, ich trug auch eine Maske. Aber einen menschengroßen Frosch vor mir zu haben, war mir dann doch nicht so ganz geheuer.

Ich rannte davon und entledigte mich währenddessen von meiner eigenen Maske. Mein Versteckspiel war sowieso aufgeflogen. Vom Froschmann verfolgt rannte ich in eine kleine Seitenstraße und stieß dort auf ein verlassenes Haus. Ich rannte hinein. Der Froschmann folgte mir nicht. Er blieb stehen und sah mich verängstigt an. Er schrie mir zu, dass das Haus verflucht sei, doch ich glaubte ihm nicht. Wer glaubt denn bitte noch an Flüche? So etwas Lächerliches hatte ich ja noch nie gehört. Ich begann, schallend zu lachen, stellte das Lachen jedoch ein, als plötzlich eine Gruppe Jugendlicher hinter mir stand, die mit Kameras bewaffnet das Haus auf Geister untersuchen wollte. Nein, auf so einen Blödsinn hatte ich wirklich keine Lust.

Ich hatte ja nicht ahnen können, dass die Jugendlichen und der Froschmann mit ihren Behauptungen Recht gehabt hatten. Von einer Sekunde auf die andere materialisierten sich plötzlich zwei Kinder direkt vor unseren Augen. Es sah so aus, als wären sie aus einer kleinen Nebelwolke gefallen. Die Jugendlichen ließen ihre Ausrüstung fallen und liefen schreiend davon. Ich blieb wie versteinert stehen. Ich war in letzter Zeit schon vor zu vielen Dingen weggerannt. Stattdessen fragte ich die Kinder, wer sie seien.

Sie erzählten, dass sie die Kinder zweier Albaner seien, die vor ein paar Tagen nach England reisten, um dort eine erfolgreiche Verbrecherkarriere zu beginnen. Ich musste an mit einer Träne im Auge an Arnold Schwarzenegger und sein gleiches Ziel nachdenken. Der Arme. Was war nur aus ihm geworden. Ich erzählte den beiden Kindern meine Geschichte mit Arnie und die beiden Kinder sahen sich ängstlich an. Sofort teleportierten sie sich nach England, um ihre Familie zu warnen.

Ich blieb alleine im Haus zurück und hatte wirklich genug von alldem. Die Bahnstrecke war mittlerweile wieder repariert worden und machte ich mich per Bahn auf den Weg zurück in meine Heimat. Und was soll ich sagen? Schon wieder lief etwas schief. Der Zug rammte doch tatsächlich einen Elch und als der Fahrer das Tier wegschaffen wollte, um weiterfahren zu können, wurde er von Werwölfen zerfleischt. Ja, Werwölfe. Wieder einmal stellten sich mir Hunde in den Weg. Ich hatte genug. Mit Hilfe meiner enormen Kampfkünste haute ich den Werwölfen so lange auf die Nase, bis sie verängstigt das Weise suchten.

Ich wollte es mir daraufhin in dem leeren Zug gemütlich machen. Alle anderen Insassen waren entweder tot oder geflohen. Ich hatte meine Ruhe. Ein Zug ist nun nicht gerade klein und so beschloss ich, von nun an in dem Zug zu leben. Ich verbarrikadierte Fenster und Türen und riegelte mich vollständig von der Außenwelt ab. Ich errichtete mir sozusagen einen eigenen, überirdischen Bunker. Die ersten paar Tage lief auch alles glatt. Ich fühlte mich wohl. Doch dann schien die Vereinsamung meine Gedanken zu übermannen, denn auf einmal sprach eine dämonische Stimme zu mir, die mir befahl, eine linke Studentenhure umzubringen. Da ich nicht verstand, wen der Dämon damit meinte, - im Zugbunker gab es weder Studenten noch Huren - bereitete ich alles darauf vor, mein neues Heim wieder zu verlassen.

Gerade, als ich gehen wollte, stellte sich jedoch heraus, dass ich meine Entscheidung ein paar Stunden zu spät getroffen hatte. Offenbar hatte das Bahnunternehmen genug von meinem die Strecke blockierenden Bahnbunker und ein paar Killer auf mich angesetzt, um mich zu beseitigen. Das fand ich alles andere als nett. Die Killer interessierten sich auch überhaupt nicht dafür, dass ich gerade sowieso gehen wollte. Man wurde fürs Töten bezahlt und wollte sein Geld auch bekommen. Da es sich hier tatsächlich einmal um echte Profis handelte, fiel es mir auch alles andere als leicht, sie mit meinen Kampfkünsten zu überwinden. Nach einem langen Kampf schien ich zu verlieren, als die drei Männer plötzlich zusammensackten und sich die Ohren zuhielten.

Was war geschehen? Ein Komet flog nur haarscharf an der Erde vorbei. Als er die Atmosphäre streifte, schien das dabei entstehende Geräusch eine merkwürdige Wirkung auf manche Menschen zu haben. Ich war zum Glück nicht betroffen, doch als sich meine Gegner von dem Geräusch erholt hatten, schienen sie wie ausgetauscht. Sie standen einfach auf und verließen mein Heim. Sie schienen sich für nichts mehr zu interessieren. Wie von einem Gehirnpilz angetrieben, streiften sie durch den Wald und kamen erst nach vielen Minuten zum Stehen. Ich hatte sie verfolgt, da ich der ganzen Sache auf den Grund gehen wollte, doch als sie sich einfach vor mir auf den Boden legten und dort einschliefen, begann ich schnell, mich zu langweilen.

Ich machte mir auch eher Sorgen wegen des Kometen, schließlich wusste ich zu diesem Zeitpunkt nichts Genaueres über ihn. Würde er die Erde treffen? Waren das die letzten Sekunden meines Lebens? Ich sah zum Himmel und staunte nicht schlecht, als plötzlich eine Frau, die obenrum nichts trug, über mir durch die Luft flog. Eine Superheldin? Unglaublich! Sie flog direkt auf den Kometen zu und schlug mit geballter Faust auf ihn ein. Der Komet änderte seine Richtung. Die Erde war gerettet. Leider weiß ich nicht, wie die Heldin hieß. Ihren Namen habe ich nie erfahren. Ich kann mich nur noch an ihre Brüste erinnern.

Ich machte mich wieder auf den Weg nach Hause, doch als ich an der nächstgelegenen Bahnstation ankam, durfte ich schockiert feststellen, dass kein Mensch mehr um mich herum existierte. Was war hier nur geschehen? Lag es am Kometen? Waren die Menschen geflohen? Hatte ein Virus die Menschen ausgerottet? Ein explodiertes Atomkraftwerk? Die Straßen waren leer, kein Auto war auszumachen, kein Geräusch zu vernehmen. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Der letzte Mensch auf der Erde? Was sollte ich tun? Ich setzte meinen Weg nach Hause fort.

Dort angekommen, errichtete ich einen riesigen Zaun um mein Haus herum, um mich vor vielleicht doch noch existierenden und vor allem bösen Menschen zu schützen. Nein Jahre lebte ich in diesem Haus und verließ es nur, um hin und wieder einen sich scheinbar immer wieder selbst auffüllenden Supermarkt zu besuchen und mich dort mit Rationen einzudecken. Ich hatte schon längst aufgegeben, jemals wieder auf Menschen zu treffen. Selbstverständlich wurde ich dann doch überrascht, leider nicht von einem Menschen, sondern von einer aggressiven Kreatur, die rein vom Körperbau her vermutlich mal ein Mensch gewesen war. Ich fing es ein und kettete es in meinem Garten an, nur um daraufhin festzustellen, dass es seine Freunde rief. So sah ich mein Haus schon bald von bösen Kreaturen umzingelt. Wieder sah ich keinen Ausweg. Und wieder wurde ich gerettet.

Nicht von meinen Kampfkünsten, sondern von einem ungewöhnlich starken Mann. Dieser war so stark wie zehn Männer auf einmal, leider aber so dumm wie ein Einjähriger. Er konnte mir nicht sagen, woher er kam oder warum er hier war. Doch eigentlich war mir das auch egal. Er war da und kam mit diesen blöden Monsterdingern ganz alleine klar. Er vermöbelte sie, bis keines mehr übrig war. Ich war gerettet. Und hatte einen neuen Freund gefunden. Der leider nicht ganz helle war. Und sich nicht wirklich an menschliches Verhalten gewöhnen konnte.

Da die Monster verschwunden waren, kamen auch endlich die ersten Menschen wieder zurück aus ihren Löchern gekrochen. Die Zivilisation kehrte zurück. Ich tat das einzig logische und schickte meinen dummen Freund zu einem Psychoanalytiker, um sein Verhalten analysieren zu lassen. Der Psychoanalytiker schien jedoch mit der Situation überfordert zu sein, der er und mein Freund die ganze Zeit über aneinander vorbei redeten. Das war äußerst anstrengend anzuhören. Also wandte ich den beiden irgendwann den Rücken zu. Sie interessierten mich nicht mehr. Ich hatte ja nichts mit ihnen am Hut. Der starke Mann war schließlich nicht sein Sohn, auch wenn er sich wie ein kleines Kind verhielt.

Offenbar hatten jedoch andere Kinder von dem Mann erfahren und wollten nun alles über ihn wissen. Als sie herausfanden, dass ich mit ihm in Kontakt gestanden hatte, statteten sie mir in meinem Heim einen Besuch ab und wollten mich über ihn ausfragen. Selbstverständlich hatte ich kein Interesse daran, Kindern etwas über Dinge zu erzählen, die sie nichts angingen. Die Kinder waren daraufhin sehr wütend. Die bewarfen die Fenster meines Hauses mit pinkfarbener Farbe und gingen mit Messern auf mich los. Warum man immer gleich so aggressiv sein muss, war mir schon immer ein Rätsel. Ich verteidigte mich gegen die Kinder, indem ich sie mit Badesalz bewarf. Die Kinder hassten nämlich Reinheit und Frische.

Das viele Badesalz sorgte übrigens für recht unangenehme Dämpfe in meiner Wohnung und obwohl ich am Ende alle Kinder vertrieben hatte, lag ich anschließend auf meinem Bett und sah viele bunte Farben vor mir auftauchen. Es war, als würde ich gerade in einem Kino sitzen und mehrere Filme auf einmal ansehen. Ein Bombenentschärfer unterhielt sich mit einer Geisterfrau über untreue Ehemänner, während eine Frau einen Mann anzündete und man im dabei entstehenden Rauch die Geschichte der Arche Noah sehen konnte. Das war wirklich überaus verwirrend. Zwar auch unterhaltsam, dennoch keine Erfahrung, die ich jeden Tag wiederholen will.

Nun gut. Irgendwann hatte ich meinen Badesalztrip hinter mich gebracht. Als ich mich von meinem Bett erhob, hatte ich erst einmal ganz viel Lust auf Ablenkung in Form lauter Gewaltmusik. Ich suchte die härteste Metal-CD, die ich finden konnte, startete sie und drehte die Musik so laut ich nur konnte. Es war ein wahrer Genuss. Bis sich herausstellte, dass ich versehentlich Musik gestartet hatte, mit der man während des Mittelalters Dämonen auf die Erde beschworen hatte. Das war mir nun wirklich unangenehm, denn auf einmal verwandelte sich meine gesamte Nachbarschaft in Dämonen und ging mir auf die Nerven.

Ganz besonders schlimm waren die Zombies, die sich daran erinnern konnten, einmal Menschen gewesen zu sein. Die waren ziemlich traurig darüber, nun als Zombies über die Erde wandern zu müssen und deswegen ganz geknickt. Sie schlurften vornüber gebeugt durch die Gegend, ließen ihr Haar über die Augen fallen, guckten traurig und bastelten sich kleine Ketten voller Rasierklingen. Um zu zeigen, wie schlecht es ihnen ging. Wie sehr mir diese emotionale Kacke doch auf die Nerven ging.

Um die Leute wieder ein bisschen aufzumuntern, rief ich schnell bei der nächstbesten Kirche an und ließ einen Priester kommen, um einen Exorzismus an den anwesenden Emo-Zombies durchzuführen. Der Priester war ein wenig merkwürdig, da er nebenbei als Stierkämpfer und Flamencotänzer tätig war, doch sollte man einen Menschen nicht aufgrund seiner Hobbies verurteilen. Der Priester leistete mir gute Dienste. Die Nachbarschaft war schon bald von ihrem Zombiedasein befreit und hatte endlich wieder Lust, auf gute, aufmunternde Musik.

Ich griff in mein CD-Regal, war alle Metal-Scheiben in den Müll und holte stattdessen einen Sampler voller Klaviergeklimper hervor. Damit kann man nun wirklich nicht viel falsch machen. Ja, so lauteten wieder einmal meine Gedanken. Ich hatte noch immer nichts gelernt. Als ich die CD startete, kam plötzlich ein maskierter Mann in meine Wohnung gerannt, schlug mich nieder und verschleppte mich in ein Lagerhaus. Dort ernährte er mich mit merkwürdigen Getränken und irgendwie verstand ich so langsam überhaupt nichts mehr.

Meine Verwirrung war es dann auch, die mich so langsam erkennen ließ, dass ich mich gerade in einem unglaublich komplexen Traum befand. Ja, ich erkannte endlich, dass ich träumte. Und so nahm ich mir vor, in den Traum einzugreifen. Das klingt jetzt zunächst einfacher, als es dann letztendlich ist. "Dreh doch einfach die Zeit zurück.", dachte ich. Am Ende stand ich dann mir selbst gegenüber und unterhielt mich mit mir über meinen total bescheuerten Traum. Bis dann auf einmal mein Handy klingelte und ich mich selbst am Apparat hatte. Ich teilte mir selbst mit, meinen Traum bereits geträumt zu haben.

All das war noch verwirrender als alles, was zuvor geschehen war. Ich hatte keine Lust mehr und wollte aufwachen. Auch das klang letztendlich einfacher, als es dann am Ende ist. Ich versuchte, mir Schmerzen zuzufügen, um so in der echten Welt aufzuwachen. Ich ließ mich von Kindern abstechen, von Geisterfrauen erschrecken, von Hexen in Öfen verbrennen und von Kürbissen köpfen. Nichts zeigte eine Wirkung. Ich griff so tief ich nur konnte in die Trick- und Ideenkiste. Doch ich wachte einfach nicht auf.

Am Ende gab ich mich geschlagen. Ich teleportierte mich in eine Wüste und wanderte dort ziellos umher. Ich hatte keine Lust mehr auf aufregende Ereignisse. Ich wollte meine Ruhe haben und für mich alleine sein. Ich wanderte schier endlos lange herum, bis ich plötzlich in der Ferne ein verlassenes Polizeiauto herumstehen sah. Ich ging darauf zu, erreichte es, öffnete die Tür, setzte mich hinein, schloss die Tür, stellte den Sitz so weit wie möglich zurück, schloss die Augen und wachte endlich wieder auf.

Es versteht sich von selbst, dass nicht genau weiß, was ich von der ganzen Sache halten soll. Ich habe schon viele komplexe Träume gehabt, doch das hier war nun wirklich etwas ganz besonderes. Lag es am Fantasy Filmfest 2015? Ich bin mir nicht sicher. Vermutlich hatte mein Gehirn einfach zu viel von all den Filmen, von all den Ideen und all den verrückten Dingen, die mir in den letzten elf Tagen so begegnet waren.

Wie auch immer. Das war mein Traum. Das war die Nacht nach dem Fantasy Filmfest 2015. Ich bin sehr verwirrt. Aber ich bin auch genauso zufrieden.
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Sven Himmen