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Genürsel 2013 - 43/52 - Schlaf
Genürsel 2013 - 43/52 - Schlaf

Ich schlage gerne und viel. Ich würde Schlagen schon fast als mein Hobby bezeichnen, als meine liebste Freizeitbeschäftigung. Oder so. Ich muss nur darauf achten, nicht wieder irgendwo einen meiner Lieblingstippfehler einzubauen. "Schlafen" und "Schlagen" verwechsle ich ziemlich gerne. Um mich daran zu erinnern, warum ich das nicht tun sollte, habe ich es in den ersten zwei Sätzen absichtlich getan. Menschen, die immer nur die ersten beiden Sätze eines Textes lesen, haben nun ein vollkommen falsches Bild von mir, was mir ziemlich egal ist, weil es sich ja nicht um ein Bild von mir handelt sondern um eine Fälschung, ich somit keines vermisse und nichts verloren habe. Wie mich das nun abschrecken soll, mögen spätere Kulturen entscheiden, die diesen Text im Innern einer Pyramide finden.

Was ich schon in Mengen verloren habe, ist Zeit durch Schlafen. Durch zu viel Schlafen, würde mancheiner sagen, der meine Schlafgewohnheiten kennt. Das tun aber nicht viele. Oder taten. Wer weiß schon, wie viele das hier lesen werden. Wenden wir uns aber wieder der Realität zu: Ich schlafe gerne und sage das nicht nur so, um mich wichtig zu machen. Wie man sich mit dem eigenen Schlafverhalten wichtig machen kann? Ich weiß es nicht. Ich weiß hier gar nichts. Aber irgendwem wird da schon etwas einfallen. Mir macht Schlafen einfach Spaß, was jedoch schwer zu beschreiben ist.

Menschen müssen schlafen. Natürlich gibt es immer wieder Geschichten von Bekannten, die jemanden kennen, der auf einem seriösen Fernsehsender wie RTL2 gesehen hat, wie jemand nicht schlafen kann und während der Schilderung seines schlimmen Lebens XXL-Schnitzel testet und dabei zeigt, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, was richtig und was falsch ist. Aber diese Ausnahmen möchte ich an dieser Stelle ignorieren. Menschen müssen schlafen und genau diesen Schlaf möchte ich hier nicht weiter berücksichtigen.

Der Schlaf, den ich meine, ist ein freiwilliger Schlaf, dem ich mich hin und wieder hingebe. In diesen Momenten stehe ich vom Schreibtisch auf, sage zu meiner Frau "Ich lege mich mal ein halbes Stündchen hin.", ignoriere ihre "Faulie!"-Äußerungen, lege mich ins Bett, schließe die Augen und genieße den Zustand der Ruhe. Natürlich nie wie angekündigt dreißig Minuten, sondern mindestens eine Stunde lang. Außer ich betreibe "Power-Napping". Das betreibe ich natürlich gar nicht wirklich aber ich habe letztens erfahren, dass der Mittagsschlaf mittlerweile so genannt wird und finde das unglaublich lustig. Genauso lustig wie den Umstand, dass sich irgendjemand da draußen nun darüber aufregt, dass ich "Mittagsschlaf" und "Power-Napping" miteinander vergleiche, weil das ja etwas vollkommen anderes ist. Ja, ja, ja. Ist es. Ich weiß. Was ich auch weiß: Mittagsschlaf ist kein tolles Schlagwort. Oder Schlafwort. Wie auch immer! Die Welt hat den Schuss schon seit langer Zeit nicht mehr gehört und das Echo macht auch keine Anstalten, jemals zu ihr durchzudringen.

Ich mag es, im Bett zu liegen und abzuschalten. Einfach ein bisschen Schlafen. Nicht unbedingt, um mich danach besser zu fühlen oder wacher zu sein, sondern weil ich gerne in die Traumwelt abdrifte und dort meine Ruhe habe, wenn ich nicht gerade von grünen Elefanten verfolgt werde und die Welt retten muss. Träume sind ja bekanntlich auch immer so eine Sache für sich.

Was ich leider nicht so gut kann, ist schnell einschlafen. Meistens brauche ich dafür mindestens fünfzehn bis zwanzig Minuten. Diese Zeit nutze ich dann, um über Pinguincomics oder spa-zone-Artikel nachzudenken. Das funktioniert oft richtig gut, wodurch das "leider" im ersten Satz dieses Absatzes gar nicht ernst gemeint war. Wegen der Einschlafzeit ist es übrignes auch unglaublich wichtig für mich, immer mein Notizbuch mit ins Bett zu nehmen. So sieht es übrigens auch aus. Und darum mag ich es so.

Ich kenne Leute, die schlafen nicht gerne mitten am Tag. Das kann ich nachvollziehen. Manchmal fühle ich mich nach dem Aufstehen schlechter als vorher. Mein Kreislauf ist nicht immer ein Freund meines Schlafverhaltens. Man hört auch oft, dass man beim Schlafen unproduktiv ist. Unproduktivität ist bekanntlich das Todesurteil der heutigen Gesellschaft. Genauso wie blöde Verallgemeinerungen dieser Art. Den Vorwurf der Unproduktivität lasse ich jedenfalls auf mich bezogen nicht gelten. Manchmal tauchen drei oder vier Pinguincomicideen während der Einschlafphase auf. Das ist Produktivität! In Reinform! Ein bisschen erbärmlich bin ich ja schon. Aber hier geht es ja um Schlaf und nicht um mich. So ein Glück.

An freien Tagen wache ich auch manchmal auf, öffne die Augen und sage mir: "Och, ich schlafe noch ein bisschen." In diesen Momenten kann ich vollkommen wach sein, ich bleibe liegen, schließe die Augen und befehle meinem Körper so lange, endlich einzuschlafen, bis er nachgibt. So kann ich dann auch mal zwölf Stunden am Stück im Bett verbringen. Stehe ich an diesen Tagen auf, fühle ich mich wohl. Geistig, nicht unbedingt körperlich. Dann sehe ich meine Frau an und sage: "Weißt du, das ist so toll, irgendwann wache ich einfach gar nicht mehr auf." Ist das nicht eine angenehme Art und Weise, sich den Tod schönzureden?

Genürsel 2013 - 43/52 - Schlaf
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Sven Himmen