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Der Kampf gegen eine Sucht
Hallo, ich bin Sven.

Hallo Sven.

Und ich habe seit eineinhalb Wochen nicht mehr getrunken.

Applaus.

Danke. Aber vielleicht sollte ich einmal erklären, wie es dazu kam:

Ich sitze eigentlich den ganzen Tag zu Hause vor dem Computer. Aus beruflichen, sowie aus privaten Gründen. Und da trinkt man eben gerne mal einen Schluck. Und da man sich zu Hause wohl fühlt, können aus einem einzigen Schluck auch schnell mal mehrere werden. Man achtet einfach nicht mehr so auf sich selbst, stürzt sich in Arbeit, lenkt sich ab und irgendwann ist der Tag dann plötzlich vorbei und man muss feststellen, dass man die ganze Zeit über nichts anderes getrunken hat.

Natürlich macht man sich dann Vorwürfe und möchte sich ändern. Das Gewissen redet einem ein, dass dieses Verhalten alles andere als Gesund sein kann. Ein, zwei Tassen am Tag sind ja in Ordnung. Aber ein, zwei Kannen? Nein. Das kann einfach nicht gut sein. Und so beschließt man, sich zu ändern. Diesen Gedankengang kennen doch sicherlich viele hier, oder?

Oh ja, Sven. Den kennen wir alle.

Aber wie das so ist: Am nächsten Morgen wacht man auf, ist vollkommen übermüdet, hat sein Vorhaben vom Vortag vergessen und setzt sich doch wieder einen auf. Egal, wie lange und gut man geschlafen hat, der erste Gedanke am Morgen richtet sich immer in Richtung Maschine und Kanne. Die Vorfreude macht einen ganz zittrig, man greift zur Tüte, legt sie sanft in die Maschine, füllt das Pulver hinein (ein voller Löffel pro Tasse und am Ende noch einen für den Geschmack), zum Schluss das Wasser dazu und sobald die Maschine das erste Gluckern von sich gibt, steigt die Vorfreude ins Unermessliche.

Oh je, ich gerate schon wieder ins Schwärmen. Aber es ist auch so unglaublich schwer davon los zu kommen. Die innere Befriedigung, die sich nach der ersten Tasse in einem breit macht, ist Motivation genug, sich schnellstmöglich eine weitere einzuschenken und so innerhalb kurzer Zeit die Kanne zu leeren. Und danach eine neue zu füllen.

Du hast ja so Recht, Sven. Das klingt alles sehr, sehr genussvoll!

Genug Geschwärme! Kommen wir besser zu den Nebenwirkungen! Bevor wir hier noch alle in unser altes Leben zurückfallen, nicht wahr? Haha.

Haha, Sven. Das ist lustig! Niemals wird uns das passieren! Haha!

Nach einiger Genusszeit beginnen also die Nebenwirkungen. Erst ist lediglich ein leichtes Grummeln aus der Magengegend zu hören, dieses wächst jedoch mit der Zeit zu einem lauten Gebrüll an, das einem zu verstehen gibt, dass das Getränk unten angekommen ist, ein paar Freunde kennengelernt hat und mit diesen wieder heraus möchte. Man eilt zur Toilette und scheidet den zuvor erlebten Rausch auf unschöne Weise wieder aus. Danach herrscht in einem gähnende Leere in Kombination mit argen Bauchschmerzen, die man am liebsten mit neu aufgesetztem Gebräu wieder schließen würde.

Aber seien wir ehrlich: Trotz dieser Nebenwirkungen hat man die Prozedur dennoch Tag für Tag durchgezogen. Man konnte ja auch nicht mehr anders. Der Körper hatte sich an das Morgenritual gewöhnt und forderte es täglich ein. Und wer stellt sich schon gegen den eigenen Körper?

Ja, Sven. Wer macht das schon?

Na, ich habe es getan. Ich und wir alle!

Applaus.

Und teilweise bereue ich es

Stille.

Größtenteils aber nicht.

Applaus.

Irgendwann war einfach der Punkt erreicht, an dem ich mir mein Leben nicht mehr von einem Getränk vorschreiben lassen wollte. Ich wollte mein Morgenverhalten selbst bestimmen. Also schwor ich ihm ab. Ich wollte ohne ihn weiter machen. Nicht für immer. Aber ich wollte erst einmal auf jeglichen Konsum verzichten, um danach wieder auf ein geregeltes Normalmaß zu kommen.

Die ersten Tage waren die Hölle. Mein Körper schien vollkommen überfordert zu sein und äußerte seine Beschwerden mit Hilfe von Kreislaufproblemen. Mein Kopf rumorte, mein Körper rotierte und ich selbst lag auf dem Sofa und wusste nichts mit mir anzufangen. Es artete schon in Arbeit aus meine Augen offen zu halten. Ich hätte den ganzen Tag über schlafen können und jetzt, wo ich noch einmal darüber nachdenke, tat ich das auch. Zwischendurch verließ ich auch mal die Wohnung und erhoffte Besserung durch frische Luft. Leider traf diese zwar ein, blieb aber nicht lange. Ich fühlte mich unwohl. Und mein Körper drängte mich dazu, die Maschine wieder einzuschalten, um da weiter zu machen, wo ich aufgehört hatte. Fast wollte ich seiner Bitte Folge leisten. Doch immer wieder riss ich mich zusammen.

Nur einmal wurde ich schwach. Das war am Abend des zweiten Tages. Ich war müde, ausgelaugt und schlapp, wollte mich aber noch nicht ins Bett oder auch den Rest des Tages verschlafen. Also griff ich zum Kühlschrank und trank ein Glas gefüllt mit einem Energy Drink. Das Resultat war erschreckend, denn es half mir auf die Beine und ich fühlte mich deutlich besser. Dies war zwar zu diesem Zeitpunkt angenehm, gleichzeitig aber auch Grund genug auch Energy Drinks von meinem Ernährungsplan zu streichen. Koffeinfreie Tage standen vor mir und ich wusste noch immer nicht, ob die Entscheidung gut war.

Glauben die hier Anwesenden, dass die Entscheidung gut war?

Oh ja, Sven, das war sie!

Danke. Das habe ich jetzt gebraucht.

Bitte, Sven. Kein Problem.

Nach einigen Tagen voller Entzugserscheinungen, Maschinenträumen und Müdigkeit hatte sich mein Körper am Ende der ersten Woche langsam wieder unter Kontrolle. Die Müdigkeit ging zurück, meine Suchtgedanken versanken und so fasste ich den Entschluss, eine weitere konsumfreie Woche anzuhängen. Warum auch nicht? Ich wollte mich innerlich reinigen. Und ein wenig wollte ich mir auch etwas beweisen. Und zwar, dass ich von nichts abhängig werden muss, solange ich es nicht will.

Und heute kann ich sagen, dass es funktioniert hat. Es ist Mittwoch, ich habe eineinhalb Wochen durchgestanden und der Rest der Woche wird wohl problemlos zu überwinden sein. Mein Leben ist nicht besser geworden aber ich fühle mich gut. Es war erschreckend, wie mein Körper auf Abwesenheit eines Suchtstoffes reagierte. Ich fühlte mich wirklich mies.

Nächste Woche werde ich meinen Konsum dann wieder auf ein normales Niveau hochfahren. Schließlich ist ein Morgen ohne Kaffee kein gemütlicher Morgen. Und schmecken tut er ja auch. Nur zu einer Droge möchte ich ihn nicht mehr werden lassen.

Du bist der Größte, Sven!

(27.01.2010)
Diese Seite existiert seit dem 28.01.2001.
Sven Himmen