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Ein Lüdenscheider in Frankfurt - #12 - Umfragen
Ich denke immer wieder gerne an Lüdenscheider Stadtbesuche vor meinem Umzug zurück. Nein, im Bereich der Geschäftsauswahl kann Lüdenscheid nicht mit Frankfurt mithalten. Aber wer erwartet das auch schon?

Die Lüdenscheider Innenstadt hatte dennoch einen großen Vorteil: Die Ruhe. Und damit beziehe ich mich nicht nur auf die fehlenden (oder nur in geringem Maße auftauchenden) Straßenmusikanten, über die ich bereits in einem meiner vorherigen Texte berichtete. Mir geht es vor allem um den Ruheluxus, nicht angesprochen zu werden. In Frankfurt sieht man sich nämlich schnell mit einem Problem konfrontiert: Umfragen.

Immer wieder taucht plötzlich aus dem Nichts ein Grinsegesicht auf und fragt, ob man kurz Zeit hätte. Die wichtigste Regel in dieser Situation lautet: Nicht reden, weiter gehen. Wer sich einmal auf ein Gespräch mit den Fragern eingelassen hat, kommt nur schwer wieder von ihnen los. Es ist schon störend genug, mindestens einmal im Monat Telefonumfragen abwimmeln zu müssen, damit jetzt aber auch noch auf der Straße konfrontiert zu werden, nervt.

Es gibt auf der Zeil ein paar Stellen, an denen grundsätzlich einige mit Stift, Papier und Schreibbrett bewaffnete Fragemonster auf ahnungslose Opfer warten. Erfahrene Frankfurter kennen diese Orte zwar und wissen, sie zu umgehen beziehungsweise zu ignorieren, Neulinge dagegen tappen schnell einmal in die Fragenfalle, aus der es nur schwer ein Entkommen gibt.

Die Besonderheit an Frankfurter Umfragen ist, dass sie häufig auf der Straße nur eingeleitet werden. Der Befragte soll dem Frager nach einer kurzen Vorstellung des Themas in ein angrenzendes Gebäude folgen. Dort sitzt man dann zusammengepfercht mit anderen Menschen (die auch nicht "nein" sagen konnten), wird ausgefragt und bekommt aus Dank für die geopferte Zeit und die beantworteten Fragen eine Packung Filzstifte geschenkt. Das lohnt sich doch.

Mittlerweile habe ich für Umfragen einen Ignoranzblick entwickelt. Irgendwann erkennt man die Frager schon von weitem und geht nur noch kopfschüttelnd an ihnen vorbei. Sollte ich aber mal wieder eine Packung Filzstifte benötigen, weiß ich wenigstens, wo ich hingehen muss.

Nur einmal habe ich mich darüber geärgert, ein Umfrageangebot abgelehnt zu haben. Ein Mann erkundigte sich, ob ich an einer Umfrage teilnehmen wollte, ich schüttelte den Kopf, ging weiter und durfte vernehmen, wie er mir noch hinterherrief, dass man einem Teilnehmer zehn Euro in bar auszahlen würde. Nur meine Ehre hinderte mich daran, sofort umzukehren und dem Mann alles zu erzählen, was er wissen wollte. Geld ist nicht alles. Ärgerlich ist es trotzdem.

(18.07.2009)
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Sven Himmen