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Ein Lüdenscheider in Frankfurt - #2 - Die Berge
Hatte ich in meinem letzten Text das Verschwinden der Armmuskulatur während meines Frankfurtaufenthalts beschrieben, widme ich mich heute dem Muskelverlust in der Beingegend. Denn auch in dieser Hinsicht scheint Frankfurt im Gegensatz zu Lüdenscheid eher für faule Menschen geeignet zu sein.

Wenn ich damals der Lüdenscheider Innenstadt einen Besuch abstatten wollte, stellte das für mich kein großes Problem dar, hatte ich doch nur einen etwa fünfzehnminütigen Fußweg zurückzulegen. Wurde ich jedoch von Besuch aus der Region in und um Frankfurt herum begleitet, vernahm ich stetiges Geächze und Gestöhne. Und das nicht nur wegen des wie immer miserablen Wetters, sondern auch wegen der Berge.

Betrachtet man die Höhenangaben beider Städte, so liegt Lüdenscheid an seinem niedrigsten Punkt etwa 100 Meter höher als Frankfurt. Am höchsten Punkt sogar über 400 Meter. Dass Höhenunterschiede von bis zu 300 Metern auf einer Fläche von etwa 90 km² den einen oder anderen Berg hervorbringen, war einigen meiner Gäste offensichtlich nicht bewusst. Und so schleppte man sich nörgelnd von Berg zu Berg, blieb währenddessen immer wieder kurz stehen, um durchzuatmen und aus ehemals lockeren fünfzehn Minuten wurde eine zähe halbe Stunde. Es kam mir so vor, als wäre mein Besuch ein großer, ausgespuckter Kaugummi, der mir unter dem Schuh klebte und meine Schritte verlangsamte.

In Frankfurt durfte ich dann am eigenen Leib erfahren, worin die Nörgelei begründet lag. Die höchsten Berge, die man hier überwinden muss, sind die Wege in die oberen Etagen großer Geschäfte. Und dort gibt es Rolltreppen. Natürliche Berge oder auch nur Bodenerhöhungen sucht man vergebens.

Nicht einmal der Stadtteil "Frankfurter Berg" wird seinem Namen gerecht. Wenn das einen Berg darstellen soll, liegt Lüdenscheid in den Rocky Mountains. Mittlerweile kann ich verstehen, warum die Lüdenscheider Bergwelt einen Neuling ins Schwitzen bringt. Man ist vollkommen verweichlicht.

Um einen solchen Weichzustand zu vermeiden, gehe ich, wenn ich meine Heimat besuche, zur Kontrolle mindestens einmal in die Stadt. Dabei darf ich dann erfreut feststellen, dass ich trotz des ebenen Frankfurter Bodens meine Kondition nicht verloren habe. Ich meistere meinen Fußweg auch heute noch problemlos. Das beruhigt mich.

Meine Begleitung hat sich übrigens ebenfalls nicht verändert. Die jammert nämlich weiter.

(08.07.2009)
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Sven Himmen