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Computerkurs in 10 Akten
Akt 0

1: Sehr geehrte Damen und Herren. Ich begrüße sie zu unserem heutigen Computerkurs. Ziel der Veranstaltung ist es ihre Fragen zu beantworten und sie so der Materie Computer und Internet etwas näher zu bringen. Jeder von ihnen hat nun die Möglichkeit mir Fragen zu stellen und ich werde mein bestes tun, sie zu beantworten. Ohne langes Gerede möchte ich auch gleich beginnen. Wer hat eine Frage? Ja, der Herr dort drüben.

0: Ich habe ein Problem.

1: Nun, darum sind sie ja auch hier.

0: Genau. Mein Internet geht nicht.

1: Was soll das heißen, ihr Internet geht nicht? Haben sie sich ein eigenes gebaut? Haha, tut mir leid. Informatikerhumor. Was ich ihnen damit sagen wollte ist: Das Internet ist ganz bestimmt nicht kaputt. Dass das Internet einfach so kaputt geht, ist sehr unwahrscheinlich. Wenn schon, dann können sie nicht auf das Internet zugreifen. Wenn ich sie in einen Raum einsperre, ist die Außenwelt ja auch nicht weg. Sie kommen nur nicht mehr hin. Und so ist das auch mit dem Internet.

0: Und wie komme ich da jetzt wieder hin?

1: Kamen sie denn jemals mit ihrem Rechner ins Internet?

0: Ja, bis gestern. Dann plötzlich nicht mehr.

1: Was haben sie denn verstellt?

0: Gar nichts.

1: Sie lügen.

0: Nein.

1: Das glaube ich aber doch.

0: Nein.

1: Nun, dann lassen sie mich mal folgendes erklären: In der Regel passiert es bei Computern nicht von alleine, dass etwas nicht mehr funktioniert. Natürlich kommt das auch mal vor, bei ihren Rechnern ist dies aber eher unwahrscheinlich, da sie sie auf vergleichsweise simple Art und Weise nutzen und lediglich an der Oberfläche ihrer Möglichkeiten kratzen. Die Funktionen, die sie ausführen, bringen keinen Computer ins Schwitzen. Der einzige Grund, warum etwas nicht mehr funktioniert, sind in der Regel sie selbst: Haben sie vielleicht etwas ausprobiert? Einstellungen verändert?

0: Nein.

1: Dann lassen sie mich mal sehen.

[Kurzes Herumgeklicke]

1: Ah ja, da haben wir doch den Fehler. Sie haben ihr WLAN deaktiviert. Das passiert definitiv nicht von alleine. Sie waren also in den Netzwerkeinstellungen.

0: Oh, jetzt wo sie das sagen. Das kann schon sein.

1: Warum belügen sie mich?

0: Das war keine Absicht.

1: Kennen sie sich mit Computern aus?

0: Selbstverständlich! Ich benutze sie schließlich!

1: Daraus schließe ich, dass sie sich NICHT auskennen. Wie kamen sie also auf die Idee, sich in den Netzwerkeinstellungen ihres Computers auszutoben?

0: Och, ich habe mal gesehen, dass man da Fehler beheben kann.

1: Wann haben sie das gesehen?

0: Vor zwei Wochen. Da war das Internet nämlich ebenfalls kaputt und...

1: Es war nicht kaputt. Sie kamen nicht rein.

0: Wie auch immer. Da gab es einen Fehler am Router. Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Jedenfalls hat da mein Sohn meinen Rechner mit einem Kabel an den Router angeschlossen und Einstellungen vorgenommen. Habe ein wenig dabei zugesehen und mir eben gemerkt, dass er in den Netzwerkeinstellungen war.

1: Kennt sich ihr Sohn mit Computern aus?

0: Aber klar! Der kann alles!

1: Und es sah sicherlich cool aus, wie er da mit Kabeln hantierte und durch Einstellungen flog, richtig?

0: Absolut.

1: Und sie wären auch gerne so cool?

0: ...

1: Was haben sie gestern gemacht?

0: Ja, gut. Das Internet war ein wenig langsam. Und da dachte ich, dass ich das vielleicht wieder schneller machen könnte. Also habe ich mir ein Kabel geschnappt, mich mit dem Router verbunden und ein wenig rumgeguckt. Wie mein Sohn letztens. In den Netzwerkeinstellungen gab es dann einen Menüpunkt, der irgendwie was mit Internet im Namen hatte. Da bin ich dann draufgegangen und habe ein paar Sachen getestet.

1: Warum haben sie das getan? Sie haben doch gar keine Ahnung von Netzwerken! Zumal doch eigentlich alles lief! Dass die Internetverbindung mal ein wenig langsam ist, kann doch mal passieren. Das hat ihnen ihr Sohn doch sicherlich auch schon erzählt. Kann es sein, dass sie einfach nur nach einem Grund gesucht haben, die coole Verkabelung zu imitieren? Glauben sie wirklich, vom einmal über die Schulter gucken lernen sie alles, was sich ihr Sohn vermutlich über Jahre angeeignet hat?

0: Aber ich sitze doch auch schon viele Jahre an einem Computer.

1: Es geht aber nicht nur darum, sich vor diese Dinger zu setzen. Man muss sich mit der Materie auseinandersetzen. Man muss verstehen, wie die Geräte funktionieren. Und das ist ein Haufen Arbeit, der eine Menge Zeit und Geduld voraussetzt. Man geht nicht einfach in Menüs und klickt irgendwo rum, nur weil das andere so machen die sich damit auskennen und weil das toll aussieht. Sie müssen ehrlich zu sich sein und sich eingestehen, dass sie manche Dinge nicht verstehen. Ihr Sohn hat sicherlich auch nicht von allem eine Ahnung.

0: Können sie das Internet denn jetzt reparieren?

1: Das Internet reparieren? Sie meinen wohl... ach, vergessen sie´s. Ja, während wir gesprochen haben, habe ich die Einstellungen, die sie vorgenommen haben, wieder rückgängig gemacht.

0: Wie?

1: In den Netzwerkeinstellungen natürlich. Aber vergessen sie das bitte ganz schnell wieder. Gehen sie einfach nicht mehr in diese Einstellungen rein. Machen sie da nie wieder etwas drin. Sie kommen wieder ins Internet und das ist doch das Wichtigste. Am besten testen wir das jetzt einmal schnell.

0: Na gut.

1: Gehen sie mal auf eine Internetseite. Geben sie bitte "www.diepinguine.de" ein.

0: OK.

1: Und? Können sie die Seite aufrufen?

0: Welche muss ich denn nehmen?

1: Wie meinen sie das?

0: Naja, soll ich einfach auf die erste klicken?

1: Ich verstehe wirklich nicht, was sie von mir wollen. Zeigen sie mal her...

[Gucken]

1: Was machen sie denn da? Warum haben sie die Adresse bei Google gesucht?

0: Wieso? Sie haben doch gesagt, ich soll die eingeben.

1: Wie bitte? Sie sollten die Seite aufrufen!

0: Ja, mache ich doch gerade. Aber ich muss doch jetzt erst mal wissen, welche!

1: Sie geben Internetadressen bei Google ein?

0: Ja?

1: Meine Damen und Herren, wir machen eine viertel Stunde Pause. Ich muss auf die Toilette.

Akt 1

1: So, sind wieder alle anwesend? Schön. Die plötzliche Unterbrechung möchte ich entschuldigen. Ich musste nur dringend einmal weg. Natürlich nicht wegen ihnen. Egal. Zurück zum Thema. Der Herr hat gerade einen großen Fehler gemacht, der leider häufiger vorkommt, als mancher vermuten würde. Er benutzt nicht die Adresszeile des Browsers zum Besuchen von Internetseiten, sondern das Google-Suchfeld.

0: Wie meinen sie das, Fehler? So geht das doch, oder etwa nicht?

1: Nein, so geht das nicht. Ihnen scheinen offensichtlich nicht mal die Grundzüge der Internetnutzung bekannt zu sein. Und dennoch treiben sie sich in den Netzwerkeinstellungen ihres Computers herum. Das ist genau das Problem das ich bereits angesprochen habe. Anstatt sich erst einmal ein Grundwissen anzueignen, wühlen sie unkoordiniert in allem herum, was ihnen gerade einfällt. Es tut mir leid, wenn ich ein wenig gemein zu ihnen bin, sie scheinen es aber anders nicht zu begreifen.

0: Gemein sind sie wirklich.

1: Tut mir leid. Darum werde ich ihnen jetzt auch alles erklären. Internetadressen geben sie nicht hier unten in die Google-Suchleiste ein. Sehen sie die Leiste da oben? Dort tragen sie sie ein.

0: Und warum?

1: Weil die Adresszeile da oben dafür gemacht ist!

0: Aber es geht doch auch so!

1: Das mag ja sein aber lassen sie mich erklären: Google ist eine Suchmaschine. Über die Seite durchsucht man das Internet, um es mal etwas laienhaft zu formulieren. Tragen sie eine Domain, also Adresse dort ein, sucht Google eben nach dieser und zeigt ihnen mögliche Ergebnisse an. Übertragen bedeutet das folgendes: Nehmen wir an, sie möchten ihre Schwester anrufen. Natürlich haben sie ihre Telefonnummer. Dennoch rufen sie bei der Auskunft an und sagen ihr, sie möge ihnen doch alle Personen nennen, die den gleichen Namen wie ihre Schwester haben. Aus dieser Liste wählen sie dann die Person aus, die die gleiche Nummer wie ihre Schwester hat und lassen sich mit dieser verbinden. Sie gehen also einen Umweg und wenn sie mal jemanden anrufen möchten, der einen etwas verbreiteteren Namen hat, kann es schnell passieren, dass sie plötzlich mit dem Falschen verbunden werden.

0: Aha. Das ist ja sehr interessant. Aber ich glaube, ich habe das Problem verstanden.

1: Das ist schön. Haben sie sonst noch Fragen?

0: Oh ja. Ich habe da noch ein weiteres Problem.

1: Immer raus damit.

0: Ich habe mir vor einigen Tagen einen Festplattenrekorder gekauft, um meinen Videorekorder zu ersetzen. Leider habe ich ein Problem mit der Senderprogrammierung.

1: Und was habe ich damit zu tun?

0: Na, sie sind doch hier, um unsere Probleme zu lösen.

1: Wir reden hier aber nicht über ein Computerproblem.

0: Aber sie kennen sich doch mit Technik aus.

1: Ja, mit Computertechnik. Aber ich sehe schon, wo das Problem liegt, da diese Verwechslung häufig vorkommt. Sie verstehen nicht, dass Technik nicht gleich Technik ist. Nur, weil ich mich mit Computern auskenne, kann ich keine Festplattenrekorder reparieren. Dazwischen liegt nämlich ein großer Unterschied. Wenn sie einen guten Salat anrichten können, sind sie schließlich noch lange kein guter Schnitzelhersteller. Obwohl ja beides mit Essen zu tun hat.

0: Essen ist ein gutes Stichwort. Bieten sie sowas in ihrem Kurs an? Ich habe nach all der Zeit schon ein bisschen Hunger bekommen.

1: Aber ich versuche ihnen doch gerade etwas zu erklären.

0: Geht das nicht auch nach dem Essen?

1: Na gut. Draußen steht ein Tisch voller belegter Brötchen und etwas zu trinken. Wir treffen uns hier dann in einer viertel Stunde wieder.

Akt 10

1: Weiter im Text. Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, die Unterschiede unterschiedlicher Technikbereiche. Ich wiederhole es noch einmal: Bitte fragen sie Leute, die sich mit Computern auskennen, nicht nach Hilfe bei anderen Technikthemen. Man kennt sich nicht automatisch mit allem aus. Aber ich kann ihnen vielleicht doch einen guten Tipp geben, denn ich glaube, dass sie bei neuen Technikanschaffungen den gleichen Fehler begehen, wie bei ihren Computern.

0: Und der wäre?

1: Sie glauben, sie würden sich auskennen. Haben sie das Handbuch des neuen Gerätes gelesen?

0: Ich habe es nur grob überflogen.

1: Warum nur grob?

0: Naja, was soll da schon drin stehen? Ich kenne mich ja aus.

1: Sehen sie? Da liegen sie nämlich falsch. Sie kennen sich NICHT aus. Wir haben doch zuvor bereits erkannt, dass sie sich ihr Wissen nur einbilden. Warum übertragen sie ihre eingebildeten Fähigkeiten auch auf andere Bereiche? Sie wissen doch, dass sie am Computer häufig aufgeschmissen sind. Können sie sich das nicht mal selbst eingestehen? Wenn sie es anderen nicht sagen möchten ist das ihre Sache. Aber sich selbst muss man doch nicht belügen.

0: Das ist jetzt aber schon ein wenig hart, was sie da sagen.

1: Aber es ist doch die Wahrheit. Wenn sie sich etwas Neues kaufen ist das ja nicht schlecht. Aufgeschlossenheit neuen Dingen gegenüber begrüße ich sogar. Aber bitte gehen sie ehrlich an die Sache heran. Wissen sie, was ich als erstes mache, wenn ich mir ein neues Gerät kaufe?

0: Nein, was?

1: Ich setze mich hin und lese die Anleitung. In aller Ruhe. Normalerweise wird darin alles erklärt, was man wissen muss. Das Wichtigste aber ist, dass sie nicht einfach in irgendwelche Menüs gehen, dort nach Worten suchen, die zu ihrem Problem passen und darauf herumdrücken. Bewahren sie Ruhe, gehen sie koordiniert vor und wenn sie dann immer noch nicht weiterkommen holen sie sich Hilfe. Aber erwarten sie von der Hilfe nicht, dass sie einfach so alles versteht.

0: Können sie mir jetzt mit meinem Rekorder helfen oder nicht?

1: Nein, das kann ich nicht. Hören sie mir überhaupt zu?

0: Tut mir leid, ich war ein wenig abwesend. Mein Internet ist nämlich wieder kaputt.

1: Wie bitte?

0: Ich wollte mal eben nachgucken, was sie gerade in den Netzwerkeinstellungen gemacht haben. Da scheint wohl was schief gelaufen zu sein. Obwohl ich nichts verstellt habe.

1: Meine Damen und Herren, hiermit beende ich den heutigen Kurs. Leider ist unsere Zeit bereits abgelaufen.

0: Und mein Internetproblem?

1: Fragen sie doch ihren Sohn. Der kennt sich ja mit allem aus. Der kann ihnen dann auch gleich mit ihrem Rekorder weiterhelfen.

0: Danke für den Tipp. Darf ich sie weiterempfehlen? Ein Arbeitskollege hat nämlich ein Problem mit seinem Drucker.

1: Nein, das dürfen sie nicht.

(03.03.2010)
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Sven Himmen