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Fernsehlandschaft - #7 - Kontrolleure
Das Fernsehen. Unendliche Weiten. Dies ist das Logbuch... ach ne. Das ist albern. Darum mache ich es kurz: Im Fernsehen laufen nicht nur intelligente Sendungen, sondern auch diverse das Gehirnvolumen verringernde Dummheitsbakterien herum. Über diese möchte ich hier schreiben. Dafür habe ich mich auf eine Reise durch die Fernsehlandschaft begeben und mir alles angeguckt, was es anzugucken gab. Man möchte ja nicht über etwas lästern, was man gar nicht kennt. Dabei bin ich auf interessante Funde gestoßen, die ich in dieser kleinen Serie bloßstellen möchte. Am Ende jedes Textes habe ich übrigens das beschlossen, was jeder Fernsehlästerer beschließen sollte: Den Blödsinn einfach nicht mehr einschalten, einmal Lästern reicht und sich eine Existenz auf der Dummheit und Ignoranz anderer aufzubauen ist auch nicht das Wahre. Danach ging es mir wirklich besser. Und noch etwas: Es gibt auch gute Sendungen im Fernsehen!

Ordnungshüter haben es nicht leicht. Immer, wenn sie in Aktion treten, muss jemand darunter leiden. Ob dies nun gerechtfertigt ist oder nicht, interessiert den Gestraften in der Regel auch nicht. Es wird gemeckert und beim nächsten Stammtisch darüber gelästert, dass immer die falschen kontrolliert werden.

Um der Lästerei entgegen zu treten hat sich das Fernsehen dazu entschlossen, den Ruf der geplagten Berufsgruppe wieder in ein rechtes Licht zu rücken. So begleitet man sie bei der Ausübung ihres Berufs, um ihren stressigen Alltag darzustellen.

Und wie stressig es da doch so zugeht! Da wird auf der Frankfurter Einkaufsmeile herumspaziert und nach Übeltätern Ausschau gehalten, die ihre Zigaretten einfach auf den Boden fallen lassen! Selten habe ich im Fernsehen spannendere Spektakel genießen dürfen. "HA! Da hat er wieder einen erwischt! Mal sehen, mit welch lockerem Spruch er den Täter diesmal zurechtweist!" Selten lassen mich Ereignisse dieser Art ruhig auf dem Sofa sitzen. Die Alltagsspannung reißt mich förmlich mit, sodass ich dem Geschehen angespannt folge.

Natürlich wird nicht nur Müll aufgesammelt. Es werden Fahrkarten kontrolliert, Fahrzeuge konfisziert, Falschparker abgeschleppt und alte Damen mit nicht angeleinten Hunden ausgeschimpft. Jede Aktivität hat ihre eigene Sendung und versucht über diese, dem Zuschauer Werte zu vermitteln, die ihn gar nicht interessieren.

Genauso wie die lockeren Sprüche der Ordnungshüter. Es erweckt den Eindruck, die Teilnehmer würden hinter den Kulissen einen Wettbewerb darüber abhalten, wer während einer Sendung die meisten und unterhaltsamsten Sprüche von sich gibt. Zumindest habe ich keine andere Erklärung dafür, weshalb die Protagonisten andauernd unauffällig in die Kamera linsen, während sie breit grinsend ihre Rohrkrepierer auf die Zuschauer niederregnen lassen.

Doch nicht nur im Floskelbereich können unsere Kontrollfreunde die Klappe nicht halten. Sie reden offensichtlich auch im Allgemeinen sehr gerne und viel, weshalb sie alles, was sie machen, noch einmal extra kommentieren und beschreiben müssen. Da geht der Herr vom Amt auf die Wohnung seiner heutigen Zielperson zu, öffnet den Gartenzaun und klingelt, während er folgendes erzählt. "So, da vorne wohnt mein nächster Besuchstermin. Ich gehe jetzt zur Tür und gucke, ob jemand da ist. Erst mal das Gartentor öffnen. So. Ich klingel dann mal. Ah, da höre ich bereits jemanden. Es scheint also jemand da zu sein. Glück gehabt. Mal sehen wie das ausgeht." Und so geht es die ganze Zeit über weiter. Entweder hat da jemand ein Sprach- oder besser Schweigeproblem oder aber man möchte die Sendung auch für Blinde interessant machen, indem man sie parallel als Hörspiel vertont.

Insgesamt verfolge ich die Alltagsdokumentationen jedoch mit großem Desinteresse. Zunächst einmal weiß man wieder nicht, was da jetzt alles echt und was abgesprochen ist. Und dann hat man es letztendlich eben nur mit dem Alltag einiger Menschen zu tun, die es geschafft haben, mit diesem ins Fernsehen zu kommen. Und mit Alltäglichem habe ich abseits des Fernsehers schon genug zu tun.

Jedoch bin ich wohl einer der wenigen Menschen, die sich nicht für diese Sendungen interessieren, denn mittlerweile gibt es wirklich über jeden Arbeitsbereich eine eigene Sendung und jeder Berufszweig will bestaunt werden, ohne auch nur die geringste Spannung erzeugen zu können. Doch es scheint zu funktionieren. Man darf nämlich nicht die menschliche Freude am Unglück anderer vergessen. Denn was macht mehr Spaß, als über die verärgerten Gesichter der Geschnappten zu lachen, die versuchen, sich aus den Missgeschicken herauszuwinden und dabei Argumente bringen, die nicht den geringsten Sinn ergeben. Viele Lacher vergessen zwar, dass sie sich in Situationen wie diesen genauso verhalten würden, doch wer gesteht sich schon solche Fehler ein? Und außerdem ist das eine ganz andere Geschichte über die es sicherlich in naher Zukunft ebenfalls eine Dokumentation geben wird.
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Sven Himmen