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Hektik Stadt Ruhe
Immer dieser Stress zu Hause. So viel zu tun und so wenig Zeit. Man weiß ja gar nicht mehr, wo einem der Kopf steht. Also eigentlich schon. Auf dem Hals. Aber das sagt man halt so. Egal. Ich brauche Abwechslung. Raus aus den eigenen vier Wänden und rein in die Welt hinter den Fenstern. Ein Spaziergang durch die Stadt ist jetzt genau das Richtige. Durch die Straßen schlendern und entspannen. Ja, das werde ich machen.

Was hängt denn da aus meinem Briefkasten? Die evangelische Kirche will Geld von mir. Wie kommen die auf die Idee, ich hätte etwas abzugeben? Da könnte ja jeder kommen. Nein, besser nicht. Ich will nicht, dass andauernd jemand bei mir klingelt. Der katholischen Kirche habe ich gestern auch nichts gegeben. Man möchte ja fair sein. Also in den Müll damit.

Da ist die U-Bahnstation. Nur noch über die Gleise und... was blendet mich denn da? Was ist das auf dem Boden? Ein blinkendes Etwas strahlt mir grell in die Augen. Rot, aus, rot, aus, rot, aus. Eine U-Bahn fährt an mir vorüber. Wegen all der Unfälle an dieser Station hat man tatsächlich Lampen in den Boden gesetzt, um unaufmerksame Menschen vor Zügen zu warnen. Die Ampel wurde ebenfalls umgebaut. Es gibt keine grüne Lampe mehr. Die Grüne wurde durch eine zweite Rote ersetzt. Merken: Ist die Ampel aus, nicht sofort die Schienen überqueren, sondern erst einmal nachsehen, ob sie nicht nur defekt ist. Gefährlich. Ich mag grün.

Wann kommt meine U-Bahn? Die Anzeigetafel sagt: Noch drei Minuten. Darunter ein Hinweis. Unbeaufsichtigte und auffällige Gepäckstücke sollen sofort gemeldet werden. Eine Telefonnummer wird eingeblendet. Terrorismuswarnung. Und das vor der eigenen Haustür. Ich bekomme Angst. Hoffentlich löst das keine Panikeinkäufe in der dummen Gesellschaftsschicht aus. Ich muss später noch Wasser kaufen. Neben mir sitzt ein Mädchen mit einer pinken Handtasche. Sehr auffällig, dieses Gepäckstück. Ich überlege, wo sich mein Mobiltelefon befindet. Ich sollte die Tasche melden. Sicher ist sicher. Oh, da kommt die Bahn.

Zwei Stationen noch. Was ist das? Etwa fünf Polizisten umringen ein paar Mitbürger. Die Polizisten sind gut ausgerüstet. Schlagstöcke und Schusswaffen, alles da. Ich fühle mich sicher, bin schließlich noch in der U-Bahn und muss somit nicht an den Polizisten vorbei. Auffällige Gepäckstücke sind mir jetzt aber keine aufgefallen.

Endlich da. Zunächst zur Post. Ich muss einen Brief wegbringen. Die wartende Menschenschlange ist zwar nicht lang, dennoch drängeln sich zwei Personen vor. Beide mit den Worten: "Ich habe nur eine kurze Frage." Ich würde gerne Antworten: "Ich habe nur einen kurzen Brief." Aber ich sage nichts. Ich kann warten. Als ich an der Reihe bin, fragt mich der Postmann, ob ich meinen Stromanbieter schon gewechselt habe. Ich frage: "Wieso?" Er antwortet: "Weil wir billiger sind." Er redet über Gelb, Monatsbeiträge, zwei Euro weniger, gibt mir einen Informationszettel und schreibt seinen Namen darauf. Ich müsse bei ihm wechseln, damit es so günstig ist. Ich nicke und bedanke mich. Für die Annahme des Briefs, nicht für den Zettel.

Ich habe Durst. Da vorne ist ein Supermarkt. Ich betrete ihn und werde am Eingang von Menschen mit roten Mützen erwartet. Sie möchten sich mit mir über Lebensretter, Notdienste und Rettungstransporte unterhalten. Ich mich aber nicht mit ihnen. Ich gehe doch nicht zu den Getränken, sondern verlasse den Supermarkt. Und die Stadt.

Wieder zu Hause. Puh. An die Arbeit. Ich will entspannen. Wasser kaufe ich morgen.

(26.11.2010)
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Sven Himmen